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Judentum erfolgen . Diese Ziffer ist in Preußen
schon erheblich groß geworden und fehlt
beim Vergleichsbilde in Österreich voll¬
kommen .
3 . Wird das Bild durch die österreichische
Ehegesetzgebung verfälscht . Eine Zivilehe
existiert in Österreich nur tn Form der Not¬
zivilehe , d . h . Christen können mit einem j
Juden oder Konfessionslosen nicht getraut j
werden . Nur die Notzivilehe zwischen j
Konfessionslosen oder zwischen Konfessions - !
losen und Juden ist zulässig * Wenn nun j
der christliche Teil aus den verschiedensten j
Gründen sich nicht entschließen kann oder j
darf , konfessionslos zu werden oder den j
Glauben zu wechsein , so kann eine Ehe - j
Schließung nur erfolgen , falls der jüdische !
Teil zum Christentum übertritt . j
Ich glaube , daß die Wirkung der Ver - j
schiedenheit der gesetzlichen Bestimmungen !
so einleuchtend ist , daß man endlich darauf
verzichten sollte , die betreffenden öster - ;
reichischen und deutschen Ziffern miteinander
zu vergleichen , um daraus immer wieder zu j
falschen Schlüssen zu gelangen . j
Auch über die im erwähnten Artikel !
H o r a t o r s aufgestellte Statistik der Misch - j
ehen und über die daran geknüpften '
Folgerungen möchte ich mir einige Be - j
merkungen erlauben . Der Verfasser meint , j
daß es eine „ bekannte Tatsache sei " , daß j
die Mischehen „ sehr wenig fruchtbar sind " . ;
Mir ist nur bekannt , daß dies wiederholt 1
behauptet wird . Die statistischen Ziffern |
sind — nicht nur für Österreich — völlig ;
unverwendbar , um eine solche Feststellung j
zu treffen . Es ist hier nicht der Ort , näher ;
auf die wiederholt in so grellen Farben ge - ;
machten Schilderungen einzugehen , welche
die Unfruchtbarkeit der Mischehen überhaupt
und besonders der christlich - jüdischen Misch - :
ehen darzutun bestrebt sind . Gemeint kann ;
aber doch nur die Unfruchtbarkeit
wegen Rassen Verschiedenheit
sein . Ebenso wie beim Austritte aus dem
Judentum nur die Gesamtzahl der faktischen
Austritte von Juden verstanden werden kann ,
— die eben von der Statistik in Preußen
nicht erfaßt werden , — erblicke ich in den
Mischehen eine rassengemischte Ehe , also
Ehen zwischen Angehörigen der jüdischen
Rasse und anderer Rassen oder , um den
beliebten Terminus zu gebrauchen , die Misch¬
ehen zwischen Semiten und Ariern . Sind
nun die Ziffern , welche der Statistik als
christlich - jüdische Mischehen zugrunde liegen ,
rassenmäßig irgendwie zu verwerten ? Ich
glaube ganz und gar nicht . Wer die tat¬
sächlichen Verhältnisse kennt , weiß — ob
hier eine rassenmäßige oder durch soziale
Verhältnisse bedingte Affinität mitspielt , steht
dahin — , daß es sich bei den christlich -
jüdischen Mischehen nicht nur oft um Ehen
zwischen christlichen Judenstämmlingen d . h .
von Halbsemiten , sondern weit mehr um
Ehen von Juden handelt , von denen der
eine Teil kürzer oder länger vor Eheschluß
erst getauft wurde , so daß es sich im letzte¬
ren Falle um Ehen von Vollsemiten handelt .
Diese werden aber von der Statistik als rein
„ christliche " verzeichnet . Das Bild ergibt
also alles — nur nichtdas derRassenmischung ,
wie dies bei Tieren in Gestalt der Pedigrees
festgestellt wird . Von der kurzenBeobachtungs -
periode abgesehen , ist bei den Mischehen
nirgends der Beweis geliefert , daß die Un¬
fruchtbarkeit in der Rassenmischung liegt .
Die Unfruchtbarkeit kann auch ganz anders
erklärt werden .
Vor allem muß darauf hingewiesen werden ,
daß auch hier ein unvergleichbares Material
verglichen wird , indem man einen aus
mehreren Gründen differenzierten Ausschnitt
seiner Gesamtgruppe gegenüberstellt , für
welche die Ziffer der M a s s e , und zwar der
kulturell tieferstehenden Masse