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MENORAH
gefedert wurden , ein evangelischer Pastor wurde mit einem Strick um
den Hals durch die Stadt geschleift und nur das jammervolle Flehen
seiner Frau hinderte Schlimmeres .
Chinesen und Japaner , deren Konkurrenz man fürchtet , werden
mit allen nur erfindbaren Lastern behaftet , um ihren Ausschluß von
der Einwanderung zu rechtfertigen . Und das alles nur als eine Folge
ihrer nüchternen Arbeitsamkeit , deren Wettbewerb man abwehren
will . Die Chinesen , die das Wäschereigewerbe fast monopolisiert
hatten , wurden nach und nach vollständig verdrängt , vielfach mit ge¬
waltsamen Mitteln . In einigen Städten wurden sie nachts überfallen
und vor ihren Türen aufgehängt . Nicht viel besser erging es den
christlichen Missionären in China , die wiederholt überfallen und hin¬
gemordet wurden , mehrfach unter der Beschuldigung , daß sie zu Ostern
Chinesenkinder abschlachteten .
Im 17 . Jahrhundert wurden die Katholiken in Norddeutschland
mehr gehaßt als die Juden , und ähnlich war die Stimmung im 17 . und
18 . Jahrhundert in England . Milton , der große Dichter , der Autor des
„ Lost paradise " , schrieb 1623 ein Werk „ On true religion , heresy ,
schism , toleration " ! Darin sagte er unter anderem : „ Die protestanti¬
schen Sekten , welcher Art immer , könnten toleriert werden , nicht so
der Katholizismus , weil sein Gottesdienst abgöttisch ist und das Alte
Testament die Duldung der Abgötterei verbietet . "
In den Vereinigten Staaten wäre es bis zum heutigen Tage gänz¬
lich ausgeschlossen , daß ein Katholik die Würde des Präsidenten er¬
reichte . In den Jahren nach dem Kriege , der den Chauvinismus in aller
Welt neu angeregt hat , entwickelte sich in den Südstaaten von Nord¬
amerika ein organisierter Katholikenhaß . Die Hetze begann mit Anti¬
semitismus . Die Drahtzieher dieser Bewegung fanden jedoch , daß es
in diesen Staaten zu wenig Juden gebe , um die Bewegung politisch
ausnützen zu können ; sie wendeten sich daher gegen die Katholiken .
So entstand der Geheimorden Ku - Klux - Klan , der sich gegen Neger ,
Katholiken und Juden wendet , drei Minderheiten , von denen die Neger
ihre Unterdrückung am widerspruchlosesten tragen . Die religiöse Zeit¬
schrift „ The Christian Century " schreibt , daß „ ein bescheidener ehe¬
maliger jüdischer Kaufmann " , gemeint ist der bekannte Philanthrop
Julius Rosenwald in Chikago einen Fonds gründete , um von Negern
errichtete Schulen reichlich zu unterstützen .
Wird dieses christliche Lob , diese wunderbar generöse Handlung ,
die Hilfe einer Minderheit für die andere den Stammesgenossen Rosen -
w r alds zu einer besseren Stellung in den Vereinigten Staaten helfen ?