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strebt , nimmt sie auch das speziell jüdische Interesse
wahr . Wir sind mich ganz damit einverstanden , wenn
Herr Dr . Pallai die Inden als Aienschcn bezeichnet ,
welche van ihm verschieden sind . Gottlob , daß dem
also ist . Wenn er aber ״zum offenen Kampfe gegen "
und für den Erlaß ״wirtlicher Ausnahmegesetze " für
die Inden ausfordene , so mögen die l . üoo Berliner
Biertrinker in der Viktoria - Brauerei iljm Beifall spen -
den , hier in Wien wendet man sich mit Abscheu von einer
Forderling , die dem Recht und der Moral geradezu
ins Angesicht schlägt , und wundert sich nur , daß für
eine solche in Berlin ein ׳Won des Lobes zu finden
ist . Man hat hier and } gar nichts dagegen , wenn
Herr Pattai ganz nach Berlin übersiedelt , er ist hier
wirtlich überflüssig und findet dort viel leichter willige
Ohren für seine Rvdomontaden , als hier .
A . Prost bürg , 19 . Dezember . In Wartberg
( Prcßbnrger Komital ) wurde anläßlich der vor -
wöchentlichen Abgeordnetenwahl , der amiseinitifche Kandi -
bat Franz 9t ath , gegen einen Negiert,ngö - Kandidaten ,
gewählt . Seine Prograrnmrcde strotzte von Invektiven
gegen die Inden lind gegen die Negierung . Rath war
früher Honorar - Sekretär der hiesigen Finanz - Direktion ,
wurde aber durch den Minister seiner Stelle enthoben .
Bon dieser Zeit ab gehört er zu den wüthcndsten Anti -
scmiten .
n Pest , 22 . Dezember . In der heutigen
Sitzung der königlichen Tafel als Appelli ' nstanz in dem
Tisza Eszlarer Prozeß wurde das Unheil gesprochen .
Dasselbe enthält die Bestätigung des ersten sreisprechenden
Erkenntnisses und die Zurückweisung der Berufung des
Privatklägers . Die Mouvining des kkrtheils nächstens .
T ürkei .
- ml . Kronstaritrnvpel , l « l . Dezember . Das ent -
setzliche Brandunglück , welches unsere spanisch indische
Gemeinde in Hasköj traf , hat trotz der allseitigsten ,
innigsten Theilnahmc große ׳ ( ׳iedergcschlagenhcit vernr -
facht . Wenn auch die Obdachlosen ans Befehl des
Sultans in einer großen Kaserne nnkergebracht sind ,
wenn auch sofort ein Komin ' ׳ reicher Inden sich bildete ,
welches am < > . d . M . seine erste Sitzung hielt , wenn
auch der Sultan sofort 1 uOO Pfund zu Gunsten der
tiokhleidendcn Juden spendete , wenn auch die hochherzige
Ladh Dufserin eine Lotterie zntn Besten der Abge -
brannten veranstaltete , so vermögen doch nicht diese
materiellen Unterstützungen die Trauer für ' s Erste zu
bannen , daß fünf Synagogen der unglücklichen Gemeinde
eingeäschert wurden . Wie groß das Elend ist , kann
man daraus ersehen , daß unter den Rothleidenden ,
denen die frühere Mediziuschnlc , welche jetzt eine Kaserne
ist , und die Zivilingenienrschnlc angewiesen wttrdc ,
500 Frauen sich besinden , welche in gesegneten Um -
ständen sind . Mögen bald reichliche Unterstützungen
von außen Herkommen , um das Elend und die Roth
zu mildern !
Palästina .
* Herr E . Scheid ans Safed berichtet dem
״Univ . Ist׳ . " von dem Treiben eines Proselytenmachers .
In Jerusalem eristirt nämlich ein gewisser Fried -
lau der , ein getaufter Jude , jetzt englischer Missionär .
Dieser Mensch , welchem große Geldsummen zur Lcr -
fügnng stehen , hat Kolonien in verschiedenen Gegenden
des heiligen Landes eingerichtet , in welche er mit Vor -
liebe Juden nnterbringt . In listiger Weise sucht er
diese von ihrem Glauben abtrünnig zu machen . Ein
Artikel , welchen die Kolonisten nebst 1 l > andern Ar -
titeln zu unterschreiben haben , bestimmt zwar , daß
Jeder seiner Religion treu bleiben kann , und daß kein
Kolonist mit einem andern eine religiöse Diskussion
anfangcn dürfe . Dieser Artikel ist aber nur deshalb
gegeben , um die armen , bedürftigen Juden desto
sicherer anzulockcn ; er wird denn auch so gehalten , daß
die Kolonisten nach ihrer Einführung sich jeden Tag
in das Bethans begeben müssen , wo der Gottesdienst
von einem protestantischen Geistlichen abgchaltcn wird ;
dort muß Jeder das Paternoster sprechen ; wenn er
miU , kann er cs leise 11 ) 1111 . Jeden Sonntag muß er
zur Predigt des protestantischen ( geistlichen . — Gegen
dieses Unwesen hat sich denn auch in Jerusalem eine
Bereinigung ״Esrath - Ridachiiri " gebildet , welche den
eingewaiidcncn Juden Mittel an die Hand geben will ,
damit dieselben nicht von der Roth gezwungen sind ,
sich dem Fricdländer in die Hände zu liifmi .
Jamaica .
Je * . § ? imzcktvn , Dezember . Wie hier das treue
Festhallen an den geheiligten Gebräuchen unserer Ne -
ligiou weit mehr bcthäligt wird , als in Europa , wo
so oft in leichtsenigster Weise mit dem göttlichen Ge -
setze umgcsprnngen wird , davon gicbt die augenblicklich
hier herrschende Strömung deutlich Zengniß . Es war
die Idee angeregt worden , die zwei hier bestehenden
״spanisch portugiesischen " und ״englisch - deutschen " Ge -
mein beit zu einer gemeinsamen Synagoge auf Grund
folgender Bestimmungen zu vereinigen , daß die por -
tugicfische Aussprache des Hebräischen von der vcr -
einigten Synagoge angewandt , daß über die Festsetzung
des Ritus ' das Gutachten des Oberrabbincrs I ) r .
Adler zu London und des Rabbiners der portugiesischen
Londoner Gemeinde cingeholt , und daß für die Thor ah
und Haphtorah die aschkcnasische Vortragsweise
adoptier werden sollte . Die Vereinigung sollte auf
Grund des orthodoxen , gesctzestreuen Inden -
lhnms beruhen . Trotzdem aber kam sie bis jetzt nicht
zu Stande , da sowohl seitens der ״Englisch - Deutschen "
als auch der ' ״Spanisch - Portugiesischen " Proteste da -