„Die $ Welt“
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Nr. 36
„Licht“ von E. Eosenberger, (HerrM.B.); Tendenzrede, (Herr J. R.); „Die todte Frau" von York-Steiner, Violinconcert, Romanze von Beethoven, Herr S. A.; DecJaination, polnisch, (Herr J. R.); Declamation, Jargon, Grüne von Rosen feld, Herr M. H.; Schluss - Choral.
Stanislau. Für Samstag, den 19. v. M. nachmittags berief der zionistische Handelsangestellten-Club des hiesigen Vereines „Erez Israel" eine öffentliche Versammlung der Berufsgenossen ein. Da dieselbe vornehmlich der Frage der Organisation galt, so erschienen die jüdischen Handelsangestellten sehr zahlreich. Nach den Einleitungsworten des Vorsitzenden Herrn GoldschFag erstattete zunächst Herr Marc. Pfeffer, Delegierter auf dem Brünn er Handlungsgehilfentag, den Bericht über denselben. Sonach referierte Dr. K. Jonas über die Lage der hierortigen Handlungsgehilfen und legte klar die Nothwendigkeit einer Organisation dar. Nach diesem höchst beifällig aufgenommenen Vortrage entwickelte sich eine längere, rege Dicsussion, an der die Herren Eigenfeld, Marbach, Hertz, med. Bogad (Kadimah) u. a. th eiin ahmen. Es wurde nach allen Seiten die Frage ventiliert und nachdem man sich über die Hauptpunkte im Klaren war, nämlich über die Central- und Ortsorganisation, wurden die weiteren Schritte und die angenommenen Anträge als Material dem Club zur Ausarbeitung zugewiesen. Die Resolution, sich mit den Beschlüssen des zionistischen Handelsangestellten - tages zu Brünn solidarisch zu erklären, wurde mit Begeisterung aufgenommen.
Drohobycz. Auf Veranlassung des hiesigen Agitations- comites der zionistischen Jugend traf am 28. Juli der bekannte zionistische Volksredner Herr L. Taubes aus Kolomea in S chodnica ein, wo er Samstag, den 29. Juli, in der grossen Synagoge vor einem circa 350- köpfigen Auditorium sprach. Redner schilderte die gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Lage der Juden und gelangte zur Schlussfolgerung, es sei Pflicht eines jeden Juden, Zionist zu werden, da die zionistische Partei einzig und allein diejenige sei, welche den im physischen und moralischen Elend dahinsiechenden Juden zu helfen vermag. — Die Worte des Herrn Taubes hatten einen ungeahnten Erfolg. Die Anwesenden, darunter beinahe 50 Damen, waren von der Rede tief ergriffen, so dass sie sich abends in ansehnlicher Zahl versammelten, um über die Gründung eines Zionvereines zu berathen. — Zur Sitzung wurde auch Herr Taubes eingeladen, welcher wiederum das Wort ergriff und in einem zweistündigen Vortrag die Schekel-Institution erläuterte und zur Subscription von Shares der Colonialbank aufförderte. Der Vortrag fand lebhaften Anklang und es ist mit Bestimmtheit anzunehmen, dass in Schodnica eine grössere Zahl Actien gezeichnet werden. — Tags darauf begab sich Herr Taubes nach Drohobycz, wo er in einer Massenversammlung über die Bedeutung der Congresse in unserer Bewegung sprach. — Abends fand im Vereinslocale zu Ehren des 50. Geburtstages unseres Führers Dr. Max Nordau ein Festcommers statt, der sehr animiert verlief. Die Toaste wollten kein Ende nehmen und der Jubilar wurde telegraphisch beglückwünscht.
ßrody. Am 15. August, dem Tage der Eröffnung des dritten Baseler Congresses, fand hier eine zionistische Volksversammlung statt, die zahlreich besucht war. Als erster Redner ergriff stud. theol. S. Ochser das Wort, der das Zusammen treten des Congresses als glückliches Symptom unserer Befreiung begrüsste und die Nothwendigkeit des einheitlichen Zusammengehens aller Zionisten hervorhob. Mit dem Wunsche, es möge dem Congresse gelingen, den so lange ersehnten Frieden herbeizuführen, schloss er seine gelungenen Ausführungen. Im selben Sinne sprach der nächste Redner, Herr Rothenberg in trefflichem Hebräisch. Ueber „die Bedeutung des III. Baseler Congresses" referierte Herr Weinles. Hierauf beantragte stud. phil. A. L. Schenker die Annahme einer Resolution, über die sich eine lebhafte Debatte entspann. Endlich einigte sich die Versammlung auf den vom Präsidenten vorgeschlagenen Wortlaut. Die Absendung dieser Resolution, sowie eines Begrüssungstelegrammes nach Basel wurde zum Beschlüsse erhoben.
Czernowitz. Der Verein „Zion" in Czernowitz veranstaltete am Sonntag, 30. Juli 1899 auf einer cler herrlichsten Anlagen unserer Stadt, der sogenanten Göbelshöhe, ein jüdisches Volksfest, dessen Reinerträgnis der von dem hiesigen Zions verein unternommenen Gründung 'eines jüdischen Ferienheims gewidmet war. Jene jüdischen Kreise, die sich jüdischen Veranstaltungen immer fernhalten, waren höchlich betrübt, dass wir es gewagt hatten, ein Volksfest
mit rein jüdischem Charakter zu veranstalten und es so augenfällig an allen Strassenecken mit grossen Buchstaben auf blau-weissen Zetteln zu placatieren. Unbekümmert jedoch um alle Anfeindungen, Verdächtigungen und herkömmlichen Spöttereien giengen wir ans Werk, und der Erfolg krönte unsere Bemühungen. Die denkende christliche Bevölkerung konnte uns die Achtung nicht versagen, weil wir jene schmähliche Politik der sogenannten „Gross-Juden", die Politik des „Sich-nicht-zu-erkennen-gebens" nicht zur unsrigen gemacht haben .... Es war kühles, freundliches Wetter und die gesammte jüdische Bevölkerung von Czernowitz strömte zur Göbelshöhe — bis auf diejenigen Juden, die zur sogenannten „besseren" aber nicht z u r gute n jüdischen Gesellschaft gehören. Wir übertreiben nicht, wenn wir die Zahl der Anwesenden mit mehr als 5000 Personen beziffern. Das Festcomite, dem Reichsraths-Abgeordneter Dr. Strauche r als Ehrenpräsident, Dr. Jacob K o m m e r als Obmann Vorstand, hatte die umfassendsten Vorbereitungen getroffen, um das Volksfest zu einem glänzenden zu gestalten. Die ganze Göbelshöhe war in jüdisch- nationalen Farben decoriert: bl au-weisse Fahnen flatterten in den Lüften — überall sah man blau-wei.sse Wappen, blau-weisse Abzeichen. Um 6 Uhr abends waren bereits beide Terrassen voll Menschen. An manchen Stellen herrschte ein geradezu lebensgefährliches Gedränge. Zwei Kapellen besorgten die Musik. Jüdische Sänger und Sängerinnen sangen, von stürmischem Beifall umrauscht, die schönen Nationallieder von der Sehnsucht nach Zion, 'von der Sehnsucht nach der Heimat. Unsere schönsten jüdischen Mädchen stellten sich in den Dienst der guten Sache und boten allerlei Gegenstände feil. Besonderes Aufsehen erregte der blau-weisse Colonialpavillon, in welchem palästinensische Weine, Cognacs, Früchte, alles aus unseren Colonien stammend, von schöner Hand feilgeboten wurden. Eine Tombola mit kostbaren und zuweilen auch curiosen Gewinnsten sorgte für die Belustigung. Am Abend erreichte das Fest seinen Höhepunkt. Bei feenhafter Beleuchtung wandelten tausende von Besuchern auf den Terrassen, wo jüdische Studenten unser Nationallied „Dort wo die Ce der" sangen. Zionistische Embleme fanden reissenden Absatz; Flugschriften wurden zu tausenden theils verschenkt, theils verkauft. Als gegen Schluss des Festes die Militärmusik jüdische Weisen anstimmte, da schien es, als ob der Jubel kein Ende nehmen wolle .... Nach Schluss des Volksfestes fand zu Ehren der aus der ganzen Provinz, namentlich ans Stör o z y net z, B o j a n, Sadagora, S u c z a w a, Sereth erschienenen zionistischen Deputationen, sowie der liebenswürdigen Damen, die zum Gelingen des Festes beitrugen, im grossen Saale des jüdischen Bau- und Handwerkervereinshauses ein Commers statt, den Reichsrathsabgeordneter Dr. S trau eher mit einer begeistert aufgenommenen Rede eröffnete. Hierauf begrüsste namens des Zionsvereines in Czernowitz Herr Dr. Mayer Ebner die Festgäste und richtete eine Ansprache an die Vertreter der auswärtigen Vereine, die der Reihe nach erwiderten. Namens der jüdisch-akademischen Verbindung „Zephirali" sprach stud. jur. Kinzbrunne r, während Herr G r o s s b e r g einen hebräischen Vortrag hielt. Zum Schlüsse ergriff der Obmann des Festcomites Dr. Jacob Komm er, der sieh um das Gelingen des Festes grosse Verdienste erworben hat, das Wort. Seine Rede, in welcher er den Mitgliedern des Festcomites für ihr einträchtiges Zusammenwirken dankte, fand lebhaften Beifall. An den Commers schloss sich ein Tanzkränzchen, das bis zum Morgengrauen dauerte. Dem jüdischen Ferienheim, das eine bleibende Institution des Czernowitzer Zionsvereines sein soll, wurde als Gründungsfönds der Betrag von mehr als 700 fl. zugeführt. Der Verlauf des Volksfestes, der, wie es selbst unsere Feinde zugeben mussten, ein überraschend schöner war, bildet jetzt den allgemeinen Gesprächsstoff in unserer Stadt. Die officielle Judenschaft, sowie die sogenannten jüdischen Grössen sind geradezu consterniert und sie beginnen zu ahnen, dass die scheinbar kleine Gruppe der Zionisten einen Factor in unserer Stadt bedeutet, der sehr ernst genommen werden muss. Man überzeugte sieb, dass der Zionismus hierzulande zwar nicht die Grossen, wohl aber das jüdische Volk hinter sich hat. Bemerkenswert ist noch, dass dem Volksfeste auch der Bürgermeister unser Stadt. Freiherr von Kochanowsk i, beiwohnte.
Dr. M. E.
Podhajce, 7. August 1899. Zur Unterstützung der Boryslawer Arbeiter veranstaltete die Podhajcer Jugend Mittwoch, den 2. d. M. einen Unterhaltungs-Abend. Herr Moritz Lieblich begrüsste die zahlreich erschienenen Gäste. In seiner Rede schilderte er die traurig Lage der Juden und bezeiehnete den Zionismus als einzige Lösung der Judentrage. Wir führten auch das Festspiel „Israels
