Ais Wahrheit
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Motto : . Das Siegel Gottes ist Wahrheit ! "
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tlr . 1 . Wien , 3 . Äänner 1988 .
Anhalt r An unsere Leser ! - Ueber den hebräischen Unterricht an den Oberclassen der Gymnasien und Realschulen . — Judenthum und jüdische
Religion . — Der fünfte Zionistencongress in Basel . — AuS der Wiener Cultusgemeinde . — Tempel - Verein für Mariahilf und Neubau .
— Rabbi Abraham Prager . — Zur gefälligen Kenntnisnahme . — Zur Organisation . — Protocoll der Cantoren - Versammlung zu
Elberfeld . — Spenden - Ausweis . — Verschiedene Nachrichten .
Lln liniere Leier !
Unentwegt hat unser Blatt all seinem Programme ,
das Interesse für die erhabenen Ziele des Zudenthums
in allen MevMerungsfchichten zn wecken , feftgehalien
und dabei die Anerkennung der maßgebendsten Kreise
des Judenthums gesunden hat .
Unser Bestreben wird auch sernerhin darauf gerichtet
sein , jüdisches Hellen in alten seinen Erscheinungen
zu pflegen , die innere Krganisation mit assen
Kräften zu fördern , die Worfäfle im Oemeinde -
und Nereinsteöen mit maßvoller und oöjectiver
Kritik zu öeurtheiten und den Kampf nach Außen
mit Würde und Entschiedenheit zu führen .
Solches Streben verdient gewiss die vollste Unter¬
stützung aller Glaubensgenossen und wir richten an die¬
selben die dringende Bitte , diese ehrliche publicistische
Thätigkeit durch Köonnierung unseres Mattes und
durch möglichste Aeröreitung desselben zu fördern .
Bei Einsendung des Abonnementsbetrages
ganzjährig 1L Kronen , vierteljährig 3 Kronen
wolle man sich der beiliegenden Wost - Anweisungen
bedienen .
Probenummern stehen zur Versagung .
Die Redaction -
Ueber den hebräischen Unterricht an den Ober -
rlajsen der Gymnasien » nd Uealschnlen .
Von Rabbiner Dr . Daniel Fink .
Wer die Vorgänge unseres öffentlichen Lebens beobachtet ,
kann sich der erfreulichen Wahrnehmung nicht entziehen , dass
. wir . in das Stadium einer entschiedenen . Verjüngung einge -
treten ' sind . Allenthalben sieht . man so viele tüchtige Kräfte
, am Werke . der . Erhebung thätig , dass jedem Juden darob das
Herz im Leibe jubeln möchte . Ein solch wunderbares und
erhebendes Schauspiel hat die Judenheit schon seit Jahr¬
hunderten nicht erlebt . In der jüngsten Zeit sehen wir auch
zu dein Schritte ausgreifen , welcher der ganzen Sachlage nach
unvermeidlich war und bei dem man eigentlich den Anfang
hätte machen müssen : Die Wiedergewinnung und Festigung
der Jugend für das Judcnthum wird allen Ernstes in An¬
griff genommen . Es soll hier wegen der Verschiebung der
natürlichen Ordnung nicht weiter gerechtet werden . Im mensch¬
lichen Leben vollziehen sich die Dinge eben nicht nach aus¬
schließlich logischen Gesichtspunkten . Doch sei dem wie immer
— genug , dass wir bei dem Punkte glücklich angelangt find .
Die Frage ist nun angeschnitten . Das zeigen auch die jüngsten
Verhandlungen im Vorstande der hiesigen wie anderer Cultus -
gemeinden .
Er ist nicht zu leugnen , dass so oft dieser Gegenstand
in Frage kommt , die Herzen in besonders hohem Wellen¬
schläge gehen und die Geister heftig aufeinanderplatzen . Mag
auch aus solchem Anlasse manches herbe Wort mit unter¬
laufen und manches Urtheil fallen , das für unseren Stand
gerade nicht wie eine Schmeichelei klingt , — wir haben keines¬
falls Ursache , den eingetretenen Wandel der Dinge gegenüber
dem früheren Zustande zu beklagen . Herber aber gerechter
Tadel lässt sich meines Erachtens nach viel besser ertragen ,
als jene starre Nichtachtung , die über Lob und Tadel sich
gleich erhaben weiß . Solches Verhallen lässt nur den einen
Erklärungsgrund zu , dass man die ganze Sache am liebsten
aus der Welt geschafft sehen möchte . Für eine Arbeit , die
neben der ganzen geistigen Spannkraft auch noch den Einsatz
der gesammten äußeren und inneren Persönlichkeit fort¬
während heischt — wie dies bei dem Religions - Unterrichte
an Mittelschulen doch ohne Zweifel der Fall ist — gibt es
kein ärgeres Gift als diese Gleichgiltigkeit . Es wirkt auf
Schüler und Lehrer gleichmäßig lähmend . Soll jedoch die
Frage , wie sie nun in Verhandlung steht , in gedeihliche
Bahnen gelenkt werden , so können Aeußerungen aus den
Kreisen der betheiligten Lehrerschaft nur dazu dienen , die
öffentliche Meinung zu klären .
Es ist zunächst als ein erfreuliches Zeichen eines gesunden
Fortschrittes zu betrachten , dass in der grundlegenden Frage
nahezu Einigkeit erzielt ist . Der hebräische Unterricht , der
bis vor noch nicht allzulanger Zeit hier in Wien und gegen¬
wärtig anderwärts noch immer einen Gegenstand des Partei -
zwrstes bildete , wird doch wenigstens gegenwärtig allgemein
anerkannt Für dessen grundsätzliche Ausschließung aus dem