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Literatur.

Die Wohlfahrtseinriditungen für jüdisdie Hilfs­bedürftige in Berlin und Vororten. (Herausge­geben von der Armen-Kommission der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. Verlag von M. Poppelauer, Berlin 1906).

Sämtliche Institute (Stiftungen und Vereine), deren Tätigkeit sich satzungsgemäß ausschließlich oder teil- ireise auf jüdische Hilfsbedürftige erstreckt, sind von der Armenkommission der berliner jüdischen Gemeinde unter Vorsitz von Dr. Wilhelm Feilchenfeld mit großer Sorgfalt übersichtlich in der angezeigten Arbeit zu­sammengestellt worden. Das in dieser Form gebotene Material wird sowohl den Hilfesuchenden wie auch den Verwaltungen der Wohltätigkeitsinstitutionen mit großem Nutzen zur Orientierung dienen. Außer dem Samen und Zweck der betreffenden Wohifahrtsein- richtung ist ihr Grundkapita], die jährlich zur Ver­teilung bestimmte Gesamtsumme, die Höhe der Einzel­unterstützung, der Verteilungstermin und die Adresse der Verwaltung angegeben. DieWohlfabrtseinrichtungen sind nach ihrer Bestimmung in 16 Gruppen geordnet, denen ein nach den Verteilungsterminen angeordnetes Kalendarium und ausführliches alphabetisches Register beigefügt sind. X T.

Zehn3«hreZionismus. Herausgegeben vom Zionistischen Zentralbureau in Köln. (Dez. 1906). In gedrängter Form wird die Geschichte des politischen Zionismus, der durch das Auftreten Theodor Herzls und die Einberufung des L Z i - onistenkongresses (1897) eingeleitet wurde, dargestellt, die wichtigsten Leistungen der zionistischen Partei in diesem Jahrzehnt und die Grundzüge ihrer Entwicklung hervorgehoben. Die grundlegende Arbeit ist vom ersten Kongress geleistet worden. Mit der Institution des Kongresses war eine öffentliche Tribüne geschaffen zur Behandlung der wichtigsten Ereignisse, von denen die Judenheit der ganzen Welt be­troffen wurde. Der erste Kongress hat das Zionistische (Baseler") Programm festgelegt und die Partei-Or­ganisation geschaffen. Der Leitsatz des noch jetzt geltenden Programmes lautet :Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina*. Als Zeichen der Parteizugehörigkeit wurde die Entrichtung eines Schekels (= 1 Frc. oder entsprechend deu ver­schiedenen Landeswährungen 1 Mk,, resp. 1 K., resp. 1 Shilling, resp. 40 Kop.) seitens eines jeden Zio- nisten eingeführt und davon auch die Wahlfähigkeit zum

j Kongreß abhängig gemacht. An der Spitze der Zio­nistischen Partei stehen als exekutive Organe der Kongresses ein sogen, größeres, aus Vertretern des einzelnen Landsmannschaften zusammengesetztes, Ak­tions-Komitee und das aus wenigen Mitgliedern be­stehendeEngere" Aktions-Komitee, dem die eigentliche Leitung zufällt.

Zur Förderung der politischen Zwecke der Partei wurde 1899 die Jüdische Kolonialbank (The Jewish Colonial Trust Limited) mit dem Sitz in London, begründet. Ein Anteil (Share) der Bank beträgt ein Pfund (= 20 Mk.). Das eingezahlte Stammkapital hat ungefähr die Höhe von 6 Millionen Mk. erreicht. In den letzten 4 Jahren sind von der Kolonialbank 3 Filialen in Palästina begründet worden: in Jaffa, Jerusalem und Beirut.

Der Jüdische Nationalfonds, der zum Ankauf von Grund und Boden in Palästina für das jüdische Volk bestimmt ist, wurde auf dem vierten Kongreß (1900) ins Leben gerufen. Aus freiwilligen Spenden, die jeder Zionist zu leisten sich verpflichtet hält, gebildet, beträgt er gegenwärtig etwa l 1 /* Mill. Mark.

Die Zahl der organisierten Zionisten ist vom Jahre 18981906 von 78000 auf fast 200000 gestiegen.

J. T.

Dr. Simon Scherbel. Jüdisdie fterzt« und Ihr Influ§ auf das Judentum. BerlinLeipzig (J. Singer & Co.) 1905. 75 S. Kurze, biographische Angaben im Feuilletonstil über alle jene Juden, die sich im Mittelalter und in der Neu- zeit theoretisch oder praktisch mit der Heilkunde be­faßt haben. Ein großer Teil von ihnen kann, da die strenge Differenzierung der Wissenschaften erst eine späte Errungenschaft ist, auch von d«r Theologie, von der Philosophie und Rechtswissenschaft als Jünger in Anspruch genommen werden, und es scheint uns ganz willkürlich, daß dem Verfasser gerade die oft ganz nebensächliche medizinische Tätigkeit jener Männer zum Anlaß wird, um ihre Lebensbeschreibungen an­einanderzureihen. Dem Buche fehlt hierdurch der innere Zusammenhang, und dies um so mehr, als wir nicht erfahren, was jene Männer als Aerzte, sondern nur das, was sie auf anderem als ärztlichem Gebiete (als Staatsmänner, Philosophen usw.) geleistet haben. Die interessante Frage, was die medizinische Wissen­schaft den Juden zu verdanken hat, wird von dem Verfasser überhaupt nicht berührt und harrt noch ihres Bearbeiters. A. R.

Druckfehlerberichtigung.

In dem Artikel von Weißenberg:Der Anteil der [ S. 5, Sp. 2, Z. 28 v. ob. statt verlorenverlassen", Juden an der Revolutionsbewegung in Rußland" im | S. 7, Sp. 2, Z. 13 v. ob. statt VersuchserfahrungVer­Januarheft muß es j sechsfachung" heißen.