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35,36,37 /.Jahrg. Berlin, 11. Sept. 1937 Preis 0 Pfennig

H ERAUSGIEBER: REICHSBUND JÜDISCHER FRONTSOLDATEN E.V.

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Frontet(ebnis

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e. V., veranstaltet am Sonnt, g, den 12. Eine Befrachtung zu Jaum Kippur t on Kam. Rabbiner Dr. Schönberger, Aachen d. M., vormittags 11 Uhr auf < km Ehren­friedhof in Weißensee zu Ehi "

und Erlebnisfront

Der Reichsbund jüdischei daten, Landesverband Berlin

Frontsol- und Mark

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Der Verfasser, I [am. Rabb. Dr. Sei iBn- berger-Aachen, w ir als junger Mensch nach Absolvierun; des Abiturs uiter der Waffe im Fe de und hat als facher Gardejägei in Macedonien Frontkrieg kennei igelemt

Das Wesen des Lebens ist Gegenwart. Zolles Vergangene ist soweit lebendig, als es Gegenwart mitbewirkt. D is gilt auch für Fronterlebnis der Kämpfer des Weltkrieges. Es ist ein Merkwürdiges dirum; mitunter riickt es, wie etwas Unwirklich s, Traumhaftes aus dem Gesichtskreis. Viel njehr vermag in den Brunnenschacht des Vergtesens zu fallen, als wir gemeinhin annehmen. Die Elastizität der Seele ist von diesem zeitweiligenVergesien- können bedingt, und selbst belanglose Er­eignisse des Tages haben ioft mehr Farbe and Intensität, als die Dinge, vpn denen wir der zeit glaubten, daß sie von nun ab wie ein unaus- löschbares Leuchtfeuer drii Horizont uns :res Daseins übergleißen würden. Und doch_wi< der zeigt sich die Stärke des! einmal zutiefst Er­lebten in einer jähen, überwältigenden Kiaft, der Zeit und Raum nichts anzuhaben ver­mochte, die umwandelnd unsere Wel an- schauung formt. So ist j es mit dem Fronj- erleben. Wir fühlen und I wissen unabweisbar daß unsere Lebensbasis selbst von jer em scheinbar Vergangenem > unterbaut ist, laß jenes Erlebnis unser Das rin mit einer Sellist- verständlichkeit trägt, die wir nur irrtüm ich mit dem Wesen desVergessens verwechielt haben.

Front ;ol- je-

Naturgemäß rühren Gedenkfeiern, wie Pie, die der Reichsbund Jüdischer daten am 12. ds. M. in vielen meinden für die Kriegsgefallenen veranstalt Zwangsläufig Erinnerungen auf und führen |b wußt zu jener Daseinsbegründung hin, im Heldentod unserer Brüder den hesite» Wegweiser durch unser Leben er­blicken läßt. Aber von weitaus größerem Wert noch, so will mir scheinen, ist jene Erinnerung ~ " err

er und Le- aff

aus der Verschlossenheit ihres rätselsc tiweren Dunkels!

Der Gedanke der Versöhnung, der dei Juden mit Leben und Tod, mit Endlichkeit u ld Un­endlichkeit konfrontiert, geht auch dem Maskir ha-neschomauth, dem Gedächtnis an die Toten nicht aus dem Wege. Beg-eiflich, daß er den Menschen des Fronterlebens immer erneut und unwillkürlich zu jener I erzzer­reißenden Frage hinführt, die einst im Welt­krieg auch den schlichtesten Soldaten zuweilen ergriff: Wie kann GOTT die T agik unseres Geschehens zulass :n ? Diese uralte Frage der Theodicee wird viel­leicht, gestellt von dem in der Stil e und Feierlichkeit des Tempels Weilenden, sch Zu­rückerinnernden lauten: Wie kann mein Front­erlebnis mir den Weg zur Versöhnung offen lassen oder gar öffnen? Viel Würde und Stolz, viel Bitternis und Enttäuschung klingt in diese Frage hinein. Mit ihr steigt z II das, was über das unmittelbare Erleben des Ein­zelnen hinweg zu allgemeiner Eilebnis- form wurde, aus dem Brunnen de« Ver­gessens: Der Wille durchzuhalten und seinen Mann zu stehen inmitten der Turbulenz der Ereignisse; all, die selbstverständliche Pflicht­erfüllung bis an die Grenze des Erfül baren; das Vertrautsein mit Verwundung und Tod; das Losgelöstsein von Allem, was sonst Lebenswert war; Kameradentreue und Sorge um die daheim; die große Trauer von A Ottern und Kindern; das Trommelfeuer von ilüssen und Wollen, Hoffen und Wähnen, Sie; und Verlust, Warten und Vorwärtsstürmen, ;ll das, was so aufreibend war, wie die schrillen

en der Ge­fallenen eine Gedächtnisfeier. An­treten der Kameraden 10.30 |Jhr vor der Alten Halle.

Schreie der Geschützdetonationei! Nein, das Alles ist nicht tot, ist eine unheimliche Wirklichkeit, die unter der dünnen Decke des Tagesgeschehens unauslöschbar flammt, zu der die Erinnerung unserer Gedenkleiern immer 'nieder ein Tor aufreißt. So N anches aber von dem, was damals dem jüdischen Front- . kämpfer Kraft und Mut des 1 ragens gab, sieht er heute vom Wandel der Zeiten uner­bittlich weggewischt und gibt seiner Frage nach Versöhnung einen Hauch von Wehmut und Bitterkeit.

Und doch! Gerade die Tatsache der Ge­genüberstellung des Fronterlebe is und des Versöhnungsgedankens reiht den jüdischen Frontsoldaten des Weltkrieges in eine eigen­artige und einzigartige irlebnis- front. Die Erlebnisfront von Menschen ist es, denen der uraltheilige Gedanke der Versöh­nung zwischen den Menschen und der Versöhnung des Menschen Mit seinem Schicksal zu einer umwertenc en Aufgabe und zu echter Lebenserfüllung wi rde! Am Versöhnungstag stehen Juden im Gebet vor GOTT, denen der Glaube an die Möglichkeit menschlicher Umkehr und geistigen Fort­schritts, denen die Gewißheit d:r Erlösung aus menschlicher Schuld, denen das Gebet 'zu einem allmächtigen und all* erbarmenden GOTT, denen schließlich die in GOTT ge-

und das Gedenken, das ohne äußere V anlassungrein aus der Geheimtiefe al Lebensproblematik selbst steigt am Daseinssinn sich entzündet. Solche benswerte reißt der Vjersöhnungst

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Än unsere Leser!

Auf Grund einer behördlichen Maßnahme Mnd 2 Nummern des Schild nicht erschienen. Wir '»Uten unsere Leser, diese Umstände su bertck- nichtigen, wenn diesmal der textliche Inhalt pe- Ingeren Umfang seigt. Vertag und Redaktfon

des Schild ".

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