Nr. 22
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wird jetzt leicht ein Mehrfaches jener Beträge zu bekommen sein. Dann ließe sich die Baumschule von vornherein schon viel größer anlegen. Aber auch der Landkauf für die Kolonie könnte sofort in größerem Ausmaße erfolgen, wenn der Nationalfonds sich beispielsweise entschließen wollte, die voraussichtlichen Eingänge der nächsten Jahre aus der Bukowina zu „diskontieren".
So könnte der Nationalfonds der bukowinischen Landsmannschaft unter der Bedingung, daß sie'innerhalb eines Jahres ihm 20 000 Kronen abliefert, gut und gerne Ländereien im dreifachen bis fünffachen Werte zur Verfügung stellen (etwa in „ewiger Pacht", die überhaupt wohl der beste Modus für üeberlassung von N.-F.-Land an Einzelne oder an Gruppen usw. darstellt). — Hat die Landsmannschaft den Betrag von 20 000 Kronen einmal aufgebracht, so kann sie um so leichter auf dieser Höhe bleiben und noch darüber hinausgehen, als sie dann ja etwas zu zeigen hat: einen greifbaren kolonisatorischen Anfang.
Kann sich der Nationalfonds mit dem System der „ewigen Pacht" einverstanden erklären, so ließen sich die Eingänge der folgenden Jahre — wenn wir vorerst nur das Erträgnis der Nationalfonds -Sammlungen in Betracht ziehen — für Brunnenanlagen und sonstige Ameliorationen und ev. auch für Baumpflanzungen, Hausbau usw. im Einverständnis mit der N.-F.-Verwaltung verwenden. (Wenn der Fonds aus arabischer Hand unbebautes oder bearbeitetes Land erwerben darf, so darf er sicherlich auch unbebautes Land durch Juden bearbeiten, ameliorieren und mit Gebäuden versehen lassen Der letztere Fall wäre sogar vernünftigerweise vorzuziehen, weil die Differenz zwischen dem leeren Land und dem fertigen Gute in Form von Löhnen jüdischen Arbeitern zufließt. — Im übrigen besitzt der Nationalfonds bereits von Juden erbaute Häuser und von Juden angelegte und bearbeitete Pflanzungen.)
Sollte aber der Nationalfonds darauf bestehen, daß die Kolonie den ganzen Preis des Bodens aufbringt, so v/äre das ja innerhalb weniger Jahre geschehen. Auch dann wäre es von Vorteil für den Fonds, wenn die Sammlungen zur Abtragung des Bodenpreises unter seinem Namen erfolgen, weil es zur Popularität des Fonds beiträgt, und auch für die Kolonie hätte es große Vorteile, unter" der großen Organisation des Nationalfonds zu stehen, die eine Art „Obereigentum" behielte und dafür der Kolonie bei irgendwelchen Schwierigkeiten administrativer oder finanzieller Art zur Seite stehen würde.
Auf alle Fälle hätte der zu gründende Kolonisationsverein seine Eingänge zur Verfügung, die er dazu verwenden wird, den Arbeitern der Kolonie für die im Interesse der Anteilzeichner geleistete Arbeit Löhne zu zahlen. Baumpflanzungen und Hausbau sowie sonstige Ameliorationsarbeiten lassen sich aber bei entsprechenden Methoden weitaus vorwiegend mit „Arbeitslohn" machen, neben dem die Materialkosten tunlichst zurücktreten sollten.
Die Arbeiter wird man womöglich aus von der Bukowina gekommenen Einwanderern auswählen, soweit sie den Anforderungen an Fleiß und Sorgfalt in der Arbeit entsprechen. Die Arbeiter sollten neben einem für den Lebensunterhalt ausreichenden Lohn kleine Landstücke zugewiesen erhalten, derart, daß sie nach mehrjähriger treuer Arbeit eine landwirtschaftliche Selbständigkeit erringen können.
Mit der Bemessung des Anteils auf 12 Kronen jährlich hat man in Czernowitz sicherlich eine möglichst große Beteiligung erzielen wollen. Wenn ich annehmen darf, daß 1000 Anteile zu erzielen seien (in Einzelanteilen oder durch mehrfache Beteiligung), so wären das 12000 Kronen. Dieser Betrag, der sicherlich alljährlich aufzubringen wäre, würde hinreichen, um 20 Arbeitern zum Lebensunterhalt zu genügen, ohne daß wir den Verkauf der Produkte in Rechnung zu ziehen brauchen.
Unter Hinzurechnung der Produkte, die u. a. bei Gemüsebau und Kleintierzucht sehr schnell zu erzielen sind, können mit 12000 Kronen jährlich sehr viel mehr Arbeiter erhalten werden. Vor kurzem berichtete Frau Dr. Sarah Thon von der Mädchenfarm in Kinereth, daß ein monatlicher Zuschuß von 20 Francs pro Arbeiterin genüge, um die Arbeiterinnen innerhalb weniger Monate auf einen auskömmlichen, selbständigen Verdienst zu bringen. Nach jenen Unterlagen scheint es, daß nicht mehr als 100 Francs Zuschuß pro Arbeiterin erforderlich waren. Nehmen wir für unseren Fall 200 Francs pro Arbeiterfamilie an, so würden doch die erwähnten 12 000 Kronen hinreichen, um schon 60 Arbeiterfamilien anzusiedeln!
Hierbei wären freilich noch keine Wohnungen vorgesehen, aber die fehlten einstweilen auch bei dem von Frau Dr. Thon berichteten Beispiel, und ich werde in einem nächsten Aufsatz zeigen, mit wie geringen Kosten die Wohnungsfrage zu lösen ist, und zwar sowohl bei leichten, transportablen, ev. sogar fix und fertig aus Europa bezogenen Holzhäuschen, wie auch bei recht substantieller Bauweise im Lande selbst.
Bei verdreifachtem Gründungsfonds, einem vom Nationalfonds zu stellenden Landausmaß von beispielsweise 250 bis 500 Hektar und einer Unterbringung von 1000 Anteilen i 12 Kronen wären, wie wir gesehen haben, leicht 60 Arbeiterfamilien anzusiedeln!
Eine solche Landfläche, die unter Abrechnung von ca. 60 Hektar für die Arbeiterfamilien und bei weiteren Abstrichen für Straßen und allgemeine Zwecke immer noch für ca. 100—200 bemitteltere Ansiedler ausreichen würde, ist für etwa 60 000 bis 100 000 Kronen zu kaufen, würde also bei 50/0 eine Jahrespacht von 3000 bis 5000 Kronen erfordern, die sich auf 150 bis 250 Kolonisten- und Arbeiterfamilien mit ca. 20 Kronen pro Familie verteilt.
Die Arbeiter würden — ev. unter einheitlicher Leitung — für bemitteltere Ansiedler alle Vorarbeiten besorgen und können hieraus sowie aus dem ihnen von dem Kolonisationsverein gezahlten Löhnen und aus der Bearbeitung ihrer eigenen kleinen Gemüsegärten usw. genug Verdienst ziehen, um ausreichend davon leben zu können.
Trotzdem wird bei einer modernen Koloniegründung praktischerweise von vornherein auch für industrielle Arbeitsgelegenheit zu sorgen sein, sowohl für die Frauen und Mädchen, wie für die von landwirtschaftlicher Tätigkeit nicht ausgefüllte freie Zeit der Männer. Es kann nicht Zweck der vorliegenden Arbeit sein, alle Möglichkeiten 7.u erschöpfen; es wird daher genügen, auf die Beispiele von Bea-Schamen und auf die auch in Ekron eingeführte Spitzen- industrie hinzuweisen.
Natürlich ließe sich die Einwohnerzahl der Kolonie noch wesentlich steigern, wenn auch die Ansiediung vorwiegend industriell Beschäftigter mitbewirkt wird, die in der Saison des landwirtschaftlichen Arbeiterbedarfs mit zugreifen können. — Mit alledem kämen wir dem Ideal der G arten- stadt resp. des Industriedorfes sehr nahe mit seiner intensiven Wirtschaft, seiner gesunden Wohnweise und seinem ;egen geistigen und sozialen Leben.
Die Bukowina hätte damit bei recht geringen Aufwendungen eine verhältnismäßig sehr große Kolonie erzielt, der Nationalfonds käme auf Grund dieses Beispiels zu ganz wesentlich verstärkter Sammeltätigkeit in allen Ländern, Provinzen und Gruppenverbänden, wo die Propaganda für die Spezialkolonie auf fruchtbaren Boden fiele, und wir können auf diese Weise urplötzlich in eine sehr rege neue Kolonisationstätigkeit hineinkommen, die uns jährlich fünf bis zehn koloniale Neugründungen geben kann. — Was aber würden die Zeichner der Anteile und des Gründungsfonds von der Sache haben?
Ich bin der Ansicht, daß auch hier ein gutes Resultat geboten werden müsse, um Zug und Tempo in die Sache zu bringen! In der Tat hilft ja nichts so sehr zu weiteren Beteiligungen, wie der geschäftsmäßige Erfolg der ersten Geldanlage. Wie aber wäre dieser nachzuweisen und zu erzielen? [ ; ' j j
Wir haben die Koloniegründung auf die Pflanzungsbasis gestellt, und zwar vorzugsweise auf Olivenplantagen, deren Rentabilität nachgerade bekannt genug sein dürfte. — Die ehemalige Palästinakommission gibt für Olivenplantagen einen bisher nur für die Oelbaumspende verwendeten Rentabilitätsnachweis von 40 0/0 (abgesehen vom Bodenpreis) an. Unsere neueste Autorität, Hubert Auhagen, gibt als Durchsclinitts- ertrag gut bearbeiteter Olivenpflanzungen im Kleinbetrieb 15 Francs per Baum (netto) vom zwölften Jahre beginnend an. Professor Guthe zeigt in seinem Palästinabuche noch wesentlich höhere Erträge. Aehnlich Leo Anderlind, der schon vor vielen Jahren Untersuchungen über die Fruchtbäume Syriens und Palästinas veröffentlichte. Ich selbst habe vor zwölf Jahren bereits zahlreiche ähnliche Materialien zusammengetragen und in der Zwischenzeit keine Gelegenheit versäumt, mich in Palästina und anderwärts weiter über diese Dinge zu informieren.
Nach alledem läßt sich — weit innerhalb der Auhagenschen Ziffern und sogar rein auf Grund der bekannten Rentabilitätsberechnung der Oelbaumspende — eine Verzinsung nachweisen, die ganz
