MENORAH
Carl Marx , an Enemy of Jewry / Karl Marx als Judenfeind
Da immer behauptet wird , das Juden¬
tum stünde zu einem Großteil im marxisti¬
schen Lager , was übrigens eine glatte Er¬
findung ist , dürfte ein antisemitisches
Pamphlet interessieren , das keinen Gorin¬
geren als den Schöpfer des modernen So¬
zialismus , Karl Marx , zum Verfasser hat .
Der im Jahr 1874 erschienene Aufsatz
hatte nach der Berliner „ Roten Fahne "
folgenden Wortlaut :
„ Suchen wir das Geheimnis des Juden
nicht in seiner Religion , sondern suchen
wir das Geheimnis der Religion im wirk¬
lichen Juden . Welches ist der weltliche
Grund des Judentums ? Das praktische
Bedürfnis , der Eigennutz .
Welches ist der weltliche Kultus des
Juden ? Der Schacher . Welches ist sein
weltlicher Gott ? Das Geld . Nun wohl !
Die Emanzipation vom Schacher und vom
Geld , also vom praktischen realen Juden¬
tum , wäre die Selbstemanzipation unserer
Zeit . Eine Organisation der Gesellschaft ,
welche die Voraussetzungen des Schachers
aufhöbe , hatte den Juden unmöglich ge¬
macht . Sein religiöses Bewußtsein würde
wie ein fader Dunst in der wirklichen Le¬
bensluft der Gesellschaft sich auflösen .
Die Judenemanzipation in ihrer letzten
Eisenstadt
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Bedeutung ist die Emanzipation der
Menschheit vom Judentum .
Der Jude hat sich auf jüdische Weise
emanzipiert , nicht nur , indem er sich die
Geldmacht angeeignet , sondern indem
durch ihn und ohne ihn das Geld zur Welt¬
macht und der praktische Judengeist zum
praktischen Geist der christlichen Völker
geworden ist . Die Juden haben sich inso¬
weit emanzipiert , als die Christen zu Juden
geworden sind .
Das Judentum hat sich neben dem
Christentum gehalten , nicht als religiöse
Kritik des Christentums , sondern ebenso
sehr , weil der praktisch - jüdische Geist ,
weil das Judentum in der christlichen Ge¬
sellschaft selbst sich gehalten und sogar
seine höchste Ausbildung erhalten hat . Der
Jude , der als ein besonderes Glied in der
bürgerlichen Gesellschaft steht , ist nur die
besondere Erscheinung von dem Judentum
der bürgerlichen Gesellschaft .
Das Judentum hat sich nicht trotz der
Geschichte , sondern durch die Geschichte
erhalten . Aus ihren eigenen Eingeweiden
erzeugt die bürgerliche Gesellschaft fort¬
während den Juden .
Das praktische Bedürfnis , der Egoismus
ist das Prinzip der bürgerlichen Gesell¬
schaft und tritt
rein als solches
hervor , sobald die
! bürgerliche Gesell¬
schaft den politi¬
schen Staat voll¬
ständig aus sich
herausgeboren .
Der Gott des
praktischen Be¬
dürfnisses und
Eigennutzes ist das
Geld .
Das Geld ist
der eifrige Gott
Israels , vor wel¬
chem kein anderer
Gott bestehen
darf . Das Geld
erniedrigt alle
Götter des Men¬
schen — und ver¬
wandelt sie in eine
Ware . Das Geld
ist der allgemeine ,
für sich selbst kon¬
stituierte Wert al¬
ler Dinge . Es hat
daher die ganze
Welt , die Men¬
schenwelt wie die
Natur , ihres eigen¬
tümlichen Wertes
beraubt . Das Geld
ist das dem Men¬
schen entfremdete
Wesen seiner Ar¬
beit und seines
Daseins , und dies fremde Wesen beherrscht
ihn , und er betet es an .
Der Gott der Juden hat sich verwelt¬
licht , er ist zum Weltgott geworden . Der
Wechsel ist der wirkliche Gott des Juden .
Sein Gott ist nur der illusorische Wechsel .
Das Judentum erreicht seinen Höhe¬
punkt mit der Vollendung der bürgerlichen
Gesellschaft ; aber die bürgerliche
Gesellschaft vollendet sich erst in der
christlichen Welt . Nur unter der Herr¬
schaft des Christentums , welches alle na¬
tionalen , natürlichen , sittlichen , theoreti¬
schen Verhältnisse dem Menschen äußer¬
lich macht , konnte die bürgerliche Gesell¬
schaft sich vollständig vom Staatsleben
trennen , alle Gattungsbande des Menschen
zerreißen , den Egoismus , das eigennützige
Bedürfnis an die Stelle dieser Gattungs¬
bande setzen , die Menschenwelt in eine
Welt atomistischer , feindlich sich gegen¬
überstehender Individuen auflösen . Das
Christentum ist aus dem Judentum ent¬
sprungen . Es hat sich wieder in das Juden¬
tum aufgelöst . Der Christ war von vorn¬
herein der theoretisierende Jude , der Jude
ist daher der praktische Christ , und der
praktische Christ ist wieder Jude gewor¬
den .
Sobald es der Gesellschaft gelingt , das
empirische Wesen des Judentums , den
Schacher und seine Voraussetzungen auf¬
zuheben , ist der Jude unmöglich geworden ,
weil sein Bewußtsein keinen Gegenstand
mehr hat , weil die subjektive Basis des
Judentums , das praktische Bedürfnis ver¬
menschlicht , weil der Konflikt der indivi¬
duell - sinnlichen Existenz mit der Gattungs¬
existenz der Menschen aufgehoben ist .
Die gesellschaftliche Emanzipation des
Juden ist die Emanzipation der Gesell¬
schaft vom Judentum . "
*
Diese Äußerungen des Begründers der
Sozialdemokratie können auch vom ex¬
tremsten Antisemitismus nicht leicht über¬
troffen werden . Es wäre aber ein großer
Fehler , wollte man glauben , daß Marx
erst im Jahre 1874 zu dieser Anschau¬
ung gekommen wäre . Damals war der
große Gelehrte schon ein reifer Mann , er
hatte sein vielleicht bedeutendstes Werk
„ Kritik der politischen Ökonomie " längst
hinter sich . Auch der erste Band seines
Systems war bereits erschienen . Viel mehr
aber steht der junge Marx in bezug auf
das jüdische Problem auf einem radikaleren
Standpunkt . Lange vor dem „ Kommu¬
nistischen Manifest " , das er zusammen mit
Engels verfaßte , schrieb er einen Artikel
zur Judenfrage in den Deutsch - französi¬
schen Jahrbüchern 1 844 . In diesem Auf¬
satze heißt es , daß der Eigennutz
die eigentliche Religion der
Juden sei . In allen Studien des alten
und jungen Marx kommt der Satz vor :
„ Die gesellschaftliche Emanzipation der