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Ferner hat eine Berliner Gruppe junger Gesinnungsgenossen (Cassiercr: die Herren Heinrich Löwe nnd S. Soskin» eine Sammlung ein^eleitet, deren v o x< lüilfisies Ergebnis; 250 M a r k beträgt, Üb das Cnd- ergebuiß der Ccnttion oder dem Bctricbseapital zugclvendet werden wird, wird nach Abschluß der Sammlung in einer Versammlung aller Beisteuernden festgestellt werden.
Die B er P flicht u ng zu in Erläge der subscribirten Betrügebesteht erst dann, wenn die ganze Cautionssumme von 4000 fl. und für das Betriebscapital mindestens 2000 fl. gezeichnet sind.
Durch Zeichnung von mindestens 50 fl. für das Betriebskapital oder 100 sl. für die Cantion tritt man in das .. Somit« der Gönner der S.-E." und erlangt dadurch eine Reihe von (in den Subsriptivusbögen dctaillirtcn) Rechten, worunter besonders das der Beschlußfassung über die Person desjenigen, bei welchem gegebenenfalls zullckchst das Geld zn erlegen ist, hervvrznheben ist.
Minderbemittelte mögen sich bemühen, ans dem Wege der S a nt in ln ng größere Beträge zu verschaffen, oder P e reine zur Zeichnung größerer Betrüge zu veranlasse». Auch die Veranstaltung von Festlichkeiten zu Gunsten des Fondes wird den Gesinnnngsgcnossen besonders nahe gelegt. In diesen drei. Füllen aber sind die betreffenden Beträge gleichzeitig mit der Zeichnung bei einem Machthaber zur seiner- zeitigen Ausfolgung zu deponiren.
Ans Wunsch stehe,l Subscriptionsbögen zur Verfügung. Die Veröffentlichung der subscribirten Betrüge erfolgt auch in der „S.-E."
Original Gorrefp^»den;en.
Ketterreich-Mngar«
Wien, den 14. April 1893. Der Ehrenbeleidigungs- Prozeß Bergani-Schars erregte natürlich bei unseren Juden viel Interesse. Er bewies neuerdings, was alle Welt schon längst wußte, daß Berga ui auch von jüdischen Banken Inserate nimmt nnd Scharf, der glorreiche Entdecker von Schmul Leb Kohn. eine feine Spürnase besitzt. Die 2000 ff. Geldstrafe wird, wenn überhaupt nicht ein obcrgcrichtlichcs Urtheil die Sachlage ändert, der Millionär Schars wohl leicht vcrschlncrzen können.
Ein zweites Ereigniß ist die Rückkehr der antisemitischen Gemeinderüthe in die Wiener Nathsstubc, welcher sie wegen angeblicher Vergewaltigung durch den Bürgermeister ein halbes Jahr lang ferne geblieben ivarcn. Jetzt werden sich wieder Herr Dr. Lueger und der „deutsche" Herr Dr. .Fricdjung, Herr Gregorig nnd Herr Frauen b erger in den Haaren liegen können. Die Einen werden wieder die Christenheit, die Änderen wieder den „Fortschritt" retten.
> Die gestrigen Gemcinderathsergänzungswahlcn änderten an dem Besitzstände der Parteien nichts.
Prag, den 1'». April 1898. — In den letzten Tagen janb in dem böhmischen Städtchen Soli» eines angeblichen rituellen Mo ocs wegen eine große JndeNhepe statt. Den Anlaß hiezu gab dar' >ckötztiche Nerschwmden des Jrchre alten Mädchens Maria..HuöUna, die unmittelbar vorher bei einer jüdischen Familie bcdienstet gewesen war. sich aber nach Anssprnch ihrer eigenen Verwandten schon lange mit Selbstmordgedanke» getragen batte. Am 11. fc. M. wurde nach lltägigem Suchen die Leiche in' der Rahe einer Mühle aus der Elbe gezogen. —
Hatte schon srüher die Uebeizeugung festen Fuß gesagt, das, eine Schlächterei behnsS Gewinnung des christlichen Lstcrblntes voriiege, so geschah dies nochmehr dadurch, daß das jnng-czechische „freisinnige" Lokalblatt „Polaban" die schauerlichsten Dinge über die Leiche zu er» Mlen wußte, während ein sofort umlaufendes Flugblatt Genauerer die Mästung und Ermordung des Mädchen» mittheilke. D.'e
Slinnnung wurde immer gereizter, so das, sich in der Borstadt kein Jude mehr auf die Gasse wagen durfte. Eine jüdische Frau wollte den Leuten aiiSeinaiidersetren, daß das Mädchen sich freiwillig ertränkt Hatto, wäre aber von der Menge fast gesteinigt worden. Damit brach die Hetze los. Roch an demselben Abend wurden vielen Juden die Fenster cin- geschlageu. Obzwar die Stadtäizke aus Grund der Obdurtiou > »klärten, das Mädchen habe durch Selbstmord ihren Tod gesunde», suchten am nächsten Tage ,Mittwoch) nach der Be» , erdigung der Leiche mehrere Werder dieselbe aus der Grube zu j scharren, denn ein fremder Mann hatte ihnen zugernferr, die Wunden - ">^oe»^L iche seien absichtlich mit tiitt verklebt, um zu verdecke», daß das Mädchen geschlachtet worden sei. Ans dem Friedhöfe wurde auch der Plan siir den Abends zu vollziehenden Uebersall der Inden gefaßt. Dieser fand auch wirklich „in 8 Uhr Abend? statt. Während in der Borstadt die An slage kästen jüdischer G eschä f lS l e » te geplündert wurden, wurden in der irrneren Stadt d.e Läden und Fen ste r^iiielrrerer Geschäfte irird Wohnungen von Inder: durch einen Iiestige» Tteinrege» zertrümmert, wobei natürlich mehrere Ver- wundur-geu vorkamen. Aus der den Ringplatz dicht besetzende» Menge hörte mau die Rufe: ..Schlagt die Juden nieder, auf den Galgen mit ihnen!" Der k. k. Bezirkscommissär Eigcl versuchte eiiiznschreilen, ivurde aber a» der Huste durch einen Ziegelstein verletzt, desgleichen wurden zahlreiche Wachleute mehr oder weniger schwer ver- wunde,. Auch am nächsten Tage wuchs de» Fanatismus aus der einen nnd die Angst auf der anderen Seite immer mehr, sogar am hellen Tage wurden Greise. Kinder und Weiber ans offener Straße mißhandeln Durch das in,wische» cingerücklc Militär und noch mehr durch die kühle Witterung wurde» vorderhand größere Ezresse verhindert. Aber wie erregt die Llimmuiig der sanaiischen Menge »nd wie traurig es mit dem Schutze der Kolinn Inden bestellt ist, erhellt am besten aus de» überall z„ hörcuden Rusen: „Ja jetzt sind wir ruhig, aber wartet nur Ihr Jude», bis das Militär weg ist, dann wird's Euch schlimm ergehen". Die Kinder aller Stände, ob sie nun auch Lehren» und Profcfforeir altgehören, wetteifern darin, das zn Hanse gelernte a»»ch praktisch nnd richtig anznwenden, derait, datz die jüdischen Eitern ihre Kinder nicht in die Schule gehen lassen. Für die Familienangehörigen der verhafteten Ererde n t e n wurde in j n» g c zechis ch e n „freisinnigen" Kreisen der Beirag von lUZ fl. g es am in e 1die Rädelsführer selbst aber können noch immer ganz frei hernmschnren. Inzwischen hat sich die Bewegung auf die Umgebung ve>breitet, zunächst nach der Stadt Kultenbcrg, wo es zu älinlichcii Ausschreitungen kam, während mal, in mehreren anderen Ortschaften sich mit der Zertriimmernng de» Fensterscheiben nud dgl. begnügte. Wie cs heißt, bleibt daS Militär bis 1. Mai in Kolin — und dann ?-
Die Prager zionistische Gruppe entwickelt seit mehreren Wochen eine lebhafte agitatorische Thätigkeit, wovon hoffentlich bald Früchte zu seh n sein werden. Leider Helsen uns auch die Tha.sachen, Vide Kolin!
Demnächst ivird Ihr Correspoiident das Wissenswerte über die bvhiniiche Jndenh it und ihre Stellung in einen» Artikel znjannncnsaffen.
(A.^L.) Lemberg, Nissan 5653 . — Am 18. März veranstaltete der Verein „Zion" eine Gedenkfeier für Peretz Sm ölen Ski). Die Einleitungsredk, in welcher die Bedeutung der Gefeierten für die jnd. nat. Partei geschildert wurde, hielt der hebräische Schrift,ührer de» Vereines, Herr I. S. Rcnzer, woraus das Kapitel ,Jom haluppurim"
aus „Haiogli b’chrke JiachajiMi" in polnnchcr Uebersetzuug des Herrn Isaak Schwarz vorgelesen wurde. Hochintereffant war die von Herrn S. Schiller vorgetragene, grünoftchbearbeitete Abhandlung „Betrach» tungcn über Smol ensky's Leben und Wirken". Den Glanze Punkt des Abends bildete die meisteihaste hebräische DcclaMation de» Frl. Spinner, eines sehr junge,» Mädchens, welches das Gedickt Gerda»--, ,;„s den Tod Sm vier: s ky's verstäiiduißvoll zum Vortrag brachte. Der Abend schloß mit der Declamation des Geoichtcs „Zmu Andenken an Peretz Smolensk»)" von Tr. Rathan Birnbaum.
Samstag am II ds. laS im Vereine „Zion" Herr David Malz über „Baruch Spinoza", am *25 ds. Herr Nathan Samuely „Zwei Bilder ans dem j i'i d.-g a l i z. Leben.
An den Mitwoch-Discussions-Abenden wurden nachstehende Themata behandelt *. „Ucber die Organisation jüdischer WohlthätigkeikS- anitaltei," lRef: G. Zipper), „lieber die Organisation der Palästina» ColoiusalionSbesircbungen" lRes. G. Zipper).
Unter den Mitgliedern des Vereines „Zion" hat sich ein hebr. Convcisarionsclub ,,Snpbu beniraJi" gebildet, in welchem allwöchentlich ein in hebräischer Sprache abgesaßtes Referat vorgelesen »vird, über m.lches sodann eine Tiscussion. mährend welcher nur hebräisch gesprochen werden darf, eröffnet wird. Bis jetzt fanden nächst« hende hebräische Borträge statt: „Wie kamt man der Jugend die hebräische Sprache beibringcn" (Res. Schiller, „Mittel zur Belebung der hebr. Sprache" sRef. Gustav Bader). „Ucber W. Jawitz' pädagogische Schriften" )Res. I. S. Renzer) „Ueber die Wirkung der „Öifr*h Ägorah" a. d. hebräische Literatur (Ref. G. Bader) »Ueber die Wichtigkeit eine» Jargon-Blatte» für unsere Partei" (Ref. S. Schiller.)
