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jedoch, nicht so. Von 13001500 soll der j Familienstand der Gemeinde nichts weniger als stabil gewesen sein.Das Gehen und Kommen einzelner Hausstände brach in dieser ganzen Zeit nicht ab." Im Allgemeinen verlangte aber doch das jüdische Geldgeschäft, wenn es rentieren sollte, ein Verharren an einem Ort. Zum Verlassen der Stadt wurden u. a. die ärmeren Juden durch die Steuerer­höhung von 1413 gezwungen, sie kehrten je- I doch nach einigen Jahren wieder zurück, j Im Ganzen beschränkte sich der zeitweise j starke Personenwechsel immer nur auf einen j Teilder Gemeinde, während der Stamm trotz der kurzen Stättigkeitsfristen stabil blieb.

Von den von 1311 bis 1500 eingewanderten 220 Fremden stammten aus Gebieten, die dem heutigen Preußen entsprechen, 45 Pro- I zent, aus Hessen 24 Prozent, Bayern 15 Pro- \ zent, Baden 5 Prozent, der Rest aus den ! übrigen Staatsgebieten, aus dem Ausland nur ganz vereinzelte.

Das Zuwanderungsgebiet der Juden, als Ganzes berechnet, war ein engeres als das­jenige ihrer christlichen Mitbürger und zu­gleich ein weiteres: Ein engeres, weil es sich auf die zu beiden Seiten des Rheins gelegenen Reichsländer nebst Hessen und Franken be­schränkte, während das der christlichen Mit­bürger erheblich über dieses Gebiet hmaus- reichte, und ein weiteres, weil die entfernteren Teile des Zuwanderungsgebietes verhältnis­mäßig stärker vertreten waren als bei der christlichen Bevölkerung.

Das Rekrutierungsgebiet beschränkte sich in der Hauptsache auf West- und Mittel­deutschland: der Regierungsbezirk Köln war an der jüdischen Einwanderung Frankfurts ebenso stark beteiligt wie Wiesbaden und stär­ker wie die näher gelegenen Bezirke Kassel, Koblenz und Trier nebst Starkenburg und die bayerische Pfalz. Unter den zugewanderten Juden war das städtische Element stärker vertreten als unter den in die Bürgerschaft aufgenommenen Christen.

Auch Dietz 1 ) beschäftigt sich mit der

Dietz, Stammbuch, S. 242 u. f.

Herkunft der Frankfurter Juden. Er unter­suchte 625 jüdische Familien, die vom Mittel­alter bis zum Jahre 1840 in Frankfurt einge­wandert waren. Deren Herkunftsorte lassen sich in drei große Einwanderungsgebiete zusammen fassen, von welchen das erste durch die Staaten der vier rheinischen Kurfürsten (Pfalz, Mainz, Trier und Köln), das zweite durch das alte Hessenland und Nassau und das dritte durch Franken und Schwaben ge­bildet ward. Aus dem erst genannten Ge­biet stammen 30 Prozent, aus dem zweiten 26 Prozent, aus dem dritten 25 Prozent sämt­licher zugewanderten Familien. Auf Baden und Elsaß-Lothringen entfielen 5 Prozent, auf Westfalen, Hannover und Sachsen ebenso viel, Ostelbien ist fast nicht vertreten, Böhmen, Mähren und Galizien mit knapp 4 Prozent. Die Einwanderung vom Auslände und den weit entlegenen Landesteilen ist so gering, daß die Zusammensetzung von Frankfurts israelitischer Bevölkerung als eine außer­ordentlich einheitliche bezeichnet wer­den muß.

Man sieht, daß Dietz zu ungefähr den­selben Resultaten kommt wie Bücher.

Das Alter dieser Familien ist ein außer­ordentlich hohes. Dietz konnte feststellen, daß gerade die bekanntesten und mitgliederreich­sten Familien in der Zeit vor 1550 einge­wandert sind. Unter den Frankfurter jüdi­schen Familien sind nicht nur verhältnis­mäßig, sondern auch absolut mehr alte Familien vorhanden wie unter der ganzen übrigen Bevölkerung der Stadt.

Neben der Zuwanderung untersuchte Dietz auch die Abwanderung der Frankfurter Juden. Er stellte fest, daß 65 nach innerhalb Deutsch­lands gelegenen Orte abgewandert sind, 305 dagegen ins Ausland, die meisten derselben nach Paris, Wien, London und New-York.

Was die innere Bevölkerungsbewegung anlangt, so läßt sich die Sterblichkeitsziffer der Frankfurter Juden wenigstens bis zum Jahre 1624 zurück feststellen. In dem all­gemeinen Kirchenbuch wurden natürlich ihre Verstorbenen nicht verzeichnet: dafür