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gen . Schingnitz , Drieschs naher Mitarbeiter
und Schüler , ist in beiden Bänden vertreten ,
einmal mit dem Beitrag „ Formale Logik im
Bildungs - und Erziehungsprozeß ' und im
Bande der Schüler ( Obertitel : Ordnung und
Wirklichkeit ) mit einer größeren Arbeit über
die Grundpositionen in Drieschs Philosophie
und ihre Stellung im philosophischen Denken .
Daran schließen sich Abhandlungen über
Grundtypen der Philosophie , Kausalität , Lehre
und Person , metaphysische Probleme und Re¬
flexionen über Gewohnheit aus der Feder von
Schülern .
Unter den Jüngern Drieschs ist der Drang
zu selbständiger Fortentwicklung der Lehre
des Meisters deutlich , doch gleiten manche
ein wenig ins Literatenhafte ab — darin dem
Haupte der Schule , diesem unerbittlich
strengen Denker , unähnlich .
Oskar Wolfsberg .
Watson , J . B . : Psychische Erzieh¬
ung im frühen Kindesalter .
Verlag F . Meiner . Leipzig ( o . J . ) .
Diese deutsche Ausgabe des englischen
Originals atmet amerikanischen Geist : es ist
im Sinne des Behaviorismus geschrieben , in
jener unbekümmerten , zuversichtlichen Art ,
die die Tatmenschen jenseits des Ozeans aus¬
zeichnet . Unbekümmert um erzieherische Tra¬
ditionen , geht es den Weg der Empirie und
des Experiments und gelangt dabei sicherlich
zu wertvollen Ergebnissen . Hierher gehört
alles , was der physischen Erziehung und der
Ertüchtigung des Nervensystems und der Psyche
im schlichten Sinn angehört . Gut und lehrreich
ist alles , was Furcht und Wut betrifft ,
die Unterstreichung , daß nur laute , nahe Töne
und Aufhebung des Gleichgewichts von Ge¬
burt an Angst erzeugen . Die Heranziehung
der Pawlowschen Lehre von den bedingten
Reflexen für die Deutung von Erziehungs¬
fehlern und als Methode einer zweckmäßigen
Erziehung ( Überwindung von Erziehungsmän -
geln etc . ) ist wertvoll , desgleichen Mitteilungen
über Hygiene und Spiel .
Bedenken sind dem Abschnitt „ Geschlecht¬
liche Aufklärung " entgegenzusetzen , die nach
dem Vorschlag des Autors sehr früh in weit¬
gehendem Maße einsetzen soll ( auch die väter¬
liche Rolle wünscht er früh zu behandeln ) .
Am meisten aber werden doch viele Bedenken
gegen die Grundeinstellung hegen , bei aller
Anerkennung des Wertes der durch die Beha -
vioristen geförderten Resultate . Diese geht
an allem Substantiellen der Seele und an den
Schwierigkeiten der — nicht nur durch Er¬
ziehung und Milieu — sondern in der Erb¬
masse begründeten Verschiedenheit der In¬
dividuen vorbei und übersieht damit gerade die
schwierigsten Erziehungsfragen und die Gren¬
zen der Erziehung . Gar nicht zu sprechen
von der höheren Ebene des menschlichen
Lebens , der Sittlichkeit und Religiosität und
der Erziehung zu ihnen .
Inhalt des letzten Heftes :
Wilhelm Michel : Was heißt : Ende des Liberalismus ? Mit einem Nachwort von Max
Dienemann . — Michael Müller - Claudius : Vom politischen Haß zur politischen
Lauterkeit . Ein Vorschlag zum Rechtsschutz der Wahrheit in der öffentlichen Auseinander¬
setzung . — Joseph Carlebach : Naturwissenschaft und Wunder . — Käte Hambur¬
ger : Romantische Politik bei Thomas Mann . — Eva Reichmann - Jungmann : Flucht
vor der Vernunft . Kritische Bemerkungen zu neuer Literatur über die Soziologie des National¬
sozialismus . — Hanns Reißner : Mirabeaus Judenpolitik . — Ernst Lissauer : Aus dem
Dramatischen Mysterium „ Der Weg des Gewaltigen " . — Aus den Jugenderinnerungen Steinthals
mit einer Vorbemerkung von Leo Baeck . — Ernst Holz er : Der Aufruhr gegen den Geist . —
Margot Rieß : Religiöse Frauenlyrik . — Anzeigen .
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