Wkru-Weiß -Wlätler

tllai \ 9\5 Jahrgang 5 Heft J

GERMANIA IUDA1 CA

Kölner Bibliothek

v»v' f zur Geschidite^iag deutschen Judentum* e.V.

Lag beomer in Nierom

Meinem Briefe über die hermonbesteigung laffe ich einen zweiten folgen, in dem ich ein Fest beschrieb, das ich nun vor gerade einem Jahre in Palästina mitmachen konnte:

Ihr wißt vielleicht nicht, wer Rabbi Schimeon ben Jochai war? Das war einer der Talmudlehrer, und die Rabbalisten schrieben ihm das geheimnisvolle Buch Sohar zu, das noch heute für die Thasfidim das heiligste Buch ist. 5ein Grab wird in Merom bei Safed gezeigt, Grund genug, daß die Thasstdint hierher wallfahren, umsomehr, weil auch der Messias einst hier in Merom zuerst erscheinen wird. Der Tag der großen Wallfahrt ist tag beomer, der dreiunddreißigste Tag zwischen peßach und Schewuoth, an dem einst die Hochzeit Rabbi Schimeons gewesen sein soll, und wir beschlossen, gleichfalls hinzugehsn, da, wie wir gehört hatten, viele Tausende von Juden, sogar aus Persien und der Bucharei, hier zusammenzukomnreu pflegen.

Schon zehn Tage vor tag beomer sahen wir in Milhamie und Tiberias die ersten Vorzeichen des Festes. !Vir stießen auf ganze Rarawanen von Juden, die auf Pferden und Eseln, Männer, Frauen und Rinder, mit Betten, Zelten, Teekesseln und allerlei Hausrat von Jerusalem aus auf Merom zuzogen. Es war ein schönes und buntes Bild, das an die Beduinenzüge erinnerte. Zwischen Safed und Meronr Weigerte sich das nun; auch Safed ist eine heilige Stadt, aus ihr soll einst der Messias kommen. Sie ist hoch auf einem Berge gelegen, nennt sich die zweite Stadt Palästinas und bietet wundervolle Blicke in die Weite. Von ihr sahen wir schon vor uns weithin Menschen auf Eseln, Pferden, auch Mauleseln. Und als wir selber weiter auf Merom znritten. kanten wir an ganzen Familien vorbei, die dorthin wollten. Viele pilgerten auch zu Fuß, tente in schwerem Rajtan, stöhnend und schwitzend, wer weiß, woher sie schon kamen und wie viele Wochen sie schon unterwegs sind. Die Gegend wurde all­mählich felsiger, und es sah wunderbar aus, wie oben in Meronr überall auf den Felsen die teute in ihren bunten Trachten saßen.