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MENORAH
trittst , so wirst du dort viele auf den Knien
finden , doch auf dem Wege dorthin wirst
du immer allein gewesen sein . "
Ein Erlebnis , so alt wie die Vergesell¬
schaftung der Menschen und so neu wie der
junge Tag . Jeder Weg zur Wahrheit ist mit
Dornen besät und wenn die Pfadfinder zum
Ziele kommen , finden sie die Marodeure des
Erfolges , die mühelos über sie emporgestiegen
sind .
Etwa nahe an 500 Sprüche , manche zu
Abhandlungen ausgeweitet , gereimt und in
Prosa , aus allen Beziehungen des Lebens ,
rufen zum Nachdenken , erregen Widerspruch
oder Zustimmung und gar mancher Ausspruch
> vird unser künftiges Denken , vielleicht unser
Handeln beeinflussen .
Wer vermag sich dem Einfluß des folgen¬
den Gedankens zu entziehen :
„ Wem die Gabe der Gerechtigkeit ver¬
liehen ist , ohne die übrigen göttlichen Ei¬
genschaften , Allmacht und Allweisheit , der
ist übler dran als der Ungerechte , denn er
ist zur Selbstzerstörung bestimmt . "
Das könnte als Motto über einer jüdi¬
schen Kulturgeschichte stehen . Uns wurde
die Gerechtigkeit zum Gesetz . In allen Bezie¬
hungen zu leidenden Menschen , die die mo¬
dernen Völker Wohltat nennen oder gar Al¬
mosen , war unseren Vorfahren „ Zedaka " -
Gerechtigkeit befohlen . Die Bedrückung des
Sklaven , das Ausnützen der Arbeiter , die Zu¬
rücksetzung des Fremdlings , das alles war
uns verboten . Und selbst im Herzen Gottes
> var uns kein Sonderplatz vergönnt . Denn es
heißt : „ Auch die Frommen , die keine Israe¬
liten sind , haben teil an der ewigen Seligkeit . "
Demgegenüber stehen der Islam und das
Christentum , die nur ihren Bekennem das
eAvige Leben gönnen , den anderen zumeist
kaum das zeitliche .
Und wahrlich , die Juden sind eben da¬
bei , sich selbst zu zerstören . Der einzelne er¬
kennt die Fehler der Gesamtheit , wobei er
sich selbst ausschaltet , der Widerstand oder
gar der Haß der Mehrheit wird durch unser
„ Verstehen " gemildert , was uns Kraft und
Sicherheit nimmt . Schnitzler sagt darüber ,
wohl ins allgemeine gewendet , aber für die¬
sen Einzelfall von besonderer Bedeutung :
„ Bewahre uns der Himmel vor dem
„ Verstehen " . Er nimmt unserem Zorn die
Kraft , unserem Haß die Würde , unserer
Rache die Lust und noch unserer Erinne¬
rung die Seligkeit . "
Ja , das „ Verstehen " , das objektiv sein
wollen um jeden Preis , es nimmt auch unse¬
rem Erinnern die Seligkeit , sonst müßte die
Erinnerung an unsere seltsam große Vergan¬
genheit uns beseligend erfüllen und erhöhen .
Das führt zwar weitab von dem Buche ,
das wir besprechen wollen — aber der Nach¬
weis — daß es in die Vergangenheit zurück¬
führt und Brücken in die Zukunft schlägt , ist
ein Beweis für seinen hohen Wert .
Y . - St .
Von BücJiern , Dichtern und Verlegern
Von Jakob K 1 a l z k i n erschien im
Verlage Esch Kol ( Berlin ) : „ Philosophisches
L ex i k o n ( hehr . - deutsch ) des hebräischen
Schrifttums . " Das Werk stellt den ersten Ver¬
such dar , die begrifflichen und terminolo¬
gischen Elemente der jüdischen Gedanken¬
welt und insbesondere der Religionsphiloso¬
phie zu ergründen .
Im Verlage Georg Müller , München , er¬
schien in der Sammlung Religio — Darstel¬
lung religiöser Charaktere und Strömungen ,
— ein Band „ M ose s " , von Uriel B i r n -
b a u m .
Die Alexander Kohtit - Stiftung in Berlin
läßt als Band I einer Serie von Werken , die
der semitischen Philologie gewidmet sind , im
Verlage der Asia Major ( Leipzig ) erscheinen :
Salzlehre der aramäischen Sprache des baby¬
lonischen Talmuds von Michel Schle¬
singer .
JOHANNA ABELES & SOHN
MIEDERSPEZIALITÄTEN
WIEN , I . , ROTENTURMSTRÄSSE 23
Herausgeber Dr . Norbert Hoff mann , Eigentümer und Verleger Habrith - Verlagsgesellschaft m . b . H . ,
sämtlich Wien , I . , Zelinkagasse 13 . Verantwortlicher Redakteur Friedrich Matzner , Wien , V . , Margareten¬
gürtel 22 . Druck der Waldheim - Eberle A . G . ( verantwortl . : Karl Wieland ) , Wien , VII . , Seidengasse 3 — 11 .