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das Heidenthnm gänzlich entschieden isi . Ja , fürwahr ,
„ der Sieg Jsrael ' s lüget nicht und wird nicht
umgewandt ! " -
Literatur .
Hebersicht ubcr die Erscheiiinuge » des
vorigen Jahres * ) .
Das Jahr 1843 war für die israelitische Literatur
eia ziemlich unfruchtbares , und wenn auch in dem¬
selben einige gute und auf dauernden Werth Anspruch
habende Werke erschienen , so war doch deren Zahl nur
gering , obschen sie wieder im Geleite von einer Unmasse
von Broschüren ttub Flugschriften austraten .
Für die Geschichte haben wir nur das eine Werk
zu nennen , welches aber den Ruhm einer ersten gründ¬
lichen Arbeit aus seinem Felde beanspruchen kann : La
Kabbale von Prof . F r a n ck in Paris . Für denjeni -
gen , der in das Studium der kabbalistischen Werke nicht
selbst eingeben kann , oder der nicht philosophische Bildung
genug besitzt , um sich die allgemeinen Resultate aus ei¬
nem Wusic von Bildern und Sprüchen herauszuziehen ,
bleibt diese Schrift unentbehrlich , von der es jedoch zu
beklagen bleibt , das sie bei den beiden Fundamentalschrisi
ten der Kabbala ( S . Jezirah und Sohar ) stehen geblie¬
ben , und die weitere Geschichte der Kabbala nicht ein¬
mal skizzirt . — Auf das Feld der Dogmatik führte
uns eine Schrift einer amerikanischen Dame , die als
leichte , flüssige , warme Darstellung unsern Beifall erlan¬
gen konnte , wenn auch philosophische und gründliche Be¬
handlung nicht zu verlangen siand . Recht gute dogma¬
tische Abhandlungen enthält der erste Thei ! von
von Kali scher ; da sie jedoch in streng philoso¬
phische Erörterungen sich einlaffen , ohne die benöthigte
philosophisch wissenschaftliche Bildung mitznbringen , so
können sie auf die allgemeine Entwickelung dieser Wissen¬
schaft keinen Einfluß üben .
Im Fache der Halachah haben wir wiederholte Er¬
örterungen über die Beschneidnng zu bemerken , faktisch
* ) Wir halten uns bei der Erwähnung der Schriften
streng an die Jahreszahl 1843 . Red .
von Ried er h ofheim , mit neuen Verschlagen , von
Terquem , Heymann , ausführlich von allen Stand¬
punkten beleuchtet , von Bergson . — Eine besondere
Stelle nimmt auf diesem Gebiete die Schrift Hold -
heim ' s ein : Heber die Autonomie der Rabbinen und
das Prinzip der jüdischen Ehe . Obgleich dieselbe mit
Fleiß , Gelehrsamkeit und Umsicht gearbeitet ist , regt sie
doch mehr an , als sie durchführt , und läßt einen einsei¬
tigen Standpunkt nicht verkennen .
Zn der biblischen Exegese ist uns nichts weiter
vorgekommen als die Fortsetzung unseres Bibelwerkes ,
von dem der erste Band ( Pentateuch ) ganz vollendet , der
zweite bis zum Ende des ersten B . Könige geführt
ward . — Von älteren Schriften der neuhebräischen
Literatur sind n * * nso von Jbn Esra , das zweite Heft
vom , durch Jolowicz und Cassel neu bearbeiteten Kusari
herausgekommen .
In linguistischer Beziehung haben wir als einen
höchst werthvollcn Beitrag für die Grammatik Sch eher
über Tempus und Modus in der hebräischen Sprache
hervorzuheben . Es wird darin für diese wichtige gram¬
matische Lehre ein ganz neuer Weg eingeschlagen , der die
alten , verworrenen Begriffe sichtet . Das hebräische Lexi¬
kon von Fürst hatten wir bis jetzt keine Gelegenheit
naher zu prüfen .
Die Ema n zipati o n § li te ratur rief wieder eine
bedeutende Schaar Ftugschristeu hervor . In ihr machten
einen eigenen Zweig die Gegenschriften gegen die im Jahre
1842 erschienene Abhandlung Bruno Bauer ' s ans , die
in Geiger , Rießer , Hirsch , Salomen tüchtige
Widersacher fand .
Sehr unbedeutend waren die belletristischen Er¬
zeugnisse des vorigen Jahres , mit ihrem Erscheinen der
Vergessenheit übergeben .
In der Homiletik erschien außer einer Masse ein¬
zelner Predigten nur eine größere Sammlung : der
Sitoah vom Redakteur d . Bl . Neben den Predigten
gingen wieder eine ziemliche Anzahl Andachtsbücher von
bald größerm , bald minderm Werthe hervor , wir nennen die
Hausposiitte von Feitel , das Gebetbuch von Jacobson .
Tie Schulliteratur ist nicht minder angebaut wor¬
den . Die biblischen Geschichten nehmen den Haupttheil
ein , dann Lesefibetn ; an Religionsbüchern ist jedoch al¬
lein der Katechismus des Red . d . Bl . erschienen ; ferner
das Lehr - und Lesebuch von Dessauer .
Zwei sehr tüchtige Werke über die bestehende Gesetzge¬
bung gaben uns Rönne und Simon , den ganzes