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einzig ausschlaggebend ist . Niemand wird
wohl behaupten , daß die Ehen zwischen
Juden und Christen gewöhnlich innerhalb
jener großen Schichten erfolgen , die noch
am religiösen Leben festhalten oder die
sich auf sozial tieferem Niveau befinden .
Durch die Mischehe bekunden die ehe¬
schließenden Teile , daß sie unbekümmert
um Rasse oder Religion den Lebensbund
einzugehen beabsichtigen , wodurch sie einen
von der breiten Masse verschiedenen kul¬
turellen Standpunkt einnehmen . Es kommt
auch noch dazu , daß , wo es sich um
- wirklich rassenverschiedene christlich - jüdische
Mischehen handeln sollte , oft ältere Personen
in Frage kommen , bei denen die Zeugungs -
resp . Gebärfähigkeit erheblich eingeschränkt
ist , wenn nicht ganz wegfällt .
Mit höherer Kulturstufe geht erfahrungs¬
gemäß überall der Wunsch nach geringerer
Kinderzahl Hand in Hand . Der Geburten¬
rückgang ist eben , wie Julius Wolf
treffend sagt , „ die Rationalisierung des
Sexuallebens " . Und es bedeutet dasselbe
— und trifft besonders auf die nach Westen
wandernden Juden zu — , wenn Max
Nordau sagt : „ Von Osteuropa nach dem
Westen über den Erdkreis nimmt die Häufig¬
keit der Geburten regelmäßig ab . "
Die Unfruchtbarkeit rassengemischter
Ehen wird durch das vorliegende statistische
Ziffernmaterial in keiner Weise erwiesen .
Dass sie trotzdem besteht , vermag ich
ebenso wenig zu verneinen , wie Andere
glauben , sie bewiesen zu haben . Auch
hier gilt das Wort des Kriminal - Statistikers
H o e g e 1 : „ Der Statistik dürfen keine un¬
möglichen Aufgaben gestellt werden , und es
ist besser , sie verweigert auf bestimmte
Fragen die Antwort , als daß sie zweifelhafte
oder unzweifelhaft falsche Ergebnisse liefert . "
Statistisches Archiv .
Bayern
Verhälnisse der israelitischen
Kultusgemeinden i . J . 1911 «
S ta tis t i sc h e n J a h r b u ch für das
12 Jhrg . 1913 , entnehmen
Dem
Königreich Bayern
wir nachstehende Zusammenstellung :
Regierungs -
Juden
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Oberbayern . .
10529
2
2
1
3
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1
Niederbayern .
379
1
1
1

1
_ _
Pfalz . . . .
9706
89
84
20
57
40
4
Oberpfalz . .
1438
8
6
5
7
2
2
Oberfranken
3176
24
22
15
35
13
3
Mittelfranken .
13675
46
45
43
19
26
4
Unterfranken .
12835
124
120
111
39
85
6
Schwaben . .
5752
17
15
13
16
7
3
zusammen
57490
311
295
209
156
174
23
Bayern
Ehescheidungen in Bayern im
Jahre 1911 .
Nach den Zusammenstellungen des K . Statistischen
Landesamts ist die Zahl der Ehescheidungen im all¬
gemeinen im Steigen begriffen . Sie betrug : 1030 im
Jahre 1911 gegen 920 im Jahre 1910 , 901 im Jahre
1909 und 824 im Jahre 1908 . Die geschiedenen Ehe¬
gatten gruppieren sich ihrer Konfession nach wie
folgt :
1911
1910
1909
1908
Katholiken .
1264
1050
1 131
960
Protestanten .
763
749
633
634
Israeliten , .
22
20
22
28
Sonstige . .
11
17
16
20
Bei den Israeliten
zeigt sich
in
den letzten
Jahren ein Stillstand .
( Zeitschrift des K Bayerischen
Statistischen Landesamts . 44 . Jhrg . 1912 . )
Fßr die Redaktion verantwortlich :
Rechtsanwalt Dr . Bruno Blau , Berlin - Charlottenburg . — Verlag von Max Schildberg er
Inhaber Arthur Schlesinger , Berlin W . 62 , Schillstralie 3 .
Druck von E . Grüner , Bernau bei Berlin