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meinden ? * * * * * ) ) Da widme « sich verschiedene deutsche Jüngling «
dem Robbinerstoode , absolvirrn ihre Gymnasialstudie « , ab -
solviren mit Erfolg ihre akademische « und rabbinischeu Studien ,
sind aulgerüstet mit echt deutscher Bildung und getragen
vou echt deutschem Geiste — aber bei eurer Bacanz . bei
welcher meisten » eine l / j ftüodige Probepvdigt entscheidet —
finden sie tone Gnade bei dem Borstande und « in Sohr
au » den saurmatischen Ebenen oder ein Sohn der „ Pußta »
triumphirt über den sonst so talentvollen deutschen Tandi -
daten . — ) Sind dnartige Fülle ermuthigend für talentvolle
junge Männer , sich dem geistlichen Stande zu widmen . Bon
Prottction , NepotiSwn « , Heirathlprojesien u . s . a . , die ja
auch bei vielen Bacavzen ihren Schatten wetthi « » erbretten
» nd sich von Einfluß erweisen , wollen wir gar nicht reden .
Gs kan « passiren , daß in der Provinz ein Rabbiner
von hervorragender GelrhrsamKit , tüchtig und erprobt in
Allem , wa » zu dem theologischen Lehramte befähigt , bei der
Berliner Lacanz nicht berücksichtigt wttd , weil er dem Vor¬
stand « „ zu selbstständig und eigengeartet " erscheint und die
Herren vom grünen Tische „ Macht gegen Macht « fürchten .
Da » sind ja wahrlich traurige Zustände , die chre düster «
Schatten auf die Zukunft unsere heiligsten Interessen werfe « .
Welchen Lebenslauf auch immer rin talentvoller jüdischer
Jüngling in Deutschland wählt , überall hat er mehr Aus¬
sicht , es zu etwa » zu bringen , als wenn er die rabbinische
Earriere wählt . Der Berliner Borstand « xemplifirirt auch
aus dir Verhältnisse in der christlich « Kirche , aber hier sind
die Eandidaten des geistlichen Lehramtes wenigsten « durch
ihre Vorgesetzte Behörde vor der Willkür der Gemeinde »
Vorstände geschützt .
Uebrigen » ist der ManAl an fähigen Rabbinern nicht
so groß , denn es girbt noch viele Ettern , die nur „ um Gottes
willen « ihr Kind diese « Berufe widmen , weswegen Biele sogar
im Auslaude amtiren ; bei einrr vacanz einer gut dottrten
Stelle meldet sich gewöhnlich ein halbes hundert Eandidaten ;
so habe « sich um die Baseler Rabbinerstelle Vs Eandidaten
beworben . — ) Di « einzige Berlrgenhett , in der sich da der
Borftond befindet , ist die „ Verlegenheit der Autwahl « und je
nach de « Angebote stellt dieser dann seine Bedingungen .
Zur Beseitigung der religiösen Uebelständ « . wie solch « in
Berlin nach der Petition der 7ver Eommijsion unstreitig
vorhanden , sind übrigens nicht gerade „ Rede - und Sanges¬
künstler « uüthig .
Eine Bemerkung sei mir noch zum Schluß gestattet ;
Da » Verdikt , welchS der Berliner Vorstand über den ganze «
Stand der jüngeren deutschen Rabbiner gefallt hat , ist . wie wir
gezeigt , ntcht nur ungerechtfertigt , sondern es iuvolvirt . gleichzntig
eine » Mangel an Taktgefühl gegen di « Rabbiner der eigenen Ge¬
* ) Aergl . den tehrrzi - nlswerlhenLeitartikel i » Rr . 7 dies . Bl . : „ Vas
kau » vnd soll geschehen , um di « Stellung der Radbiaer zu einer wgr »
kigmr . z » gepälren ? « Bon Dr . G . Kehler . Di « demaichft folgenden
Amisetzungen beten die Wißpsnd « noch « ehr hervor and weisen auf
di « Dmel zur Beseitigung derselben hin . ( Red . )
« " ) Ob iie Farben bei der Schilderung der in Deutschland ge¬
borenen RolMntt vorn Verfasser des obigen Artikels doch nicht
etwa » gor z » grell - usgetragen find ? vir wollen ' » seine « Wser zv -
gnte hauen nab obig « , Satz dr - rchgetzeu lassen , obwohl wir wiederholt uns
schon » egen das Hiudnzuh » der Rationalität in Kragen wissen¬
schaftlicher Brsshignng energisa ; autgrsprochen haben . ( Red . )
* * * ) Zu der jüngst mit MOO 3k . ansgeschrlebenen gkadbinerpelle
in Halle haben sich ea . 30 Aabbiner — daruMrr Rarnen von Klang
— gemeldet . Med . )
meinde , denn diese — mindestens die jünger « Herren —
werden ziemlich deutlich als „ Verlegenheitsrabbiner « hingestellt .
Quidam .
S « r jüdische « Lehrerfrage .
i .
Die neueste Berfügung de » preuß . EnltuSmtuisterS
« nd ihre Sonsequenze » für « n » .
Durch di « Tagesblätter läuft ' jetzt folgeuder Erlaß des
Luttusmiuisters vou Goßlrr betreffend die Unterstützung jüd .
Lehramtsaspirauteu seitens des Staate « .
„ Jüd . Präparauden wird jetzt bei dem Besuch vou
Präparandeaauftalte » zur Borbereituug für die Schullehrer »
semiuare eine Uuterftützuug aus Staatsmittel « nicht wehr
gewährt , weil bet dem scheu vorhandene « Uederfluß jüd .
Lehrer ein Bedürfniß für deu Eintritt i » die Präparaudea »
anstatt nicht » achgewtesen werden kann . "
Wer Augen hat zum Sehr « und Ohre « zum Hören ,
deu dürfte dieser Erlaß de » Eultusministers über die Ueber «
Produktion au jüd . Lehrern trotz grgeachettiger Berichte
in deu jüd . Blättern zur Genüge belehren . Während sich
ein Mangel an christlichen Lehrer » fühlbar » acht und der
Staat Mtttel und Wege ausfindig zu macheu sucht , diese «
Maugel zu steueru , ist hier das gerade Gegentheil der Fall .
Wem » vor kurzem eiue Notiz aus der Provinz Posen di «
Runde durch die jüdische » Blätter machte , wo « folge einer
läogereo vacanz einer jüdischen öffentlichen Lehrerftelle auf
eiueu jüdisch « Lehrermangel htozewiesen wurde , so war dies «
Annahme grundfalsch . In Bezug auf Besrtzuug einer
Lehrerftelle au einer öffentliche » Schule ist eben die Ge¬
meinde sehr « achläsfig . nota bene wenn nicht ei « anderer
durchaus uueutbrhrlicher Posten damtt verbunden ist . So
kommt es selbst bei größtem Ueberflvß an geeigneten jüdische »
Lehrkrästeu oft vor , uamrntlich au « rhrklasfigen Schulen ,
daß Lhristeu Inhaber oder jahrelang Vertreter jüdischer
Lehrerstelleo find . Und daß es gegeowärtig nicht anders sein
wird , liegt beim Jndifferentismu « unserer Glaudeasbrüder
iu manchen Gegenden klar auf der Hand .
E « ist also coustatirt , daß nicht nur teta jüdischer
Lehrermangel vorhanden , sondern vielmehr eine enorme Ueber »
productiou sich gar sehr fühlbar macht , den » sonst hätte vou
einem Erlaß , der jüdischen Proparaudeu entgegen dem bis¬
herigen Usus vou Unterstützungen ausschließt , keine Rede sei »
können ; denn jrdensall « wird der Coltusminister von deu
Proviuzialschulbehördeu durch dir übergroße Aazahl von Be «
Werbungen setteus jüd . Lchrer um selbst schlecht dottrt « Lehrer «
stellen auf stagliche Ueberproduktio » aufmerksam gemacht
worden seia , so daß jeuer Erlaß aochweudtg erschient » ist .
Mau erzählt , daß um die geringste , schlecht dotierteste Lehrer -
stelle einer kleiuea Stadt der Provinz Pose » — dem Eldorado
der öffrutl . jüd . Schulen und jüd . Lehrrrstelleu ohne Neben¬
amt — sich 40 und mehr Bewerber und darunter außer¬
ordentlich tüchtige fiudru . „ Es ist dies nicht mehr schön z »
neune » , " bemerkte vor kurzem ein Provdrzialblättchen hier¬
über , „ es giebt dies höchsteo « Beraolaffung für deu kärg¬
lichsten Lohn die höchsten Anforderungen zu stelle » und die
Stellung der Lehrer , die ohnehin noch schlecht genug ist , zu
einer schwankenderen und unfichereru zu machen . " Nun
spreche mir nach diesen Erfahrungen Jemand » och von de »
übermächtigen , materiellen Gelüsten der Inden , von de »
übermäßigen Strrbeu derselben nach Hab und Gut . Woher
sollten auch die viele « Lehrer kommen , wenn letztere Be «
haupluug richtig wäre ! Ja , der Jude ist genügsam , selbst
mit der bescheidensten Existenz nimmt er für lieb , wen » er
fich nur einigermaßen sicher in ihr fühlt . Was bietet
wohl das Amt des jüdisch « Lehrers Brr lockendes , daß fich
heutzntage « och so Biele ihm widme » ! Es ist doch wohl ^