DIE KUNST , ALS JUDE ZU LEBEN
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schaffen hatte , ein Kulturschandmal , bestimmt , die Juden zu ächten ,
war der Urheber des Kreuzzuges gegen die Albigenser , die tatsächlich
ausgerottet wurden .
Als die Mauren aus Spanien und Sizilien abgedrängt wurden , ihre
Reiche verfielen und die Moslem in die Minderheit kamen , wurden in
drei Konzilbeschlüssen ( 1178 , 1239 , 1329 ) Verordnungen gegen sie und
gegen die Juden erlassen . Beiden Minderheiten waren christliche
Ammen oder Dienstboten untersagt und beide mußten sich äußerlich
in ihrer Tracht von den Christen unterscheiden , denen es verboten
war , jüdischen oder mohammedanischen Festen oder Festmahlen bei¬
zuwohnen . Als im Jahre 1391 in Spanien blutige Judenverfolgungen
ausbrachen , wurden auch 10 . 000 Mohammedaner zwangsweise getauft .
Die Inquisition verbrannte bei demselben Autodafe Juden , Moslem ,
Ketzer und katholische Frauen als sogenannte Hexen .
Die Hetze gegen andere Minderheiten verlief nur dann milder ,
wenn sie Völkern oder Glaubensgenossenschaften angehörten , deren
Rache man fürchten mußte , weil in ihrer Mitte Mehrheitsmitglieder
lebten . Die Juden als zusammenhanglose , vom Boden losgelöste ewige
Minderheiten durften rücksichtsloser behandelt werden , und es ist wie
ein Wunder , daß es nicht häufiger geschah . In der Türkei waren
Christen und Juden Raja , das heißt Bürger letzter Ordnung . Im Orient
wurden die Christen vielfach als Hunde von Hunden stammend be¬
schimpft , während die Juden unbehelligt blieben . Nur ausnahmsweise
ist es vorgekommen , daß Juden verfolgt wurden .
Christenmetzeleien wiederholten sich leider immer wieder . Sollen
wir das Schicksal der Hugenotten anführen , deren feinste Blüte in der
Bartholomäusnacht hingemordet wurde und die ihre Heimat verlassen
mußten ebenso wie die Protestanten in Salzburg und in Tirol ? Wir
müssen keine Zeugen in der Vergangenheit suchen . Auch unsere Zeit
bietet genügend Beispiele für die geringschätzige Behandlung der Min¬
derheiten .
Die Deutschen in Amerika , die mit ihren Nachkommen etwa zehn
Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen , galten trotz Reichtum und
politischer Stellung einzelner als durchaus minderwertig , als Bier¬
trinker , Sauerkraut - und Wurstesser , als plump und derb . In Anleh¬
nung an die früheren Einwanderer , die Holländer , und als Homonym zu
„ deutsch " wurden sie „ dutch " genannt , die Bezeichnung für alles , was
unelegant , unmodisch , bäuerlich war . Während des Weltkrieges , als
die Deutschen „ Hunnen " geschimpft wurden , verschlechterte sich ihre
Stellung in bedrohlicher Weise . Es geschah , daß Deutsche geteert und