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bann gewisse Ausgaben geben , welche nur die bewährte Energie ! bemüht waren , die Vorwürfe , die mau ihnen mit Unrecht ge -
und ausdauernde Thatkraft unseres Volkes , getragen von der j macht hat , mit Recht zu entkräften , die Gründe zu gerechten
Einheit und Eintracht , wird lösen können . Ich meine die VorwürfenaberdurchSelbstbesserungnachMöglichkeitzubeseitigen .
internen jüdischen Angelegenheiten , wie Wohlthätigkeits - Vereine ! Die durch Wissen oder Reichthum hochgestellten Juden haben ,
und Anstalten , Reformen im religiösen Leben rc . ohne von ihren armen , zurückgebliebenen Brüdern sich zu
Nun aber macht unsere Regierung noch nicht Miene zur j trennen und über sie sich zu erheben , im Vereine mit ihnen
Einführung der Emancipation der Juden , und aus der ab¬
gegebenen Erklärung Gortschakow ' s in Berlin zu schließen ,
werden wir wohl noch lange darauf zu warten haben . So
ist das Gebiet der Thätigkeit , welche uns Juden vom Schicksal
jetzt zugetheilt ist , wenn wir nur unfern Pflichten Nachkommen
fest und sicher aus ihr Ziel losgesteuert . Dieses Ziel war ,
aus dem Juden einen wackern Patrioten seines Vaterlandes
und ein nützliches Mitglied der menschlichen Gesellschaft in
jeder Beziehung zu machen , ohne den jüdischen Standpunkt in
religiöser Hinsicht aufzugeben . Die Juden haben dort in
wollen , unabsehbar weit . Aber wir können uns trösten ! Wir » allen Zweigen der Kunst und Wissenschaft tüchtig mitgearbeitet ;
Juden in Rußland sind die Einzigen nicht , die nicht blos ihre I sie haben als Patrioten sich hervorgethan ; sie haben muster¬
inneren Angelegenheiten haben ordnen müsien , sondern auch | gütige Wohlthätigkeitsvereine gegründet ; ihre Armen - , Waisen -
d a s thun , was die Regierung versäumt hat . Selten hat eine ! und Krankenhäuser , wie auch andere mildthätige Stiftungen
Regierung — wie uns wohl Allen bekannt ist — die Juden | sind nachahmungswürdig . Unter ihrer Pflege erstand auch die
aus fteien Stücken gleichgestellt . Die Juden haben sich fast ; jüdische Wissenschaft , wie ein Phönix aus der Asche ; jüdische
überall die Emancipation wacker und redlich erkämpft , zwar ! Volks - und Hochschulen blühen und gedeihen ; Tempel im
nicht mit Schwert und Bajonet , wohl aber mit den viel » Geiste der Zeit entstehen ; jüdische Zeitungen und Journale
mächtigeren Waffen des Geistes . Sie haben durch ihr Leben ! sinden täglich größere Verbreitung . Was aber von dem Allen
und Streben , durch ihr Wirken und Schaffen auf allen Ge - » ist bei uns geschehend — Ich wenigstens weiß außer den
bieten der menschlichen und ihnen zugänglichen Thätigkeit , fast ! Rabbinerschulen , die ich bereits besprochen habe , nichts als
alle Staaten Europa ' s gezwungen , sie als der Gleichberechtigung
würdig anzuerkennen . Sie haben der christlichen Gesellschaft
das Zugeständniß der Ebenbürtigkeit und wenigstens die ge¬
bührende Achtung , wenn man ihnen Liebe noch immer versagt ,
abgenöthigt . Sie haben es vermocht , indem sie bestrebt und
„ den Verein zur Verbreitung von Bildung unter den Juden
in Rußland " und die literarischen Bestrebungen in neuhebräischer
und russischer Sprache . Diese beiden aber sind sehr trügliche
Mittel zur Lösung der betreffenden Frage , und werde ich sie
daher in meinem nächsten Briefe eingehender behandeln . F . ( j .
S & etfctLiuj 6 itöcc & txcßbeu .
Deutschland .
Berlin , 20 . Aug . ( Privatmitth . ) Es wird wohl noch
eine geraume Zeit dazu gehören , bis die reaktionären Blätter
aller Schattirungen , ich meine aller kirchlichen Schattirungen ,
aufhören werden , das Lied von den bösen Juden zu singen .
Die einzige Hoffnung ist , daß sie , da jede Sache immer ge¬
steigert werden muß , sich schließlich ins Abenteuerliche und
Lächerliche verrennen . Dann werden ihre eigenen blindesten
Anhänger an den widerwärtigen Extravaganzen Anstoß nehmen
und die bezahlten Skribler nöthigen , davon abzulaffen . Ins
Lächerliche sind sie aber bereits verfallen . Wie gefällt es
Ihnen z . B . , daß die „ Schlesische Preffe " , die , nachdem sie
2000 jüdische Abonnenten verloren hat , in schrankenlose Wuth
verfiel , die „ Kreuzzeitung " und die „ Norddeutsche Allgemeine
Zeitung " nahezu für — Judenblätter erklärt ? Warum ? weil
sie die , von den konservativen während des Wahlkampfes über¬
all hin ausgestreute Broschüre des Otto Glagau gegen die Ju¬
den ignorirten oder , wie jene sagt , todtschwiegen . Die Kreuz¬
zeitung that dies wahrlich nicht aus Schonung für die Juden ,
sondern weil sie für sich selbst die Lächerlichkeit scheute . In
dieser Broschüre wird in frechster Weise behauptet , der ver¬
ruchte Nobiling sei ein Jude . Nun steht es aktenmäßig fest ,
daß dieser der Sohn eines streng kirchlichen Lutheraners und
einer ebenso strenggläubigen Mutter ist , und man kann es doch
der Kreuzzeitung nicht zumuthen , daß sie sich den gerichtlich
festgestellten Thatsachen so fern und fremd zeigen solle , wie
es durch eine solche Behauptung geschehen wäre . Man macht
sich überhaupt gar keine Vorstellung von der Verlogenheit die¬
ses Theiles der deutschen Preffe . Sie macht z . B . der Kreuz¬
zeitung auch zum Vorwurf , daß sie jüdische Reporter zum
Nachtheil christlicher verwende und den Parlamentsbericht des
jüdischen Herrn O . bringe — dieser D . ist aber der Sohn
eines orthodoxen protestantischen Predigers . Sie zählt auch
Löwe - Calbe zu den Juden , zu denen dieser hochachtbare Mann
niemals gehört hat , zu den jüdischen Abgeordneten zählt sie
auch einen I ) r . Steudel , den es gar nicht giebt Was thut