511
das Gedeihen dieser Reform im Interesse der christlichen , wie der israe -
littschen Bevölkerung durch einen wohlbemeffenen UebergangSzustand be - -
dingt . In Betracht des wichtigen Umstandes , daß der christlichen Bevöl -
kerung , ohne veranlassendes Ansinnen der Landesrepräsentation , RegierungS -
Vorschläge zu abermaliger Prüfung des Systems christlicher Ansässigmachun -
gen angekündigt sind , und daß nichts naturgemäßer sein kann , als der
israelitischen Frage gleichzeitige Behandlung mit der christlichen anzuwei -
sen , erblickt der Ausschuß kein anderes Mittel , als das Aufsuchen des
Uebergangszustandes in jenem milden , ״zustimmende gemeindliche Erklä -
rungen vollberücksichtigenden " ׳ Vollzüge des bestehenden Gesetzes , wofür die
wohlwollenden Aeußerungen des Ministers gelegentlich der Ausschußbera -
thüng eine erfreuliche Aussicht böten . Demgemäß schlägt der Ausschuß
folgende Bitte an den Thron vor : 1 ) mit der angekündigten Initiative
zu erneuerter legislativer Revision der allgemeinen Normen über Ansäs -
sigmachung uMVereheligung , auch jene zu legislativer Revision der noch
in Kraft gebliebenen Bestimmungen des Edicts von 1613 über die Ver -
hältnisse der jüdischen Glaubensgenossen verbinden zu lassen ; 2 ) alle äußere
halb des erwähnten Edicts in Absicht auf die Verhältnisse der israeliti -
schen Glaubensgenossen etwa noch als geltend erachteten polizeilichen
Ausnahmsbestimmungen außer Kraft und Wirkung zu setzen .
' Hü Berlin , s . Juni . Für heute nur eine kurze Notiz , die für
unsere Personen und Verhältnisse charakteristisch genug ist .
An hiesiger Universität besteht ein kleines Stipendium für Me -
diziner , welches alljährlich Denjenigen gewährt wird , die sich durch -
ein im Auditorium zu fertigendes Extemporale darum bewerben . ׳
Da , wie gewöhnlich , die Aufforderung zur Bewerbung allgemein an
die Commilitonen gerichtet war , so war auch diesmal die beträchtliche Zahl
von 20 Studenten erschienen , als der Dekan , Professor Jüngken , er -
schien und den Versammelten , wie die hiesigen Montagszeitungen berichten ,
eröffnete , daß auf höhere Anordnung diesmal nur christlichen Studenten
der Medizin die Vergünstigung des Stipendii gewährt werden würde . In
Folge der Anzeige mußten sich 18 Studenten entfernen .
Als pikantes Seitenstück hiezu entnehme ich der verläßlichen ״Lon -
doner Korrespondenz, " der geachtetsten hiesigen Zeitung , folgenden Passus :
— ״Darüber ist in London nur eine Stimme , daß die City seit Jahren
keinen so würdigen Vertreter gefunden hat , als jetzt in Mr . Salomons . "
Meiningen , 3 . Juni . In Folge des neuen Juoengesetzes hat
das Ministerium alle Verwaltungsämter angewiesen , sofort Einleitung zu
treffen , daß die Einverleibung sämmtlicher mit Unterthanenrecht im Lande
wohnenden Juden in den Gemeindeverband ihres Heimathsortes mit mög -
lichster Beschleunigung stattfinde , auch genau zu untersuchen , ob und wo
Judengemeindevermögen vorhanden ist , welches zu politischen Zwecken be -
stimmt war und in diesem Falle dahin zu wirken , daß die Ueberweisung
desselben an das Gemeindevermögen des Ortes erfolge . —