Expräsident Br. Jacob Schleyer. 'Die Beisetzung unseres lieben Bruders Expräsident Jacob Schleyer in Posen gab Kunde von der Wert­schätzung und Liebe, deren sieb der Verstorbene in allen Kreisen der Stadt bis hinauf zn den i obersten Behörden zu erfreuen gehabt hat Sowohl die deutschen, wie die polnischen Mitglieder der Stadl­behörde, unter ihnen der Oberbürgermeister, sowie zahlreiche Vertreter der Vereine und .Korporationen, denen der Entschlafene angehört hatte, Mitglieder der jüdischen Gemeinde, waren im Trauergefolge ver­treten. Oerade auf demjenigen Gibiete, lauf dem unser Orden Mitarbeit zur Pflicht macht, war unser verstorbener Bruder Jacob Schleyer in nicht gewöhn­lichem Maße tätig. Neben seiner öffentlichen Tätig­keit war gewissermaßen die stille, unbemerkte Hilfe sein besonderes Arbeitsgebiet. Konnte man doch Br. Schleyer, der über 30 Jahre dem Orden angehört hat, auf diesem Gebiete als- ganz besonders geschult bezeichnen. Bei der Beerdigung gaben die Rabbiner Prof. Dr. Bloch, Dr. Freimann, Dr. S einthal den Empfindungen der Trauer über das Hinscheiden des vortrefflichen Mannes Ausdruck. Namens der Groß­loge und für die w / Amicitia-Loge sprach Br. Ex­präsident Victor. Er beleuchtete das Wirken des Verstorbenen innerhalb der Loge und des General­komitees, pries. ihn als vorbildlichen Bruder und forderte die Brüder auf, mit verdoppeltem Eifer den großen Riß, den Schleyers Ableben in der Bruderkette verursacht habe, zu schließen und Bich zu neuer Arbeit zu vereinen.

Eine besondere Trauerfeier im Logentempel ver­einigte in Erinnerung an den Toten noch einmal die Brüder sowie die Angehörigen der Familie

Expräsident Br. Hermann Elkeles.

Seinem Lands manne, Freunde und gleichgesinnten Kollegen Schleyer ist Br. Stadtrat Elkeles nach kurzer Zeit In die Ewigkeit gefolgt, wodurch die w./A m i c i t i a - Loge von neuem in tiefe Trauer versetzt wurde.

Als Sohn eines ehrsamen, allgemein geachteten Böttchermeisters hat sich der Entschlafene zu einem der angesehensten Bürger der Stadt Posen empor­geschwungen. Diesen Erfolg dankte er nächst Gott

seinem 'emsigen 'j Flelße,£sein;m klaren Verstände seinen hervorragenden kaufmännischen Fähigkeiten, seiner peinlichen Gewissenhaftigkeit und der .Lauter­keit seines'Charakters. Von der allgemeinen Wert­schätzung und Beliebtheit, deren sich der Heim­gegangene erfreute, zeugen die verschiedenen hohen Ehrenämter, die {ihm anvertraut wurden. Von dir Handels- und ojescbäftswelt wurde Elkeles in de Handelskammer berufen, deren zweiter Vorsitzender

er wurde; in den Stadtverordnelen soldeten Stadtrat

neunziger Jahren wurde er zun und im Frühjahr 1902 zum b<- gewählt, welches Amt er bis zir Auflösung des deutschen Magistrats 1919 mit der ihm eigenen Pflichtneue verwaltete. Als Vorsitzendir desVereins Zoologischer Oarten" hat er sich um das Gedeihen desStadtrat Jäckelchen Vermächt­nisses" große Verdienste erworben. DerVerein junger Kau'leute", dessen Kurator Elkeles war, ver­dankt ihm mannigfache Förderung.

Bei dieser ausgebreiteten vielie Ilgen und segens­reichen Tätigkeit für die Allgemeinheit vergaß der 1 Verblichene nicht die Pflichten gegenüber dem engere o Kreise seiner Glaubensbrüder, deren Wohl er sehe rastlose Tatkraft widmen zu sollen glaubte Nahezu drei Jahrzehnte geborte er dem Vorstande der jüdischi n Gemeinde in Posen an, dessen Institutionen er mit seiner nie erlahmenden Schaffensfreude und seinen klugen abwägenden Rate förderte. Der Amicitia Loge und unserem Orden war er stets ein treuer, begeisteit r Anbänger. Mit aufrichtiger Liebe, Verständnis und Eifer verfolgte er die Entwicklung unseres Bundes und der von ihm geschaffenen Wohl fahrtsein rieh tung« n. In seiner Eigenschaft als Vorsitzender desKuratoriui is des Rohrsenen Kranken- und Siechenhauses" ver­schaffte er der Großloge die Möglichkeil, in Posen Lehrschwestern ausbilden zu lassen. Seiner Initiative verdankt du Jüdische Schwesternheim" seine Be­gründung. Unsere Schwestern verlieren in dem Verblichenen, der bis zu seinem Heimgange Ver­sitzender des Schweslernheims war, einen wohl­wollenden Freunc und väterlichen Berater.

So lebte und Wirkte Br. Elkeles für die Allgemei heit und für unsere Glaubensgemeinschaft als wahrer Ben Briss.

Sein Andenken sei gesegnet!