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dass die grosse Zahl der Konfessionslosig -
keitserklärungen ihren Grund darin hat ,
dass in Oesterreich Mischehen verboten
sind , ist hinsichtlich der Juden unrichtig .
Das Gesetz verbietet - nur die Ehe zwischen
Christen und Nichtchristen , nicht aber die
( zivile ) Ehe zwischen Konfessionslosen und
Juden , Die auf pag , 35 enthaltenen Ueber -
Schriften der beiden letzten Kolonnen
werden , weil in Oesterreich die Eltern zum
Christentum übertreten oder konfessionslos
werden müssen , falls ihre Kinder bis zum
6 . Jahre getauft werden sollen . In Deutsch¬
land erfolgt der Uebertritt der Eltern —
da er unnötig ist — nicht , während die ge¬
tauften Kinder als christlich geborene gel¬
ten und nicht als Konvertiten registriert
werden . Austritte aus dem Judentum er¬
folgen auch in Oestereich wegen der steilen -
steilenweise übermässig hohen Kultus¬
steuer , die der Schätzung überlassen ist und
nicht wie in Deutschland in Form eines Zu¬
schlages zur Kommunaleinkommensteuer er¬
hoben wird . Während in Preussen der Aus¬
tritt aus der jüdischen Synagogengemeinde
möglich ist , ohne dass damit der Austritt aus
dem Judentum erfolgt , ist dies in Oesterreich
( „ Mann Israelit , Frau anderer Konfession " ,
„ Frau Israelitin , Mann anderer Konfession " )
sind für den Zeitpunkt der Eheschliessung
unbedingt falsch , da der Gegenpart des
israelitisch gebliebenen Teiles konfessions¬
los sein muss . Da die Konfessionslosigkeit
in Oesterreich mit dem Bekleiden vieler
öffentlichen Stellen schwer vereinbar oder
unerreichbar gehalten wird , eine wirkliche
Mischehe aber nicht existiert , so erfolgt
die Taufe vieler Jüdinnen , wodurch die
Anzahl der Uebertritte weiter vergrössert
wird .
4 . Die auffallende Zunahme der jüdi¬
schen Ehen in Galizien ( pag . 135 ) von 7 208
im Jahre 1907 auf 9 474 im Jahre 1909 im
Gegensatz zu der minimalen Zunahme bezw .
teilweisen Abnahme der Ehen bei anderen
Konfessionen ist keineswegs in der aufstei¬
genden wirtschaftlichen Lage der jüdischen
Bevölkerung zu suchen , die im Gegenteil
täglich mehr verarmt . Die Ziffer findet
ihre restlose Erklärung darin , dass mit der
zunehmenden Aufklärung der orthodoxen
^ Bevölkerung die rituellen ( ungesetzlichen )
und von der Statistik nicht erfassten Ehen
immer mehr durch die gesetzlichen Ehen
ersetzt werden . Dass die den rituellen
Ehen entstammenden Kinder als uneheliche
registriert werden , und somit das kulturelle
und soziologische Bild erheblich vertäl -
schen , wird nach wie vor übersehen .
Stalisiiscbes flrcbfo -
Deutschland
Armenetat in 57 jü - i Gemeinden Deutschlands hat sich ergeben , dass in
dischen Gemeinden j folgenden 57 Gemeinden der Armenetat , der in
Deutschlands 1887 und 1911 . ! das Gemeindebudget eingestellt wurde , sich 1887
Auf Grund einer Enquete bei den jüdischen ! bezw . 1911 folgendermassen gestaltet hat ;