ii ' inaU , dann ntäro ich sicher < M daran bei ibm !
denen hilft er , wo er kann ! "
„ Weißt du . wie ichs mache ? Wenn ich merke ,
das ; ich bei einem der Herren nicht viel weiß , in
irafli ' ich irgend etwas , was auf das Thema Be¬
zug hat : mein fällt der gelehrte Examinator
pünktlich darauf hinein , und er erklärt , doziert
wie vor dem wifsensdnrstigen Schüler und nntee -
' def . en läilst die Zeit ab , ehe man sichs » erficht !
Frage Hebel über beöräi ' cke Poesie : ich wette HK )
gegen 1 , das ; er dir darüber einen langen Porirag
hält , denn das it fein Steckenpferd so gut
wie die alenianische Tichtnng und die bnkoliiche : ,
Olefjnge des Theokrit " „ Wenn er uns aber die
- Propheten oder das Gesciz dnrchnimmt ? " „ Ach
du munt dir nur zu Helsen wissen : du bin merk '
tvürdig scliüchtern und dumm geworden , seitdem
wir von Tnrlach aiisgehroch . it find , iüener » aceud ,
als wir noch im Hechten faßen und uns ans den
heniigen Tag stärkten , tatest du so ge ' cheii und
übermächtig , Uebrigens vernhige dich nur . Man
sagt im geheimen . Hebe ! sc,der sei in der Prüfung
beim erneu Mal dnrchgefallcn , ich weiß ' nicht , obs
w ' abr in ! Aber wer selber schon einen faulen
' . ’ t » fei hat essen müssen , wird einem Gaste keinen
vorti ' chen . Und fällst du etwa durch und schmeißt
inan dielt hinaus , io machs ivie jener Handels -
inde , der , trenn man ihn vorn im Hanse weg ,
tagte , hinten bieder he . e . itkam Man darf ja
das liraim ’ it wiederholen, " „ We . chec Handelssnde
tvar das ? " lief ; itch eine fistelnde stimme ' von
hinten her hören , „ Hab ich gehört recht , so haben
die Herren gesprochen von meinesgleichen ! Tarf
ich wissen den Oinujb ? " Tie Kandidaten kehrten
iiw tim , der allbekannte , IN seiner Ae . tßerlichkeit
vor hk ' tt littb den Menschen vernachlässigte Ab
vraham Tcheihler folgte ihnen und sch los ; sich
mir nichts dir nichts , ihnen an
„ Tn hau geint ' chtert , Abraham ' wie das Weib
deines Tianimvaiers . als er Botschaft von den
Engeln bekam " , fragte der Kandidat Haas . „ Ich
kenn dielt ! tüehn ans Ünndschast ans ? Wir können
di . 1 : jetn nicht brauchen , „ Wie heißt , ihr nix
brauchen ? Aber ich könnte was brauchen , habt
ihr keine abgetrageneit Kleider dabeim , zahl doch
den Höchsten Preis dafür ! Zunge Leute brauchen
immer Hf . lö ! "
„ Wenn tü > mein Hebräisches Examen behebe ,
Abraham . verkauf ich dir meine Hebräische Wrattt -
matik und meinen Mantel " , rief Herr Foß ,
„ Werd ich brauchen Ihre hebräische Grammatik ,
llarli Pfarrer , hab ich nicht als Büblein
schon gelernt hebräi ' ch , kanns beute noch . , "
ertviderte der kleine verkrüppelte Lutnpensammler .
„ Aber der Mantel wird schon recht sein - Isis der ,
den Tie anhaben ? " Er griff darnach , den Stoff
zu fühlen , aber der Theologe drängte ihn weg
mit den Worten : „ Geh ' deiner Wege , Abraham
und lasse uns allein ! " Aber Tcheibler lieh sich so
- I . stcht nicht abweiscn , „ Tie gehen ins hebräische
Examen ? Merk ich nicht , daß Tie haben Angst " ,
' bemerkte er wiegt zudringlich und doch auch wie¬
der mitleidig , . „ gönnte ich Ihnen geben mein
Hebräisch ans meinem Kopf wie etwa diesen
Ttock ans meiner Hand , ich täts Ihnen leihen auf
ein paar Sund, " ' „ Zu wieviel Zins " , lachte . Haas ,
„ Bin ich auch unr armer Jud ? Aber ich gäbs
umsonst " , ereiferte sich de : Ge ' oppte und zog etliche
£ stcrsladen aus feinem schmierigen Tack ,
nahm ein Ttück in den Mund und verteilte den
> Heft an Jos ; uitö Haas ,
; „ Ich schenkte Euch mein Hebräisch wie diese
guten Mazzcn " , sagte er , „ wenn ' s wär möglich -
Ihr habt gewiss . Hunger und seid früh aufge¬
standen ? Ttärkt Euch zum Examen : wenn der
Magen ist leer , ist cs meist auch der Kopf und
schon Talomo hat gesagt : „ eine lässige Teele wird
Hunger leiden, "
Haas biß tüchtig hinein und fragte nur , ob er
nicht auch Butter und Eingemachtes zu den Fla¬
den habe ; Foß würgte ein ganz kleines Stück¬
chen hinunter , — Tie Examensangst drückte ihm
Tchlund und Ächte zu — und schob den angebis¬
senen Rest in seine Tasche ,
„ WaS pressierst du so ? " wandte er sich an
Haas . „ Wir komigen ja viel zu früh an . stamm ,
sitzen wir dort ein wenig ab , mir ist halb übel .
Er hustete und wurde kreidckleich und erbrach die
„ jüdischen Lfterfladen wieder .
' „ Ich habe sie doch selber gemacht " , sagte Tcheibe -
- ler und machte sich stille davon , ehe der arme wür¬
gende Foß ihn am stragen nehmen und nach dein
näheren Rezept seiner Fladen fragen konnte .
Am nächsten Brunnen wusch Haas seinem schwa -
chen Freunde tüchtig den stopf , körperlich und
seelisch und gab ihm das klare , morgenfrische
Raß zu trinken , dann wars aber höchste Zeit ,
sich ins Ministerium zu begeben . .
Mit zehn anderen Leidensgeiiossen standen Foß
und . Haas vor ihren Examinatoren , Hebel als
der erste und oberste musterte sie und traf Aus¬
wahl für sich und die andern Herren . Und ist es
verwunderlich , daß er gerade den immer noch
bleichen standidaten Foß zuerst antippte und für
sich aus die Teile stelltL ? Gegensätze ziehen sich
doch immer an , sagt man .
Tie Berteilung ist getan ; auf der einen Teitc
stehen die Professoren und Geheimräte , ihnen ge¬
genüber ihre Opfer , die standidaten . Hebel hält
eine kleine Ansprache und ermuntert sie , mit ihrer
Weisheit uitd Gelehrhcit nicht znrückzuhalteu und
erst Angst zu haben , wenn dieses Examen vorbei
her . denn erst nachher käme t die eigentlichen großen
Prüfnngen des Lebens .
Wie Hebel alsdann vor seinen standidatett Foß
tritt , um ihn vor allem , mit sich an ein besonderes
Tifchlcin zu nehmen , da bricht dem noch nicht ge¬
prüften Ttudenten der Angstschweiß aus der Ttirnr
irud er will eben fein Taschentuch ziehen , ihn ab -
zntrockncn . Aber er zieht zugleich die Ostersladeu
I Abrahams heraus , und sie fallen gerade Hebel
I vor die Füße . Er guckt und lächelt etwas ver¬
schmitzt , denn er übersieht die Lage sogleich und
meint nicht nur den Grund , des Schweißes zu
wissen , sondern auch die Bedeutung dieses ihm
wohlbekannten Judengebäcks .
„ Tie scheinen mir ja ein eingefleischter Hebräer
zu sein , Herr Kandidat " , sagte er zu dem ver¬
blüfften Studenten ? „ Und ich vermute , wer solche
Telikatessen jüdischer stochkunst in der Tasche
hat , hat wohl auch die Finessen der hebräischen
Sprachkunst im stopfe ! Meine Herren " — damit
wandte er sich an seine Kollegen , die andern Exa¬
minatoren - „ ich meine , wir können diesem maz -
zenliebenden Theologen das Hebräische schenken ,
denn ich fürchte , er weiß als besserer Hebräer
vielleicht mehr als wir ! "
Alle winkten ihm gütig und lachend zu so
kam es , daß di : Mazzen des Juden Abraham
Tchcibcler den standidaten Föß tischt nur zum
Brechen reizten , sondern auch glücklich über die
großen stlippcn des theologischen Examens hin -
übcrbrachten . Und zum Tanke dasür hat der neu¬
gebackene Herr Pfarrer dem alten Juden nicht nur
seine hebräische Grammatik geschenkt und den
Mantel verkauft , soichern ihm auch den Rat gege¬
ben , er möge auch in Zukunft den Examenskandi¬
daten feine hebräischen Brocken anbieten , denn
„ dem Examinand brechen sie den Magen und
dem Examinator das Herz auf " , sagte er .
Stuttgarter Veranstaltungen .
Palästinensische Wirklichkeit .
Bortrag von Gerda Arlosoroff , Jerusalem .
„ Während man in Teukschland und anderswo
noch uiü die Ideologie des Zionismus streitet
und dabei vollkommen übersieht , daß diese Be¬
wegung schon in eine Phase eingereten ist , die cine
Tiskussion über das „ Toll man , oder Toll man
nicht " überhaupt nicht mehr zuläßt , steht Palä¬
stina im Zeichen eines unennvegten , zukunfts¬
freudigen Ausbaus , mitten in einer lehensdurch¬
pulsten , nationalen Wirtlichkeit . . "
Mit diesen Worten ungefähr leitete Frau Gerda
A r l o s o r o f s , Jerusalem , die von der Orts¬
gruppe Ttuttgart der Zionistischen Bereinigung
für Teutschland zu einem Bortrag gewonnen
war , ihr am IN . des letzten Mts . gehaltenes
Referat ei » .
Auf Grund eines reichen Tatsachenmaterials ,
gestützt auf die in Palästina selbst gemachten lang¬
jährigen Ttudien und Erfahrungen , entwarf die
Rednerin von bfr wirtschaftlichen Lage des Landes
ein umfassendes Bild , ohne auf die notwendige
zionistische Eigetttritik zu verzichten .
Rach langen Jahren theoretischer Tiskussion ist
man in Palästina eichlich dazu übergegangen ,
alle koloniätorischen , sozialen und kulturellen Fra¬
gen aus der Praxis heraus zu lösen , nachdem
man sich durch umfa ' sende Untersuchungen die
notwendigen Vorbedingungen geschaffen hatte .
Es ist eine merkwürdige Tatsache , daß die Nicht¬
juden sich viel schneller und voraussetzungSloser
mit dem zionistischen Problem und seiner gegen¬
wärtigen Lösung vertraut machen , als die Juden
selbst . Tie ersten sehen in dem neuen jüdischen
Ttaatsgebilde eine Sache , die da ist , während die
anderen sich immer noch mit der ideologischen
Seite des Problems abzufinden haben und deshalb
auch nur mit Mühe zu einem objektiven Urteil ge¬
langen können , — Vom Kolonisieren als solchem
verstehen nun einmal die Juden nicht viel , seit
2000 Jahren haben die Juden nicht mehr ge¬
siedelt — und da die palästinensische Aufbauarbeit
eine durchaus grundlegende Neukolonisa¬
tion darstellt , sind auch die gewöhnlichen Ma߬
stäbe an sie nicht anzulegen . Wo auch die Kultur¬
staaten , England vor allem , fremde Länder wirt¬
schaftlich zu erschließen suchten , überall war ein
Menschenmaterial hierzu nicht nur vorhanden ,
sondern für solche Pionierarbeit auch qualifiziert .
In Palästina dagegen ging man mit Kaufleu -
t e u und Akademikern an den Aufbau heran ,
Menschen mit Galuth - Berufen , und nur ab
und zu brachte ein kleiner ostjüdischer Handwerker
das manuelle Rüstzeug mit ins Land . Aus die¬
sen Leuten nun mußten Sickler gemacht wer¬
den und es ist auch gelungen . Ties ist ein gewich¬
tiger Aktivposten in der zionistischen Bilanz , de¬
ren positiver Gipfelpunkt in der Schaffung einer
konzentrierten jüdischen Volkswirtschaft erblickt
werden muß . Vor 40 Jahren erkannte man in
den Rothschild ' schen Kolonien noch nicht , daß es
aus das Geschick der Hände vor allem ankomme .
Erst im Laufe der Jahre sah man immer mehr
ein , daß der Schwerpunkt des SiedlungSprÄblems
in der Qualifikation der Siedler selbst
liege . Im Jahre 1907 erst kamen Leute mit
zionistischer Ideologie nach Palästina , Menschen ,
die wußten , auf was es ankam . Tas Budget
des folgenden Jahres war nicht höher wie 800
engl . Pfund . Heute dagegen verfügt die zionistische
Exekutive über einen VecbrauchsfondS von 800000
Pfund und über ein organisiertes Arbeitecheer
von 32 000 Mann , die etwas von der Sache ver¬
stehen . Tas ist ein weiterer Aktivposten der palä¬
stinensischen Aufbauarbeit .
Tas zentrale Problem der letzten Jahre war
nun die Arbeitslosigkeit , die auch in zio¬
nistischen Kreisen lange Zeit als wirtschaftlicher
Einzelfaktor angesehen wurde . Nun aber ging
man dazu über , Palästina als Wirtschastsganzes
zu betrachten und nach seinen ökonomischen Per¬
spektiven zu beurteilen . Tie ganze Frage der
Arbeitslosigkeit wird zwangsläufig nur aus der
wirtschaftlichen Konsolidierung Palästinas zu lösen
sein . —
Hierbei hat man auf die Struktur der palä¬
stinensischen Wirtschaft zu achten . In Palästina
unterscheidet man zwei Arten von Kolonien : die
privaten und die nationalen . Tie ersten
sind Unternehmungen rein privatwirtschaftlicher
Natur , die anderen existieren aus den Mitteln des
Keren Hajessod und der Exekutive . Tie privaten
Siedlungen bergen reiche Möglichkeiten und haben ,
besonders auf dem Gebiete des Orangen - Anbaus ,
große Erfolge zu verzeichnen . Tie Jaffa -
Orange vermochte sich nach und nach auf dem
gesamten kontinentalen Markt durchzusetzen ,
Uckerhaupt eröffnet die palästinensische Orangen -
Kultur höchst erfreuliche wirtschaftliche Perspek¬
tiven , zumal es kaum noch Kolonien gibt , die
nicht jüdische Arbeiter beschäftigen . Vor wenigen
Jahren stellten noch die Araber das Arbeiter -
Material in erster Linie . Es kann aber nicht ge¬
leugnet werden , daß die absolute Anreicherung
dieser Plantagen mit jüdischen Ackeitskräften noch
ein Problem ist , dessen Schwerpunkt in derLohn -
ftage und dem Gemeinschaftsgefühl liegen .
Für die Beurteilung der nationalen Kolonien
ist die Konstanz der Produftionsvergrößerung ent¬
scheidend . Im Großen und Ganzen kamen die
nationalen Sicklungen gut voran und auch sie