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gungderJu den , wurde am25 . Juni '
nach kurzer Debatte angenommen ,
Ministerialdirektor Dr . Kriege ver¬
sicherte , daß der Berliner Vertrag
durch die neuen Bestimmungen zur
Ausführung gelangen werde . Die Ab -
. geordneten Scheidemann ( Soz . ) ,
Gothein ( Fortschr . Vp < ) , Cohn
( U . Soz . ) , Noske ( Soz . ) und Erz -
berger ( Zentr . ) bezweifelten dies ;
das neue Gesetz werde nur einem
Bruchteil der rumänischen Juden
die Gleichberechtigung bringen .
Polen . In der Sitzung des Staatsrats
vom 26 . Juni gaben jüdische Ver¬
treter ihre Erklärungen ab : Pri -
lutzki : „ Die durch mich vertretene
Volkspartei steht auf dem Boden der
polnischen Staatlichkeit , strebt ein
unabhängigej Polen an , das mit allen
Bedingungen ausgestattet ist , die zu
einer normalen , freien , wirtschaft¬
lichen , kulturellen , sozialen und
politischen Entwicklung erforderlich
sind . Auf dem Boden dieses Polens
fordern wir für das jüdische Volk
als für eine nationale - Minderheit
eine wirkliche menschliche und bür¬
gerliche Gleichberechtigung sowie
eine personal - nationale Autonomie . "
• Eiger ( Jüd . Assimilant ) : „ Wir
wünschen , zwischen der christlichen
und jüdischen Bevölkerung in Polen
mögen Grundsätze eines einträch¬
tigen harmonischen Zusammenlebens
und einer gemeinsamen Mitarbeit
zum Wohl des Vaterlandes herrschen . "
Pfeffer ( Orthodox ) : „ Es wird unser
Grundsatz sein , mit ' der ganzen pol¬
nischen Volksgemeinschaft Hand in
Hand zu gehen , würdige und nütz¬
liehe Bürger des Landes zu sein .
Wir vertrauen unerschütterlich da¬
rauf , daß derpolnische Staat . . ,
auch den Juden Gleichberechtigung
und religiöse Toleranz sichern wird/ '
1 « — 10 . ' Juli 1918
Deutschland . Arn 6 . Juli empfing Exz .
v . Falkenhausen die Herren Dr .
Ad . Fried ein an n und Prof . Dr . M .
Sobernheim vom „ Komitee für
• den Osten " und gab ihnen eine
Erklärung über die Judenfrage
in Litauen ab . ( Siehe die N . J . . M
Nr . 19 vom 10 . Juli 1918 . )
Deutschland . Die Herren Abgg . Noske
und Cohen - Reuß richteten am
7 . Juli an den Herrn Reichskanzler
eine kleine Anfrage über die Po¬
grome in Polen .
Amerika . Die größte jüdisehe Tages¬
zeitung New Yorks , der „ Vor¬
wärts " , wurde wegen des Ver¬
dachtes „ unpatriotischen in -
teresses ' für Deutschland " mit
dem Ausschluß vom Postbetrieb
durch die amerikanische Regierung
bedroht . Der „ Vorwärts " verpflich¬
tete sich , um dieser Maßregel zu
entgehen , in Zukunft keinerlei Aus¬
sprache über den Krieg zu gestatten .
Ukrtüna . Tagung des ersten demo¬
kratischen Lehrer - Kongresses
in Kiew . Zusammensetzung : SGßün -
disten , 26 vereinigte Sozialisten ,
10 Poale - Zionisten , 2 Voiksparteilcr
und 14 Parteilose . Wichtigste Re¬
solutionen : 1 . Die Unterrichts¬
sprache für alle Lehrfächer der
jüdischen Volksschulen ist jüdisch .
2 . Dio Landessprache wird so weit
gelernt , wie es zum Gebrauch irr *
täglichen , Verkehr notwendig ist .
3 . Hebräisch wird in den höheren
. Klassen gelehrt . 4 . Konfessionelle
( religiöse ) Erziehung darf in der
Schule keinen Platz einnehmen .
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Der Born Judas . Legenden ,
Märchen und Erzählungen gesam¬
melt von M . J . bin Gorion . IL Band :
Vom rechten Weg . ( Leipzig , Insel -
. Verlag . ) Preis geb . Mk . 6, — - .
Dem ersten Bande seiner jüdischen
Märchen , den Erzählungen „ Von Liebe
und Treue " , der trotz der Kriegszeit
— oder wegen der Kriegszeit ? — viel
gelesen wurde und bereits vergriffen
ist , hat der unermüdliche Sammler
eine zweite Eteihe folgen lassen , „ Vom
rechten Wege " genannt . Die Art seines
Zusammenstellens zerstreuter Volks¬
dichtungen hat sich , wie er selbst
hervorhebt , in diesem Bande ein wenig
( jedoch nicht durchgängig ) verändert
Bildete in der ersten Sammlung das
Thema den Grundton , so besteht
hier die Einheitlichkeit in der Form
und dem Charakter der Legenden
und Geschichten . Bin Gorion stellt