Martin Buber : Der König
Gottes " nennen wird , weil im Traum der Gott darüber stand . Der spricht zu
ihm ; er verheißt ihm dreierlei : dieses Land , in das einst seine Nachkommen
von dem göttlichen Führer geführt werden sollen : die Mehrung und Breitung
des Stammes , wie sie dem Stammesgott obliegt ; und zum dritten seinen Bei¬
stand auf dem Weg , den Jakob jetzt zu gehen hat : „ Da , ich bin bei dir , / ich
will dich hüten , wo all hin du gehst , / und will dich heim zu diesem Boden
bringen , / wohl , ich verlasse dich nicht . / bis daß ich tat , was ich dir geredet
habe . " Der Gott ist nicht dem Ort verhaftet an dem er erscheint ; er weilt zwar
an ihm , aber nur als an einer Stätte der Manifestation ; und auch der Himmel ,
aus dem seine „ Boten " niedersteigen und seines Winks gewärtig an ihm vor -
überziehn , hält ihn nicht fest : er wandert mit seiner Kreatur , er bleibt ihr nah ,
er steht ihr bei , wo immer sie steht . Er folgt Jakob in die Fremde , er kehrt
mit ihm in die Heimat zurück . Wenn es an der Zeit ist , ruft er ihn an ( 3i , 3 ) :
„ Kehre in das Land deiner Väier , zu deiner Verwandtschaft ! / ich will dasein
bei dir . " Aber der ganze Vorgang ist bestimmt , sich auf breitrem Plan zuj
wiederholen . Von seinem Sohn Josef nach Ägypten geladen , wo , wie ( i5 , i3 )
dem Ahnen der Gott angesagt hatte , seine Nachkommen ins vierhundertste Jahr
verknechtet und bedrückt werden sollen , hört der alte Jakob - Israel ( 46 , 2 ff . )
wieder im Nachtgesicht , wie einst zu Bethel , die Stimme des El : „ Ich selber /
ziehe mit dir nach Ägypten hinab / und ich selber / bringe dich wieder herauf ,
ja herauf ! " Gilt das „ Heraufbringen " dem Leichnam , der aus Ägypten nach
Kanaan ins Erbgrab getragen werden wird ( Kap . 5o ) ? Es gilt darüber hinaus
dem „ großen Stamm " , der in Ägypten erwachsen soll und dessen dereinstige
Heimfahrt schon dem Abraham angesagt worden war ( i5 , r4 . 16 ) . Darum
auch sind die Worte „ dort lasse ich dich zu einem großen Stamme werden "
nicht , wie angenommen zu werden pflegt , als eine den Zusammenhang unter¬
brechende Glosse anzusehn ; durch sie wird das Folgende verständlich .
Man schreibt von den drei Gottessprüchen an Jakob , die ich herangezogen
habe , die beiden ersten der jahwistischen , den dritten der elohistischen Quelle
zu . Mir scheinen sie trotz der Verschiedenheit der Gottesbezeichnungen des
gleichen Geistes , des gleichen Gepräges zu sein . Es geht darum , am Lebensgang
des letzten der Erzväter das Walten des Mitgehenden , des Führergottes auf¬
zuzeigen .
Wie es in der Patriarchengeschichte darauf ankommen muß , JHWH von
den kananäischen Kultstätten zu lösen , so in der Auszugsgeschichte darauf , ihn
vom Sinai zu lösen . Es darf nicht geschehn , daß der Berg , der der Ort seiner
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