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„ Die 2 & Welt » *
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daselbst zu erlangen strebt . In dieser ; Absicht hat auch
das Executiv - Comite dieser verhältnismässig jungen ,
aber bereits sehr bedeutenden politischen Partei Galiziens
beschlossen , auf alle mögliche Art die Wahl des
gegenwärtigen Ministers Dr . Leonard P i e n t a k durchzu¬
setzen , da er „ der einzige sein soll , welcher die
edlen Bestrebungen derselben genau versteht und aufs
wackerste auch vertritt * . Dass diese Ansicht nicht ganz
unbegründet ist , weiss ja hierzulande jedermann zur Genüge ,
der nicht gerade ein unmittelbares Interesse daran hat ,
anders zu denken . Uebrigens soll ja auch Dr . P i e n t a k
jüngstens gelegentlich der bereits weltberühmten Araten -
Affaire seine Gesinnung einigermassen enthüllt haben .
Dem um die Wiedergabe seines geraubten Kindes fl . henden
Vater soll er ganz offenkundig geantwortet haben , dass an
den Klosterpforten seine Macht aufhöre . Für diesen
Candidaten hat nun der grosse galizische Juden - und
Judenthumsretter sein weites , ja allzu weites Herz geöffnet .
Auf einer kürzlich stattgehabten Wählerversammlung hat
Dr . Byk aufs klarste beweisen wollen , dass es heiligste
Pflicht der jüdischen Wähler sei , das vacante Landtags -
Mandat niemandem sonst als dem Minister Dr . P i e n t a k
anzuvertrauen . Derselbe Dr . Byk hat vor nicht sehr
langer Zeit , als derselbe Dr . P i e n t a k zum Präsidenten
des Lemberger Gemeinderathes gewählt
. werden sollte , urbi et orbi verkünden lassen , dass Doctor
P i e n t a k der grösste Antisemit wäre . Freilich war dieser
damals noch nicht Minister und hat noch keinen so grossen
Einfluss haben können . Gegenwärtig aber verhält sich die
Sachlage ganz anders . Da Dr . P i e n t a k galizischer Lands¬
mannminister ist und somit bei allen , Galizien betreffenden
Angelegenheiten das letzte und gewöhnlich auch mass -
gebendste Wort hat , schien es Dr . Byk offenbar sehr
gefährlich , einen so grossen Widersacher zu haben , auch
wenn er sich als Antisemiten , oder wie er selbst will , als
Asemiten und treuen Katholikenzögling vorstellt Ueber
diese jüngste politische Vermählung schreibt das demo¬
kratische „ Sfowo polskie " , das verbreitetste polnische Tag¬
blatt , unter anderem : „ Der Standpunkt des Prof . Thullie
wundert uns nicht . Da ist alles in bester Ordnung . Minister
P i e n t a k gehört ja in sein Lager , gleich ihm sehnt doch
auch er sich nach clericaler Herrschaft und Wirtschaft ,
gleich wie er selbst „ macht " auch dieser im Antisemitis¬
mus . . . . Das sind ja wahre Freunde . Aber der Abgeordnete
Dr . Byk ? Dieser Fortschrittsmann und Liberale ? Offenbar
wirkt ein Ministerportefeuille ganz bezaubernd . Herr Byk
hat bewiesen , dass auch die jüdische Gesellschaft , ebenso
wie die christliche , ihre Stanczyken hat , aber dazu von noch
schlimmerer Sorte , da diese sogar zu Compromissen sich
hergeben , welche die eigene Würde verunglimpfen . Man
sollte aber hoffen , dass die jüdischen Wähler an ihre eigene
Achtung nicht vergessen werden woilen . Wenn aber die
Juden selbst schon Antisemiten werden sollten , dann müsste
man schon auf . . alles eingehen . " Soviel das Centraiorgan
der galizischen Demokraten , welches dem alten , an den
Juden stets geübten Verfahren gemäss die That eines einzigen
sofort verallgemeinert und dessen Schuld der „ jüdischen
Gesellschaft " zuschreibt . Jedenfalls aber wird die Frage , wer
in Galizien eigentlich den Antisemitismus schafft und unter¬
stützt , leicht beantwortet werden können : ob die „ ungestüme "
zionistische und national - jüdische Jugend , wie es Dr . Byk
und seine Clique überall und stets wiederholen , oder
gar , ob diese Herren selbst , die bedächtigen und grossen
Diplomaten . k .
traurige Schicksalsschläge nun mit seiner kranken Frau und
drei kleinen Kindern dem erbarmungswürdigsten Elende
preisgegeben . Er ist der Gefahr ausgesetzt , falls er den
schuldigen Zins bis 1 . März nicht erlegen sollte , delogiert
zu werden . In dieser Noth bittet er herzlichst , es mögen
sich gutherzige Menschen an dem edlen Werke der Unter¬
stützung einer würdigen Familie betheiligen und ihm eine
Beschäftigung verschaffen . Er spricht und schreibt mehrere
Sprachen und ist verlässlicher Buchhalter . Zuschriften an
die Redaction dieses Blattes .
Dienstag den 27 . d . M . , abends 8 Uhr , findet im
Restaurant G u t h , II . , Stefaniestrasse eine öffentliche
Vereinsversammlung des Einzelvereines „ Wien " des „ Zion "
statt , in der Herr Architekt Marmorek über das Thema :
„ Die W a h 1 - „ R e f o r m " in der israelitischen
Cultusgemeinde Wien "
referieren wird .
Alle Cultuswähler sind freundlichst eingeladen , zu er¬
scheinen . Der Agitationsausschuss .
Bilder aus dem Assimilantenleben .
Von R . K . ( S . )
in .
Lebende Bilder .
Siegfried : Herr Blaugelb .
Brünhilde : Fräulein Diamantstein .
Hagen : Herr Löwysohn ( Confession
protestantisch ) .
Herr Lilienthal .
Fräulein Karpeles .
Herr Zwieback .
„ Plohn .
„ Löwy .
„ Cohn .
„ Sommersteiner .
„ Grosswardeiner
( Conf . : griechisch nicht - uniert )
Günther :
Gutrune :
Die Mannen :
Tribüne .
Löbliche Redaction » Die Welt " !
Ein schwer geprüfter Familienvater , 40 Jahre alt , der
in besseren Tagen selbst ein Wohlthäter war , ist durch
Weltchronik .
Dr . Alexander Marmorek — Ritter der Ehrenlegion . Wie aus
Paris berichtet wird , wurde unser ausgezeichneter Gesinnungs¬
genosse Dr . Alexander Marmorek zum Ritter der Ehren¬
legion ernannt . Dr . Marmorek hat sich durch wissen¬
schaftliche Arbeiten im Institut Pasteur eine hervorragende
Stellung und in Fachkreisen einen allgemein geachteten
Namen erworben .
Adele Berger . In Meran ist am 18 . Februar die bekannte
Schriftstellerin Adele Berg er verschieden . Das plötzliche
Ableben hat in Wien grosse Theilnahme hervorgerufen .
JQdische Soldaten . In der Sitzung der Budgetcommission
des Deutschen Reichstags brachte der Centrums - Abgeordnete
L i n g e n s das Capitel „ Jüdische Soldaten " zur Sprache .
Er vertrat die bekannten Wünsche von Rabbinern , jüdischen
Soldaten an hohen Feiertagen freizugeben , wie es in der
englischen Armee Brauch sei . Der Kriegsminister wies
darauf hin , dass diesem Wunsche so weit wie möglich
Rechnung getragen werde , allerdings während der Manöver¬
zeit könnten die jüdischen Soldaten nicht dispensiert werden .
Das Passahfest in Südafrika . Sir Samuel M o n t a g u , der
bekannte englische Philanthrop , hat es übernommen , die
jüdischen Soldaten der englischen Armee mit dem unge¬
säuerten Brote zu versorgen , dessen sie zu Ostern bedürfen
werden , und der Chief - Rabbi Dr . Adler wird die Vertheilung
der „ Mazzis " an die einzelnen Soldaten ins ^ Werk setzen .
Magyarisches . Zugunsten der ruthenischen Bevölkerung
Oberungarns hat der Ackerbauminister eine Action einge¬
leitet , die sich vorläufig auf den ^ Szolyvaer Bezirk des
Bereger Comitats erstreckt und mit deren Leitung als
Ministerial - Bevollmächtigter Eduard v . E g a n betraut wurde .
In einer in Munkäcs abgehaltenen Landesconferenz , welcher
Bischof Julius Firczak präsidierte , hat nun Herr v . Egan
über die bisherigen Resultate seiner * Action Bericht erstattet