• eilet nicht « als feie Annahme der Elter » hindnrch ihrem
Sohne ei » bescheidene « , aber ziemlich stchere « vrot für die
Ankunft dielen zu können . Und doch , wie falsch erweist
sich diese voraussetznngl — Allerdings , wer den jüdische »
mit dem christlichen Lehrer vergleicht , mag wohl Recht habe «
» nd die « wird wohl auch hierin da « Bestimmende seiten «
Milchen Eltern in ihrer Kurzsichtigkeit bei der Wahl de «
Lehrerberufe « für ihre Söhne liegen — doch weit gefehlt !
Zwischen dem jüdischen und christlichen Lehrer ist unter den
gegenwärtigen Verhältnissen gar kein Vergleich denkbar .
Ersten « fallt hierbei in « Gewicht die geringe Anzahl jüdischer
öffentlicher Lehrerftrllen für die enorm große Zahl ge¬
prüfter jüdischer Lehrer » und zweiten « ist noch gor sehr zu
berücksichtigen die Verschiedenheit der Leben - verhältniffe und
der Leben - weise de « jüdischen Lehrer « von dem de « christlichen
Eollegen . E « machen sich hier kolch augenfällige Gegensätze
bemerkbar , daß ein nähere « Eingehen auf dieselben faciisch
ganz überflüssig sein dürfte . Würden wirklich so viele ge¬
prüfte jüdische Lehrer , . Schächter und Tantoren " werden , oder
ein denkbar unangenehmster , schwankendster Position al «
„ Mädchen für Alle « " verbleiben , wenn ihnen auch nur im
entferntesten Gelegenheit geboten würde , ihrem ursprünglichen
Berufe , dem sie ihre Jugend durch gründliche « Studium
und Absolvierung verschiedener durchaus nicht leichter Examina
geopfert al « Lehrer , ür die profanen wie religiösen Unter -
nchtSfächer in sicherer Stellung an öffentlichen Schulen im
Kreise gebildeter gleichgesinnter Eollegen nachzugehen ? Würden
nicht viele , sehr viele jüdische Lehrer mit dem christlichen
Dorfjchullehrer der oft ähnlich einen Fürsten im Streife seiner
Untergebenen thront , tauschen wollen ? Gewiß hat auch
dieser Stand seine Schattenseiten , hat auch dieser den Kampf
de » Leben « zu kämpfen , um die jungen Dorfbewohner mit
den Elementen der Künste und de « Wissen « vertraut zu
machen , doch wa « will die « olle « heißen im vergleich zu den
Demüthigungen und Kränkungen , die dem jüdischen
Gemeindebe amten oder Lehrer trotz redlichsten Ruhme « und
Schaffen « infolge der denkbar schwaukendsten Position und
der vielseitigen An prüche , die an ihn gestellt werden , für
den überaus kärglichen Sold zu erdulden hat ? Der
Dorfschullehrer weiß ja wenigsten « wofür er arbeitet . Er
hat sein Hau « , seinen Garten , sein Feld und dazu seinen
Gehalt ; wozu noch Alterszulage , persönliche Zulage und
Stellenverdesserung kommt ; e « ist bei ihm für Pension
eventuelle Invalidität und einst für seine Hinterbliebenen
gesorgt ; und ist er tüchtiger Landwirlh , so ist er davon
allein schon in der Lage seinen Lebensdedürfaisseu zu genügen .
Wa « die Sorge für seine Kinder betrifft , so kann er sie mit
Leichligleli uua uqiic erhebliche Unkosten allen nur erdenk¬
lichen Beruf « arten zufühlen ; sind e « Töchter , dann werden
sie gewiß leichter untergebracht , wie die eine « jüdischen
Lehrer « . Wer zu lesen versteht , für den wird sich infolge
« eurer Ausführungen die Amwort betreffend die Verhältnisse
de « jüdischen Lehrer « selber ergeben , doch muß ich auch diese
wenigsten « mit wenigen Sätzen berühren .
Für drn jüdischen Lehrer gtebt e « selbstredend kerne
Dorfschutftelleu im obigen Sinne , er muß meist in der Stadt j
ein Unterkommen finden , und da find die Einkünfte im Ver -
hältuiß zu den Laudstelleu so genug , daß eine jüdische
Familie dabei nicht bestehen kau » , selbst daun nicht , wenn
der ReligionsuMerricht extra houorirt wird . Ferner ist noch
ei » Andere « zu erwähne » , was nur ganz alleiu dem . jüdischen
Autisemiti « mus " znzoschreiben ist ; daß jüdische Familieu selbst
bei gleicher und besserer Qualifieatiou lieber bei christliche «
als . bei jüdische » Lehrer « ihren Kindern PrivMuMerricht er -
theile » z » lassen , versteht der jüdische Lehrer beispielsweise
iu Sprache » und Musik zu unterrichte » , so wird mau doch
sei » Kind lieber zum Ehrifteu schicke » « ud nur — weil ' «
» « ruehmer klingt . Mir steheu für « eine Behauptung eine
solche Meuge Thatsacheu zu geböte — wie ich überhaupt
hier » ur aus Erfahrung spreche , — daß eventuell uur Aus -
Nahnren coustatieN » erde » könnte » . Man berücksichtige
ferner , die thenere Lebensweise einer jüdische » Familie , selbst
naier den bescheidensten Verhältnisse » , Ausbildung und Ver¬
sorgung der Kinder , und für jeden billig Denkende » wird
sich die vestätiguug unserer Behauptuug von selbst er¬
geben . Und bei alledem sehen wir bei uns die auch sonst
rächselhaste Erscheinung der Lehrerüberproduktiou . ( F . f . )
Gerichte « ab Correspondenreu .
Demtschland
Magdeburg , 31 . März . Au « Alzey ging uns von
unserem geschätzten Mitarbeiter , und — wenn wir nicht
irren — langjährigen Delegieren de « deutsch - irraelitische »
Gemeindebunde « , Herrn Rabbiner Dr . Rothschild . der
nachfolgende Artikel zur Rechtfertigung der . 15 Sätze " zu ,
den wir io redactioneller Unparteilichkeit hier an erster Stelle
veröffentlichen . Freilich jo weit konnte unsere Unparteilichkeit
nicht gehen , denselben , wie e « gewünscht wurce , . ohne jede
Gegenbemerkung " zu geben ; du « Recht der freien Meinungs¬
äußerung und Kritik müflen wir wie unfern Herren Mit¬
arbeitern doch auch der Redaction wahren . — Der
Artikel lautet :
Alzey , 21 . März . Die 15 Sitlengesetze de « D . I .
G . B . mögen Einwendungen unterliegen , aber dieselben sollen
wohl * ) auch nicht al « ein fertige « und vollständige « Moral -
System gelten , sondern zur Widerlegung von Anklagen
dienen , welche Jlrlhum und Bosheit fälschlich gegen Juden
und Judenthum ersinnen . Damit man nun auch nicht selten «
der Gegner behaupten könne : Einzelne , durch christliche
Eioilisatioa gehobene Juden mögen besser denken und handeln ,
da « Judenthum aber lehrt , und die Masse der Juden denkt
und handelt ander « , erschien e « nothwendlg . die Anerkennung
der Rabbiner , al « Lehrer und Träger der jüdischen Religio » ,
einzuholen , von diesem Besicht - Punkte habe ich die Sache
beurtheilt und unterstützt , etwaige Einwendungen aber unter¬
drückt . * * ) Wie oorstchllg man übrigens mit solchen Ein¬
wendungen sein muß . beweisen zum Theil die vorliegende » .
Man sagt : E « könne Fälle geben , wo man der Obrigkeit
nicht gehorchen dürfe , wenn diese nämlich antireligiöse oder
gar unsittliche Forderungen stelle . Solche UaterfteUunge »
sind gesucht und können durch Mißdeutung gefährlich wirken . * * * )
Außerderdem ist e « bekannt f ) daß Gott und der Moral
stet « der Vorrang gebüre . Bei Aufstellung eine « vollständige ! »
Moralsyftem » hätte freilich eine solche Beschränkung Aus¬
nahme finden müffeu . Im Allgemeinen aber , und hiervor
ist in den vorliegenden Satzungen die Rede , ist e « sitt¬
lich und religiös nicht gestattet , al « Meister und Kritiker
sich über die Gebote der Obrigkeit zu stelle » und al «
loyaler wie nationaler Bürger ihnen den Gehorsam zn
verweigern . Die « ist biblische und talmudische Forderung ,
und die « festzustelleo , darauf kam e « in vorliegende « Falle
* ) £ ic | ct beweist , daß bei Herr Sctftffcc so lacau wie
wir siche : weih , was der D . I . ® . B . bezweck » . Der D . I , 9 . P .
qiebt rt al » et » fertige » u » d vollständige » Moralsyftem .
» Birg ! besaader « auch die Vorrede zu Dem Herxheimerschen Religion « »
buch « ' .
* * ) Also Herr De . R . hatte auch Einwendung « » ; kommt e » nicht i »
der Sach « aus rin » herau « , ob eirer trotz der Einwendungen unter¬
schreibt , » der » egen der Einwendungen nicht uuterschretbt ? Kana der
D . I . • . v . « ft solche » llnterschrtften grob Staat mache » ?
* * * ) Wir bitten de » Bersaffer noch « t » » » al » » sere Sätze zu lesen »
er wird dann wohl bezeugen , dag wir jede Gefahr der Mißdeutung
« - glichst au « g « schloffe » habe « .
t ) Gewiß ist es bekc > u » t , aber ist denn da « Andere , wa « in de »
« rund,ätze » steht , ni « : auch bekannt ? und ift ein Aaisatz , der sich » die
EthU tat Judenthum « " nennt , nicht ein vollständige « und fertige «
Morallyfte « ? Nirgend « wo ift zu lese » , daß der Auf ' atz nur gegen
bi « Antisemiten gerichtet ist . Kerne Gefahr von Migdeutung kan »
uns entich ilbtgen , wen » wir der Mahrhe i » ausweiche » . So » klug "
solle » mir i » religiöse » und fittllchca Dingen » ichr sei » .