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heiten sich leicht an die heranwagen können, denen in ihrer Kindheit die Quellen europäischer Bildung streng verschlossen blieben, ist einleuchtend.
Wenn schon bei gebildeten Leuten, denen auch materiell alle Mittel zur Krankheitsheilung offenstehen, der törichte Glaube an „Christian Science" sich einnistet, warum sollte er nicht bei armen, unwissenden Ghettojuden, die häufig Arzt und Arzneien nicht erschwingen können, Eingang finden?
Andererseits steht der Glaube an die christliche Wissenschaft in so krassem Widerspruch zu dem Geist unserer Religion, daß jemand, der sich zugleich Jude und Christian Scientist nennt, nicht allein das Judentum kompromittiert, sondern sich von dem Kern geistigen Judentums schon zu weit entfernt hat, um der jüdischen Gemeinschaft — die ja nicht nur Stammes-, sondern auch religiöse Gemeinschaft ist — noch angehören zu können.
Nr. 22
Es ist daher verständlich, wenn hier die Frage aufgeworfen wird, ob man einem Christian Scientist das weitere Verbleiben in der jüdischen Gemeinde gestatten könne. Ebenso verständlich ist es aber, wenn man einen armen dummen Teufel, der sich von einer Modetorheit blenden läßt, nicht aus der Gemeinschaft ausstoßen will, der er doch nun einmal durch Bkvt, Tradition und Gewöhnung angehört.
Gibt es einen Ausweg aus diesem Dilemma? Ja. Das Signal zur Rückkehr zur jüdischen Synagoge, zum Gebet, zu dem Gott der Juden, also: gründlichere jüdisch-religiöse Erziehung.
Halten wir alle drei Probleme nebeneinander, so bekommen wir ein Bild davon, wie nationale, soziale, politische und religiöse Interessen im Leben der amerikanischen Juden sich fortwährend schneidende Kreise bilden.
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Die Bukowinaer Kolonie
Die nachfolgenden Ausführungen gelten nicht für die Bukowina allein, sondern nehmen den dortigen Vorschlag nur zum Ausgangspunkt einer sehr viel allgemeineren Erörterung. — Auch außerhalb der Bukowina ist der Gedanke von „Landes- kolonien" in Erwägung gezogen worden, und wenn greifbarere Unterlagen gegeben sind, so dürfte bald kein Land und kein genügend großer Distrikt ohne sein Spezialprojekt einer Koloniegründung bleiben.
Das aber wird niemand bezweifeln wollen, daß das spezialisierte Interesse eine viel lebhaftere Beteiligung hervorruft. Dies gälte schon, wenn beispielsweise sieben „Länder" die Sorge für sieben spezielle Institute in Palästina (seien es nun Krankenhäuser oder Kindergärten) auf sich nehmen würden. Um wieviel mehr würde es gelten müssen, wenn es sich nicht um solche allgemeine Zwecke Palästinas, sondern um sozusagen eigenste Zwecke der betreffenden Landsmannschaft usw. handelte, — um eine Kolonie, die ihren Namen trägt, die ihre eigenen ersten Auswanderer beherbergt und in der ihre eigenen wohlhabenderen Leute sich die künftige Ansiedlung vorbereiten lassen!
Nach dieser kleinen Einleitung gehe ich nun zu der Bukowinaer Kolonie über, zu deren Gründung *) auf der Czerno- witzer Landeskonferenz die Bildung eines Kolonisationsvereines beschlossen wurde.
Die Unterlagen, die ich zu diesem Zweck dem Bericht der Konferenz entnehmen konnte, sind folgende:
„Vor einem Jahre fiel die Anregung zur Gründung einer Bukowinaer Kolonie in Palästina. Der Gründungsfonds zeigt die relativ stattliche Summe von 2000 Kronen.
Die Sammlung des Nationalfonds betrug über 12 000 Kronen, und zwar entfallen für das Jahr 1910 auf jeden Juden der Bukowina ca. 8 Heller, für das Jahr 1911 ca. 6 Heller.
Es wurde der Antrag auf Anstellung eines besoldeten Sekretärs angenommen, der das ganze Land agitierend und organisierend zu bereisen hätte."
Auf dieser Grundlage ergibt sich die Möglichkeit etwa des folgenden Vorgehens:
Es wird die Gründung einer Kolonie betrieben, zu der in der Bukowina aufgebrachte Mittel zu verwenden sind.
Die Kolonie soll zunächst in der Hauptsache als Pflanzungskolonie errichtet werden, unter Bevorzugung von Olivenpflanzungen, für die bereits zuverlässige Unterlagen existieren.
Als Arbeiter, Pächter und Kolonisten sollen Bukowinaer Juden den Vorzug erhalten.
Zu einer Kolonie gehören außer den Menschen noch Grund und Boden, Pflanzungen, Wohnungen und öffentliche Gebäude.
Das erste Erfordernis ist die Vorbereitung der Pflanzungen. Damit kann und sollte begonnen werden, bevor man ev. noch den Grund und Boden hat. Holland liefert Produkte seiner Baumschulen nach Nordamerika, — es wird also wohl eine an irgendwelcher geeigneten Stelle Palästinas angelegte Baum-
*) Nach dem Bericht in der „Welt" von voriger Woche.
schule für die zu gründende Kolonie das Pflanzmaterial vorbereiten und ihr damit Jahre sparen können.
Uebrigens kann man sich ja vorher darüber schlüssig werden, in welchem Teil Palästinas die Kolonie anzulegen sei, ob in Judäa, in Samaria oder in Galiläa. Auf diese Weise könnte man die Baumschule näher anlegen und den künftigen Transport verbilligen.
Zur Anlage einer Baumschule können die bereits vorhandenen 2000 Kronen einen hinreichenden Anfang bilden. Die Summe genügt für mindestens 2000 Olivenbäume, von deren Ertrag wenigstens 20 Kolonisten- oder Arbeiterfamilien einen bescheidenen Lebensunterhalt ziehen können. — Die Baumschule ist auch an sich ein rentables Unternehmen; bei Einwanderung und Bedarf sogar wohl das rentabelste von allen. Ein armer Kolonist aus der Arbeiteransiedlung Ain-Gannim bei Petach-Tikwah soll unter besonders günstigen Umständen aus fünfmonatlicher Arbeit eine Einnahme von 4000 Francs erzielt haben. — Er hatte sicherlich keine 2000 Francs zum Anfangen!
Der Grund und Boden wäre am praktischsten vom Nationalfonds zu stellen, und zwar aus den Geldern, die im vorliegenden Fall aus der Bukowina fließen. Bei Annahme dieses Prinzips wäre aus der Bukowina mit Leichtigkeit ein Vielfaches der gegenwärtigen Eingänge zu erzielen, besonders da man dort soeben erst den Grund zu einem guten Funktionieren der gesamten Organisation gelegt hat. — Meiner Meinung nach wären unter solchen Umständen leicht 20 000 Kronen in einem Jahre aufzubringen, und dieser Betrag reicht weitaus für 20 Kolonisten- oder Arbeiterfamilien, sogar einschließlich der ersten Gebäude. (Für den Nationalfonds ist dies übrigens der beste unter den mancherlei Wegen, wie er schnell zu einer Vervielfachung seiner Einkünfte gelangen kann.)
Ich hätte natürlich nichts dagegen, wenn ohne Zeitverlust Landerwerb und Ajilage der Baumschule auf dem Terrain selbst gleichzeitig erfolgen könnten. Sollte man aber Land noch nicht verfügbar haben, oder sich noch nicht über die Lokation der Kolonie einigen können, so wollte ich im obigen gezeigt haben, daß es auch s o geht, und ein schnelles Vorgehen hat vor dem zögernden den außerordentlichen Vorteil, daß Zug in die Sache kommt und daß eine vorhandene Stimmung nicht erst abflaut.
Ueber den Umfang des Unternehmens noch einige Worte. Es ist mir nicht bekannt, welcher Umfang der Kolonie auf der Konferenz in Aussicht genommen wurde, aber die Normierung der Anteile auf 12 Kronen scheint nicht auf einen sehr großen Umfang zu deuten. Im obigen ist mehrfach auf 20 Familien exemplifiziert worden. Dies ist nicht wenig. Von unseren 40 Kolonien haben noch nicht die Hälfte eine größere Einwohnerzahl als 100 Seelen (gleich etwa 20 Familien).
Aber es sollte mir gewiß lieb sein, wenn die Sache von vornherein in größerem Ausmaß angelegt werden könnte, und ich will auch gleich einige Möglichkeiten dazu zeigen. Zunächst wurde der Gründungsfonds von 2000 Kronen im allerersten Stadium aufgebracht. Auf Grund der Czernowitzer Beschlüsse und einer entsprechenden Ausarbeitung
