״ 162 "

Ne^er fo ^errwAleuivesea m Iudenchnm,

dessen hochwichtige» Einfluß «uf die Belebung und Kräftigung des religiösen GotteSbewußtfein S.

«o» Dr. c^tzlus. ')

Vielleicht geschähe e- dadurch, daß man auf der Kanzel sich «eit weniger auf dem Gebiete allgemeiner vager Moral bewegte, und vielmehr das praktische Judentbum mit seinem symbolischen Eharakter in den Vordergrund treten ließe, eS dem Volke eindrtng- lich a»S Herz legte, welch ein mächtiger Hebel für die Erhaltung und den Fortbestand deS Iuv ntbumS die zeremonielle» Uebuugeu desselben fink; daß man eS zu klarem Berfiändniß brächte, wie unsrrr gottgeoffenbarte MoseS-Reltgkon. nicht nur eine Religion der Gefin- nung, eine bloS ideelle für unsere innere Gedankenwelt, wie sie vielmehr eine Religion der Thal ist. Wohl sichet sie vor allem An- dern auf Reinheit und Lauterkeit per Gesinnung, denn auch die edelste Thal verliert ihren innern sittlichen Werth vor Gott, so sie einer unlautertn Quelle rnispringt; aber sie schärft es auch eindringlich ihren Bekennern ein, ihre göttlichen Lehren unv Gesetze durch die sichtbare That in die Erscheinungswelt treten zu lassen; allenthalben dringt der MosatSmuS auf diese: יושסרתם ועשיתם,בפיך וב^בך ל*עשותו ) Dir begegnen hiedurch der irreligiösen Richtung der Rationalisten, die auS religiösem JndifferentiSmuS sich über die Uebung aller Zere- monien hinwegsetzen, um, wie sie sagen, ״ die geistigen Ideen deS Judentbum« nicht zur bloßen Werkheiligkeir herabzuwürdigen, die in Folge deS Zeremonirnwesens zu einem geistlosen Mechanismus Herabfinken ."

ES liegt hierin zum Tbeil so manches Wahre was nicht zu leugnen; und doch ist dies eine irrige, höchst verderbliche, die Religion in ihrer Wesenheit unterwühlende Auffassung. Hätten sie rin warmes Herz für ihren Glauben, glimmte darin noch ein Funke für die Erhaltung und den Fortbestand desselben in seiner Pofiiivi- tät, wahrlich sie würden nicht so wegwerfend sprechen über das religiöse Zeremoatenwesen. Welche Verblendung! Wären wir Engel, rein geistige Wesen, wir brauchten wahrlich aller Zeremonien nicht, brauchten keiner äußern Hülle für das übersinnlich Ideale; wir find aber Menschen, im dualistischen Sinne; und als solch finvlich geistige Wesen müssen wir irgend ein sinnliches Substrat haben, um den geistigen Inhalt der Religion an dasselbe zu knüpfen und daran fest zu halten; ohne jenes, würde das ganze Judenthum sich verflachen, sein geistiger Inhalt sich verflüchtigen; eS bliebe tarn nicht» übrig, als ein schaler DeiSmuS ohne allen positiven Boden. Selbst die an- thropomorphischen und authropopathischen Ausdrücke in der Thora, wo von Gott in menschlicher Weise gesprochen wird, deuten auch darauf hin, wie «an mit un», als zum Theil Sinnen men scheu, auch in sinn- lichen Sprachformen reven müsse, die wir uns rann geistig verklären.

Freilich, wollen wir aufrichtig und «ahrhast sein, wie wir es sein sollen vor-vrm Gott der höchsten Wahrheit, «ollen wir daher der Wahrheit die Ehre geben, müffen wir anderseits ekaräumen. daß die Schuld an dem heutigen Verfall der göitlichen Zeremonialgebote wir die Heiligbaltnng deS Sabbat, der gebotenen Fest- unv Feier- tage, u. ä. mehr die mit ערות,אותות bezeichnet werden, zum Theil daS rabbinische Judenthum trifft. Fern sei es von unS, diese ehr- würdigen, bochachtungSwrrthen Männer, die auf dem CulminationS- Punkt hoher Gelehrsamkeit und wahrhafter Religiosität standen, kiese treuen Hüter und Wächter der Religion, die eine feste Burg da standen, sie sorgsam zu wahren und zu schützen vor jedem Riß und Eingriff von außen, tm geringsten anzutasteu, die ihnen schuldige Pietät zu verletze»; keß find wir auS tiefer Verehrung solch hoher Persönlichkeiten wahrlich nicht fähig; wir würden uns dies für Sünde anrechaen; doch wo dir Wahrheit ihr Recht beansprucht, da muß man ohne Hehl und Rückhalt sprechen.

') Stehe «r. 20.

*) Schreiber dieser Zeilen erinnert sich einer der Deraschot, worin Sie, dochvereheber Herr Redakteur, di« -«de s»«boltsch« Deutung der ״Tefilltn" »de« s» geistreich al« derzgeioinnentz in gewohnter beredter Weise den Zuhörern Aar «achten, »a< au» dezuglt» anderer gleich wichtige» zeeemoniösen Bräuche -ochst »ünschenswertd w'ec.

Jene Edlen haben, a«S gar zu ängstlicher Besorgntß. das Zu- deathum von seiner zeremoniellen Seite mit einer solche« Fülle von Umschaazuagen. Umzäunungen überladen, » hiedurch der geistige Kern, der den religiösen llebunge« iunewohnt, »ater der Wucht von derlei llmwallungen erliegen mußte, so daß beim ersten Riß, oder Umsturz derselben, die edlen Blüthen der Religion zerknickt werden; so ist die Heiligung de» Sabbat, dieser Grundpfeiler des Judenthum-, der heutigen Generation abhanden gekommen.

Jene ehrwürdigen Weisen sind freilich von ihrem Standpunkte auS gerechtfertigt; sie gehörten einer Zeit an, wo die JSraelite» von alle« soedalen Verkehr nach außen zurückgedrängt waren. Ja gänzlicher Jsolirtheu und Lbgrschloffeaheit von der Außenwelt, lebten sie mehr ein inneres beschauliches Leben, fanden ihre Welt von innen, in dem GemüihS- und Gedankenkreise, da hatten die ReltgionSsatzungen ihre festen Wurzeln im Herzen, bei deren Ausübung sie einen rellgi- ösen Hochgenuß empfanden, und hierin hinläuglicheu Ersatz und Ge- nugthuung fanotu, für die schmachvolle Erniedrigung uuv Verkennung von außen. Daß eine Zeit kommen werde, wie die unsere, wo Js- rael, von einem mildern, humanern Zeitgeiste angehaucht, auS feiner frühcrn nothgebrungenen Erclufivität in das allgemeine soziale Böl- kerleben eintreten, an europäischer Gesitlung, Cultur und Civilisatiou sich betheiligen, mit jugendlicher Thatkraft eingreifen würde in die bürgerliche und nationale Entwickelung: Wissenschaft, Kunst uud Li- trratur mitpflegcnv und fördernd, an der Versittlichung und Veredlung der ganzen Menschheit im wahrhaft kosmopolitischen Geiste, auS allen Kräften Mitwirken werde; Erscheinungen, unter deren Einflüsse die religiöse Anschauung nothwenvig eine andere werden mußte; einer solchen Zeit, die ihnen um ein Jahrtausend noch fern lag, konnten unsere altehrwürdigrn Weisen nicht Rechnung tragen; wobl aber hätten sie eine Midraschstelle beherzigen sollen, die die eventuellen Folgen der zu überladenen ״Gedarim* * in folgenden Worten bezeich- net: ״Setze seinen Worten nichts hinzu, er möchte dich veS JrrthumS überführeu und dich der Lüge zeihen. 3 )

Wir haben dies an sich eine Digresfion von der rigentlichen Tendenz diese» Aufsatzes im Borübergehen berührt, ohne, ich wie- verhole eS abermals feierlich vor Gott und meinem Gewissen, dem ehrwürdigen Charakter jener gottgeweiheten Männer im geringsten nahe treten zrt' wollen; ich. der ich mich unwürdig fühle nach tal- mudischem AuSdrucke ihnen den Schuhriemen zu lösen. Heiliger, religiöser Ernst war eS, der sie bei ihren Erschwerungen leitete, um das Heiligthum der Religion vor jeglichem unbesonnenen Eingriff von Außen zu wahren. Wohl aber haben wir in wahrhaften» gen die traurige Erscheinung unserer Zeit, den Verfall reS Hause» in cultueller Beziehung, und die traurigen Folgen desselben für da» aufkeimende junge Geschlecht hervorheben wollen, um es den weilen, für das religiöse Heil ihrer Gemeinden begeisterten Rabbinen mit Wärme an- Herz zu legen, wie und wodurch diesem Uebel, diesem immer weiter um sich greifenden Krebsschaden der modernen Zeit abzuhelfen sei und auS allen Kräften dahin zu wirken, daß roch die Ellern zu dem Bewußtsein erwachen, wie sie, durch die religiöse Brr- suvkenheit des Hauses, mit eigner Hand ihren Kindern eine trau- rige Zukunft bereiten; wie Letztere, auf ihrem Lebenswege, linier so manch widrigen Bedingnissen und herben Schicksalsschlägen von denen koch kein Erdenleben ganz frei ist, ohne tröstenden Aufblick zu Gott, von dessen Vaterhand die guten wie die bösen Tage kommen, nirgend Ruhe, nirgend Trost, nirgend Linderung deS wühlenden Schmerze» finden, der Verzweiflung heimfallen. Das elterliche Haus, in all seinen Beziehungen nach außen, ist in staatlicher wie in religiöser Beziehung das Fundament zum socialen Bau des Menschen- un» Völkerlebens; vom Hause bedingt sich des Staates Wohl und Wehe, seine moralische Größe und hohe Machtstellung, oder sein fittlichel Verfall und ohnmächtige Erschlaffung. Aus dem Hause sollen ber vergehen wackere Bürger, opferwillige Patrioten, biedere Männer, hoffnungsreiche Söhne, in frommer Zucht erzogene Töchter. Solche Individuen muß daS Haus, als erste ErziehungSstätte, für die soelale Welt heranbilden.

1 ׳ Svrüchc 3 תני .-״ חייא אד ־״עשה הגי־ ״ת־ על העיר,־, ; 6 ,״ שלא *פ*־ 1י־«ץ וישבר את הנטיעות . Jalkur Sk.