Wir gingen zunächstnach Schul", in die Synagoge hinein, durch einen Vorhof, in dessen Mitte ein Zelt aus Palmenzweigen errichtet ist, eine natürliche Laubhütte. Sie dient zum Verkauf von allerlei Lebensmitteln, In der Synagoge selbst ist links ein Gitter, dahinter das Grab Rabbi Schimeons. Es ist bedeckt mit brennenden Lichtern, wer irgend kann, bringt eine Rerze und befestigt sie. Davor stehen alte Juden und beten, entweder Psalmen oder aus dem Sohar, alle in tiefster und ruhiger Andacht. Wenn sie fertig find, küssen sie das Grab und gehen fort. 3» demselben Raum ist das Grab von Rabbi Eleazar, Rabbi Schimeons Sohn; vor ihm dasselbe Bild. Um den Eindruck des Gebets zu vervollständigen, stecken, manche Leute noch Weihrauch an. Weihrauch, Rerzen, alles das gibt es zu kaufen, und damit ja nichts fehle, was hier im Orient mtt den heiligen Stätten unttennbar verbunden scheint, wird auch noch gebettelt. Rings in dem Raum und ebenso in den Nebenräumen sind Rissen ausgebreitet, auf ihnen ruhen die müden Pilgerfamilien, be­sonders die Frauen. In dem Halbdunkel, das von den vielen Rerzen an den beiden Gräbern eigentümlich erleuchtet ist, ein eigenartiges Bild: bunte Rleider, viele kleine Rinder, Frauen liegen ausgestreckt und rauchen die Nargileh, die Wasserpfeife, in einem andern Nebenranm, an der einen Seite des Schimeon-Grabes betet ein Minjan, dann wieder kommt eine Frau, tiefernst, noch gebetversunken, von der Grab­stätte und wischt sich die Tränen aus den Augen.

Als ich herauskam, ging es auf dem Hofe schon ein wenig wild zu, einzelne Gruppen tanzten in großen Rreisen um einen, der in der Mitte stand, mit wilden hebräischen Liedern, klatschend, mit den Füßen stampfend, sich immer stärker erhitzend. Wir gingen hinaus zwischen die Felsen. Da kam von Ferne ein §ug: Die Sefer Thora aus , Safed wird in einem Weg von drei bis vier Stunden herausgebracht- Voran eine Rawalkade zu Pferde, dann Männer mit Fahnen und Wimpeln, dahinter die Sefer Thora selbst, getragen von einem Manne zu Fuß. Sobald sie sichtbar werden, wird es oben auf der höhe noch unruhiger, die Männer fangen an, noch wilder zu tanzen, und einer schlägt ein einfaches Instrument dazu, einen unten statt des Bodens mit einem Trommelfell bespannten Tonkrug. Das ist wenig Musik, überhaupt ist es in diesem Jahre weniger lebhaft als früher, denn feit vor einigen Jahren einmal beim Fest ein Einsturz stattfand, haben die Rabbiner auf die Frauen und die Musiker jRlesmerim) einen Therem, einen Bann, getan. Es find zwar immer noch Frauen da.

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