Die Wahrheit .
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Nr . 8 .
und des Chores werden gewiß , sowie überhaupt der ganze
Verlauf der Feier , allen Anwesenden in nachhaltiger Er¬
innerung bleiben .
Ueber Veranlassung des Präsidenten wurde nach dem
Gottesdienste an die Kabinettskanzlei Seiner Majestät des
' Kaisers folgendes Telegramm abgesendet :
„ Der Vorstand des Mariahilfer Tempelvereines mit
zahlreichen Gläubigen im Vereinstempel zu einem feierlichen
Danlgottesdienst anläßlich der Wiedererobernng Lembergs ver¬
sammelt . entbietet Seiner Apostolischen Majestät , unserem
Allergnädigsten Kaiser und Herrn , den Ausdruck unwandel¬
barer Treue und Ergebenheit und erfleht Gottes reichsten
Segen ans Sein teures Haupt . "
Hierauf kam folgendes Schreiben dem Vorstände zu :
„ An den geehrten Vorstand des Israelitischen Tempel¬
vereines von Mariahilf und Neubau . Seine Exzellenz der
Herr k . k . Statthalter für Oesterreich unter der Enns hat im
Allerhöchsten Aufträge für die vom Vorstande des israel .
Tempelvereines für Mariahilf und Neubau anläßlich der
Wiedererobernng Lembergs telegrafisch zum Ausdruck gebrachte
allernnterkänigste Loyalitätsknndgebnng den Beteiligten den
Allerhöchsten Dank bekannt gegeben . "
Und mit diesem freundlichen lichtvollen Akkord wollen
wir nnseren heutigen Bericht schließen . Möge er uns ein
Symptom für kommende glückliche Ereignisse sein , möge er
ein Vorbote sein für das , was wir alle in heißer Sehnsucht
erflehen , für einen baldigen , ruhmvollen und segensreichen
Frieden ! Das walte Gott ! "
Der Bericht wurde ohne Debatte einstimmig zur
Kenntnis genommen . ,
Herr Dr . Jakob Deutsch dankt dem Vorsitzenden für
die freundliche Begrüßung und erklärt , daß er es als eine
persönliche Auszeichnung betrachte , in der Generalversammlung
einer der hervorragendsten und vornehmsten Vereinigungen
des Wiener Judentums als Delegierter des Knltuspräsidinms
zu erscheinen und mit besonderem Vergnügen entledige er
sich der Aufgabe , dem Vorstande des Tempelvereines für seine
erfolgreiche und segenstiftende Tätigkeit den Dank und die
Anerkennung des Knltnsvorstandes zu übermitteln .
Herr Knltusvorsteher S . Steiner dankt gleichfalls
für die ihm zuteil gewordene Begrüßung durch den Vor¬
sitzenden . Er verweist weiters auf die großen Opfer , die die
Knltusgemeinde für die Tempelvereine in anderen Bezirken
bringt , und gibt der Ueberzeugung Ausdruck , daß der
Mariahilfer Tempelverein , der bisher niemals den Gemeinde¬
säckel in Anspruch genommen hat , beim Knltusvorstande das
größte Entgegenkommen finden wird , wenn er in die Lage
versetzt würde , eine Subvention anzusprechen .
Herr Philipp Weiß überbringt die Grüße des Tempel¬
vereines im VIEL Bezirk nnd dankt dem Vorsitzenden für
die Beglückwünschung anläßlich seines 70 . Geburtstages .
In Vertretung des aus Gesundheitsrücksichten fern von
Wien weilenden Kassaverwalters , Herrn kals . Rat Friedrich
P o l l a k , erstattet Herr kais . Rat Josef T o f f l e r den
Kassabericht unter Hinweis und Erläuterung jener Einnahms -
und Ansgabenposten , die infolge der Zeitverhältmsse eine
Verminderung , resp , Erhöhung erfahren haben .
Nach dem von Herrn Moriz M a n t l e r erstatteten
Berichte der Revisoren wird dem Vorstande das Abiolu -
rorium erteilt und werden hierauf die Herren Dr . Carl
L ö w y und Moriz M a n t l e r neuerdings als Revisoren
gewählt .
Der Mitgliedsbeitrag pro 1916 wird in der bisherigen
Höhe von K 12 . — festgesetzt , wobei der Vorsitzende bemerkt ,
daß im nächsten Jahrs wahrscheinlich eine Erhöhung not¬
wendig sein wird .
Zum 6 . Punkte der Tagesordnung „ Wahlen in den
Vorstand " werden die Herren Dav . Koh n , Ad . Hirsch
/ und Mittler als Skrutatoren bestellt und nach dnrch -
geführtem Wahlakte erscheinen die ansscheidenden Vorstands¬
mitglieder Dr . Jakob Engel , kais . Rat Friedrich P o l l a k
und Leopold Waller wiedergewählt und Herr Bernhard
W a ch t 1 an Stelle des verstorbenen Herrn Ignaz Klein
ueugewählt .
Herr Dr . Karl Löwy stellt folgenden Antrag :
Der Vorstand des Tempelvereines wird ersucht mit dem
Knltusvorstande in Verhandlung zu treten :
Erstens betreffs Gewährung von Ruhegehältern an die
Funktionäre des Tempelvereines nach den für die Angestellten
der Knltusgemeinde geltenden Normen nnd Bestimmungen .
Zweitens ausnahmslose Verwendung der Funktionäre
des Tempelvereines bei den Leichenbegängnissen aller im
VI . und VII . Bezirke wohnhaften Israeliten .
Im Falle das Ansuchen des Tempelvereines in dieser
Form nicht erfüllt werden könnte , soll eine Schadloshaltnng
durch eine entsprechende Subvention eintreten .
Die Erledigung der Angelegenheit wird bis Ende
Mai 1916 erwartet .
In ausführlicher Begründung erklärt der Antragsteller ,
daß mit Worten des Lobes , wie sie bisher immer in den
Generalversammlungen seitens des Delegieren der Knltns -
gemeinde geführt wurden dem Vereine nicht gedient sei , viel¬
mehr müsse die Anerkennnng durch Taten znm Ausdrucke
kommen . Der Antrag soll auch eine Bresche schlagen in das
bisherige System des Tempelvereines zlir Wahrung der
Unabhängigkeit nnd Selbständigkeit in finanzieller und kultureller
Beziehung eine Subvention der Knltnsgemeinde nicht anzu¬
sprechen . Der Tempelverein ist heute nicht mehr in der Lage ,
sich mir dem Mantel des Stolzes zii umhüllen und da wie
der Bericht des abgelaufenen Jahres zeigt , seine Mittel kaum
mehr genügen , nm die berechtigten Allsprüche der Funktionäre
zu befriedigen , so ist es nur recht und billig , daß die Kultus -
gemeinde dem Tempelverein , der bisher nie etwas von ihr
verlangt hat , m ausgiebiger Weise beisteht . Die Forderung
betreffs Zuweisung der Funktionen bei Leichenbegängnissen
an die Vereinsfunktionäre muß mit aller Entschiedenheit
erhoben werden . Ihre Nlchtersüllung wäre eine Mißachtung
eines der steuerkräftrgsten Bezirke der Knltusgemeinde . Wir
wollen aber keine Gnade seitens des Knltnsvorstandes oder
der Beamten des betreffenden Ressorts sondern eine gerechte
Lösung , die in der Sprengeleinteilnng , wie sie bei den anderen
Konfessionen besteht , gelegen wäre .
Ueber den Antrag ent ' . vickelte sich eine sehr lebhafte
Debatte , an welcher sich Knltusvorsteher S . Steiner .
Präsident Dr . Jacob Engel , der in merito sich gegen den
Antrag erklärte , Herr kais . Rat T o s f l e r , Herr Lr . Bloch ,
Herr Adolf H i r i ch . Herr Moriz M a u t l e r . Herr Roth -
berz nnd Herr Spira beteiligten . Fast sämtliche Redner
stimmten dem Antragsteller zu . Nach beendigter Debatte wurde
der zweite Teil des Antrages mit einem von Dr . Bloch
beantragten Zusätze , daß die Funktionäre im Falle der Aus¬
schaltung bei Leichenbegängnissen durch die Parteien entschädigt
werden sollen , angenommen . Ueber Punkt 1 unterblieb bie
Abstimmung , nachdem eine vom Antragsteller beabsichtigte
Modefikation desselben aus formellen Gründen vom Vor¬
sitzenden nicht zngelafsen werden konnte .
Döblinger Tempelverein .
Die diesjährige Generalversammlung des Döblinger
Tempelvereines brachte wie immer Erörterungen allgemeiner
Natur , au denen die breiteste jüdische Oeffentlichkeit nicht
ohne Interesse vorübergehen kann . Nachstehend der Bericht :
Der Obmann Herr Moriz Müller begrüßt die
Erschienenen , insbesondere den Vertreter des Tempelvereines
im DL Bezirk . Herrn Fuchs , sowie die Präsidentin des
Döblinger Franenvereines Frau Dr . Kahn . Entschuldigt
hatten ihr Fernbleiben die Herren Rabbiner Dr . Feucht -