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Gehen wir weiter und tragen :
2 ) Welchen Stoff hat diele Kunst zu verarbeiten , zu
bewältigen ? — Antwort : Den wichtigsten zwischen Himmel
und Erde — den Menschen und in diesem wieder vorzüglich
die Seele . ! •
Befürchten Sie nicht , daß ich den Lehrer aus das Ge -
' biet der Psychologie — - von welcher ich selbst wenig oder
gar nichts verstehe — hinübersnhren - möchte . ( ? ) Aber so viel¬
kann und muß doch mit Recht verlangt werden , das ; der
Lehrer seinen Stoff erkenne . - Sagten ja unsere Erklärungen
über Pädagogik , wir . müyen die Kinder sübren , bewab
ren , heranbilden ( Luz > ; wir müssen die Individualität ,
die geistige Entwickelung des werdenden Menschen zu leiten
verstehen ( Schmidt » und hiezu gehört doch vor Allem , daß
wir die geistigen Kräfte ' der Menschen , ' beziehungsweise die
unserer Kinder , erkennen . Mik diesem Erkennen der Seele
resp . des Geistes - geht es uns schwachen Menschenkindern
gerade io , wie mit der . Erkenntniß Gottes . Bei Beiden
heißt es : „ Erkenne die Eristenz aus den Werken . " Ohne
Seele keine Sprache ; ohne Hott keine Natur . Dies woll¬
ten nur für das Ta > cin voraus schicken . Betrachten wir
nun ihre Kräite , so wiffen wir , daß gemeiniglich 3 ausge¬
stellt und als koordjuilt unterschieden werden . Sie und :
Erkenntniß - , Gefühls - und Begehrungs - Vermögen . Diese
3 Hauptkräite - wollte man allen andern Geisteskräften zu
Grunde legen . Jedoch wurde auch Hier eine Bresche geschos¬
sen und man kam zu . der Ueberzeugung , das ; alles Denken ,
Fühlen und Wollen , daß . nile Seelenvermögen in steter
Wechselwirkung zu einander steheü und hier keine Abstraetion
die Begriffe ganz deckte
glänzende Resultate erzielen , da auf das mechanische Her -
keiern schon noch etwas gehalten wird , eine Schule in
es aber nicht . Jeder Lehrer , welcher sein Fach versteht , er¬
sieht dieses auf . den ersten Augenblick , wenn er einem Un -
terrichtsgegenstande einer Schule beiwohnt . Also : Er¬
kenne deinen Stoff und wisse , wo und mit was du die
Arbeit zu beginnen hast . Es ist kein Kleines , was von dem
Lehrer hier verlangt wird und mit ' Recht verlangt werden
kann ; doch , dhe Lust zu einein Ding — macht Dir alle
Müh ' gering .
Ich komm « zur 3 . Frage :
Welches Ziel soll die Pädagogik unverrttckt im Auge
haben ?
Das Ziel ist : Wahre Menschenbildung und Menschen -
bestiiumung , und ivird durch Wahrheit , Freiheit und
Liebe erreicht .
Jedem M . uschen sind diese Ideen der Gottähnlichkeit
als ein Theil seiner selbst mit zur W : lt gegeben . Mö¬
gen nun Geburt , Erziehung , Lebensiveise u . s . w . sn - noch
io verschiedenartig gestalten , so mußt du , Lehrer , es wissen ,
dieses wohltönende Trio kann erklingen , wenn das In¬
strument nur leinen rechten Meister zur Ausarbeitung er -
erhall . — Sieb ' veinein verstocktesten Lügner mit wahren
und klaren Augen bei einer Lüge in ' s Angesicht und Du
wirst finden , » iß im Gestchte deines Schülers etwas liegt ,
was für diese meine Behauptung zeugt .
Ebewo wse die Wahrheit ein Postulat der menschlichen
Natur ist , also ist es auch die individuelle Freiheit . . Beide
sind — von Gott in die » nenichliche Natur gelegt . Das
ganze menschliche Wesen ist aus individuelle Freiheit gegrün -
Gark
Der hat nur . , , sobald das Pflänzchen in seinen ' det ; i ' - ine Thäsigkeit , seine Sittlichkeit und seine Beantwort¬
en kommt , zu untersirchen , welche Anlagen , welche ^ uchkcik werdest allein durch die Freiheit gctrag - n und sind
Fähigkeiten hat das Kind . ? — Meine Arbeit müßte Sie i ohne ue nicht Ivorhanden . Welche Aufgabe es nun fordert ,
ermüden , wollte ich über Anlagen und Fälligkeiten
nur das reden , was jeher Lehrer davon wissen sollte . Ich
hoffe aber , daß uisicre Tisruision es noch ergeben wird .
Aber über 3 andere Erscheinungen , über die 3 ersten
des Geistes vermag - ich njcht hinwegzugehen . Sie sind :
Wahrnehmnng , Anschauung und Vorstel¬
lung . Wahrnehmen « Gewahiaverdeu > die,erste Thätig -
keit des menschlichen Geistes . Die äuß - re Welt macht Ein
druck auf den Geist . Die . Wahrnehmung erregt im Geiste
eigenthümliche Reize . Diese Reize erzeugen wieder ein inneres
Bklo oes Objects und hieraus beruht nur . die Anschauung .
Mit Bewußtsein wahruehmen heißt anschauen . Lahrnehinen
ist der äußere, - Anickauen der innere Akt der Seele . Dieses
An ' chauen der Dinge lbewirkt durch öftere Wiederholung
verschiedene neue Reize unserer , geistigen Thätigreit iiuD
riefe neuen Reize nennt man Vorstellung . — Hieran reiht
sich ' pater das Denken .
' diese Frühest so zu leiten und zu behandeln , daß weder der
Schüler noch der Lehrer , weder die Schulen noch das Leben
Noth lüden , i iir missen es , müssen es wissen , wenü , wir Er¬
zieher sein wollen . | "
Zn Wahrheit . und Freiheit gesellt sich nun um dar
edelste der Schöpfung zu vollenden , die Liebe , der ganze
der Göttlichkeit . Erst hiedurch wird bas ! harmo¬
nische Gebilde zum Abschlüsse geführt , erst damit ist er ein
Hievon muß nun der Lehrer Kenntniß haben , da sein
ganzer Unterricht auf diesen Geisteskräften beruhen soll :
; ede Fibel , jedes Rechenbüchlein , überhaupt Alles , was ii
der Schule vorkommt , soll nach den Prinzipien der Wahr
lll
nebmung und ÄwÄaünng geordnet sein . Dieß verstunden
Kellner , Haerster , Wurst und viele andere Autoren vor -
züglict . ; auf jeder Seite ihrer Werke leuchtet das durch
Und ich - erkläre ' Ihnen , eine . Schule , welche nicht m ; ; diese
Fundamente ihren Bau stellt , kann wohl rach Außen noch
Weltherrscherf erst damit ist er ein wahres Ebenbild
Gotte
Zu dicseL Tiicotore müßten mir es in unserem Beruß
zu bringen u issrn , wenn sonst die Verhältnisse , die tausend¬
fachen , uns nicht störend und bindernd im Wege stünden .
Aber troh aller - ein , wie es eben in Familien , in Gemeinde »
und im Staate noch steht , dürfen wir unter Ziel nie aus
dem Auge laßen , sondern müssen unverrückt darauf binsteuern .
Das , . 2 > t £ " in der Sache werden Sie mir wohl für
heute , da es nicht in meinem Thema liegt , erlassen . So
Gott will , hierüber später !
Schließlich bitte ich Sie nur , doch ja diese Fragen recht
eingehend oi ^ cutiren zu wollen , damit der Lohn meiner Arbeit
der sei :
, ,Fortblldnng aur dem Gebiete der Pädagogik . "
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