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Das Seid thörichtcn Dünkels macht Lärm , ׳
Und ist doch Unwissenheit , und weiß eben Nichts ,
Und sitzt an der Thür ihres Hauses ,
Ans Thronsessel auf den Höhen der Stadt ,
Die ihres Weges ziehen anznrufcn ,
Die ihre Pfade gerade richten :
Wer unbelchrt ist , konnue hierher ,
Und wem das rechte Herz fehlt , sie redet ihm zu :
Gestohlene Wasser sind süß ,
Und Brod der Heimlichkeit thnt wohl !
Und er weiß nicht , daß Abgestorbene dort sind ,
Zn die Tiefe der Gruft ihre Geladenen gelangen .
( 9,13 — 18 . )
Zwei einander entgegengesetzte Lehren sind es , die
ans die Gemüthcr der noch nicht zum selbstständigen
Denken gelangten Unbclchrten und Unerfahrenen Einfluß
gewinnen können , die Eine führt zum Leben , die Andere
zum Tode . Die göttliche Lehre , der Inbegriff aller
Weisheit ( הכנ * ות ) , hat sich nicht damit begnügt , allge -
meine Wahrhcitssätzc ausznsvrcchcn , sie hat ״ ihr HauS "
geballt , hat das ganze Gebäude eines Menschen - und
Volksdascins auf ihren Grundsätzen aufgcführt , hat es
auf ״ sieben Säulen " , den Säulen ihrer ״ Bollkommeu -
heit " gestützt — ( nach 116 שכת , a . den sieben Büchern
des Gesetzes , das vierte Buch durch פרשת ויהי [ פנס ! ע
zu drei Büchern gctheilt , parallel den sieben SchöpfnngS -
tagen des andern Werks göttlicher Weisheit . פנהדרץ
38 , a . ) — hat das unter ihrer Acgide zu entwickelnde
Leben mit allen ״ nährenden " und ״ beglückenden " Lehren
lind Vorschriften in allen Einzelheiten ausgeführt und
als שולחן ערוך , als geordneten Tisch für die geistige
und sittliche ) tahrung ihrer Menschen bereitgcstellt ,
ttild hat ihre Dienerinnen , ihre Lehrer , Propheten und
Weisen , durch deren Mmld die תקרא , sie ruft , auf
eine das ganze menschetigesellschaftlichc Lebet ! überblickende
und beherrschende Anhöhe ausgcsandt , und ruft nun
durch deren Mmid die noch Unbclchrten , ja die noch
an geistiger Fassenskraft Mangelhaften auf , die von ihr
für Geist und Gemüth bereitete , Kraft mib Freude ge -
währende Nahrung in sich allfznnchmen , fordert sie
auf , die Gemeinschaft und das Beispiel Uinvissender
zu verlassen , und an ihrem Tische Leben zu gewinllcu
und zu ihrem Heile den Weg der Einsicht zu beschreitcn .
Die andere , die Men scheu - Lehre , hat uoch überall
lein Gebäude fertig gebracht , sie , ein geräuschvolles , vom
thörichtcn Dünkel befangenes Weib , sie macht viel Lärm
von sich und ist doch die vollendete Unwissenheit in
allem Dem , was dein Menschen vor Alle ! ! ! zu wissen
Noth thnt , ja , ihr Stolz ist , daß sie Nichts weiß ,
nichts weiß von all dem ״ idealen " Höhern , von den !
andere Menschen so thöricht sind , sich ihr sinnliches
Leben verkümmern zu lassen , von dem sie aber glaubt ,
daß man davon überall nichts wissen kann und das
als Märchen und Dichtung die Menschen um den
Genuß ihres Lebens bringt . Auch diese Lehre sucht
Propaganda zu machen , sie hat freilich kein Gebäude
in ! Ganzen und Einzelnen ausgeführt , das ist ihr viel
zu ernst und mühsam und auch überflüssig , ihre Lehre
ist einfach und leicht zu fassen und kann in Wirklich -
feit auf Einem Fuß stehend oder im Vorübergehen
erlernt werden . Sic spricht auch nicht von einer die
Höhen des menjchengescllschaftlichen Lebens überragenden
Höhe herab . Ein solches Höhere gicbt cs ja für sie
gar nicht . Aber gleichwohl auf den Höhen der Menschen -
gcsellschaft hat sic ihre Wohnung genonnnen , denn eben
in den oberen Schichten rechnet sic an ! Meisten auf
Sympathie und Jünger , dort stellt sic sich an der
Thüre ihrer Wohnung einen Thronsesscl zurecht , die
in ihrer Unschuld des Weges ziehen und die noch so
einfältig sind , ihren Wandel auf das Gerade und
Rechte zu richten , herbeiznrufcn ; ״ Unwissende " nennt
sic sie , ״ Verstandlose " , die von der rechten Lebens -
Philosophie nichts wissen . Sie sollten es nur einmal
versuchen , abweichend von den ! geraden Wege das Ver -
botene zu kosten , wie süß verbotene Wasser sind und
eben durch das Verbot nur noch an Süßigkeit ge -
winnen Der großen Menge , der Oesfentlichkeit müsse
man freilich das Sittengesetz lassen . Aber in 2 תריכ ,
privatim und für sich lache jeder Vernünftige der für
das ״ Volk " berechneten sogenannten Moral und wisse
sich das Angenehnte sinnlichen Wohlgenusscs zu gönnen .
Wer dem Verlockenden dieser Lehre Gehör gicbt
weiß aber nicht , daß ihre Hand nicht zum Leben , sondern
zum Tode führt , dein wahren Leben Abgestorbene den
Kreis ihrer Jünger bilden , und die zu ihrem vermeint -
lichen Lcbensmahl ( geladenen in der Tiefe des irdischen
Grabes enden . —
Der Merstrcit der Wlhteil .
Aus dcu Auszcichuuugcu ihrer Mutter mitgctheilt von Sulamith .
Es war an ! Nosch - Haschanah Vormittag . Der
Rabbiner hatte die Kanzel bestiegen ; in tiefer Bewegung
hing die Gemeinde an den Lippen des hochgeschätzten
und geliebten ehrwürdigen Greises . Er sprach von der
hohen Bedeutung des heiligen Augenblicks , in welchem
der Ton des Schofar sich erheben werde , uns vor den
Nichterstnhl Gottes zu laden , den ! alle geheimsten Ge -
danken des Sterblichen offenbar sind . An den eben
j verlesenen Abschnitt aus dein Gottcsworte ankuüpfend ,
wies er ans die hehren Gestalten Abrahan ! und Isaak
hin , wie sie einmüthig zum schwersten Opfer entschlossen
waren , um dem Befehle Gottes Gehorsam zu leisten ;
wie sie eines Sinnes und eines Herzens , Vater und