Geleitet von Richard R e t i
Der \ \ ettkampl um die " Weltmeister¬
schaft
Der Weltkampf zwischen Capablanea
und Alekhine , welcher gegenwärtig um den
Weltmcislerschaftslilel in Buenos - Aires aus¬
getragen wird , muß als das bedeutendste
schachspoiiliche Ereignis der letzten Jahre
betrachtet werden . Allerdings hat dieses
Match einen wesentlich anderen Charakter
als die größten Wertkämpfe , in welchen vor
einigen Jahrzehnten Sleinitz den Weltmeister -
tilel gegen Gegner wie Zuckertort , Blackburne ,
Tschigorin und andere behauptete . Wenn
man diese Wellkümpi ' e studiert , gewinnt man
den Eindruck , daß seine Gegner eigentlich
die besseren Spieler , die größeren Talenle
waren , aber sich doch vor der überlegenen
Intelligenz , vor dein größeren Denker und
Schachdenker auf die Dauer beugen mu߬
ten . Mit dem Supremat Capablancas ist es
eine andere Sache Er ist unbestritten heute
der größte Schachspieler und der vollendete
Sehachspoiismann . Seine Überlegenheit beruht
darauf , daß er anscheinend keine Nerven be¬
sitzt , niemals ermüdet , keine Versehen macht ,
seine Kraft immer zur Verfügung hat , wenn
er sie braucht . Das Zusammentreffen der
feinnervigen europäischen Schachmeister ,
welche alle mehr den Typus des Künstlers
repräsentieren , mit . Capablanea , machte für
Anhänger des künstlerischen Schachs bis¬
weilen den traurigen Eindruck , als ob man
mit lebenden Gehirnen gegen eine feste Wand
anrennen wollte . Das trotz alldem schon bis¬
her staunenerregende Resultat , daß Alekhine
sich nicht nur behaupten , sondern sogar
einen vorläufigen Vorsprung von einem gan¬
zen Zähler erringen konnte , läßt die Hoff¬
nung als berechtigt erscheinen , daß erfreu¬
licherweise auch im Schach auf die Dauer
Phantasie und künstlerische Schöpferkraft
über noch so vollendete Technik zum
r i riumph gelangen könnte .
Wir lassen die siebente Partie des Well -
kainpfes folgen .
Weiß : Capablanea Schwarz : Alekhine
7 . Ma t ch p a r Ii e .
1 . d2 ~ d4 d 7 — d 5
2 . c2 - c4 e7 — c6
3 .
Sgl
f3
S b 8
d7
4 .
Sbl
c 3
Sg8
f ( >
5 .
Lei -
- gö
c 7

6 .
e2 -
e 3
D d 8
a 5
Die Cambridge Springs Variante . mit
welcher Schwarz den Beweis liefern möchte ,
daß der übliche weiße Fesselungszug Lei — gö
ein verfrühter Angriff war . Der SfC > ist nun
entfesselt , Schwarz greift am Damenllügei an .
um davon Vorteil zu ziehen , daß der Damen -
läufer vom Damenflügel entfernt ist . Schwarz
droht nun Sf ( > — e4 . Das eigentliche Problem
der Verteidigung des Damengambits liegt aber
in der Schwierigkeit , den schwarzen Damen¬
läufer ins Spiel zu bringen , und es scheint ,
daß dieses Problem trotz der vorübergehen¬
den Initiative , die Schwarz entwickelt , mit
der Cambridge Springs - Verteidigung nicht ge¬
löst wird .
7 . S f 3 d2 .....
Die beste Verteidigung gegen den schwar¬
zen Angriff . Allerdings muß Weiß jetzt auf
die ungedeckte Stellung seines Damenläu¬
fers bedacht sein , er darf zum Beispiel im
zweitnächsten Zug nicht 9 . Lfl — d3 spielen ,
da Schwarz mit d5Xc4 eine Figur gewin¬
nen würrle . eine Falle , in welche uner¬
fahrene Spieler mit großer Regelmäßigkeit
hineinfallen .
7 ...... Lf8 — b4
8 . D d 1 - c 2 0 - 0
9 . Lg5 — h4 .....
Bringt den Damenläufer in Sicherheit ,
um mit Lfl — d3 fortsetzen zu können . Wenn
Schwarz nun seinen Angriff nicht fortführen
kann , ist er klar im Nachteil . So ist der fol¬
gende , etwas riskante Zug Alekhins zu ver¬
sieben .
9 ...... e 6 c 5
Eine andere , aber weniger energische
AngrifTsniöglichkeit war hier Sfß — e4 .
10 . Sd2 b3 Da5 a4
Es gibt für die schwarze Dame kein völ¬
lig befriedigendes Feld . Auf a4 steht sie ag¬
gressiv , da sie den Sb3 fesselt , und da nach