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ftina gekommen . Das Hebräische fing immer mehr und mehr
an auszustcrben ; schon im Buche Daniel ist sie recht unbe¬
holfen und nicht lebendig , so daß der Verfasser gerne
der aramäischen Sprache das Feld räumt ; Jose b . Joe -
ser , welcher zur Zeit Johann Hirkans lebte , gab eine
das Ccremonialgesetz betreffende Ueberliefcrung in aramä¬
ischer Sprache , die uns Edeoth 8 , 4 . aufbewahrt ist . Ein
dem Johann Hirkan ertöntes bat Kol wird uns Sota
Jer . 9 , 13 . ebenfalls in aramäischer Sprache mitgetheilt ,
daher kam die Paraphrase des Onk . welcher er die Targu -
mum von Esra und Nehemias zu Grunde legte , ganz gele¬
gen . Nach Zerstörung des Tempels als die Abkömmlinge
Hillels unter römischer Aegide das Patriarchat bekleideten ,
und die Juden in ziemlicher Freiheit und Selbstständigkeit
lebten , neigte man sich mehr dem Griechischen zu , so daß
Rabbi der Busenfreund des Antoninus es rügte , daß man
in Palästina sirisch rede , und nicht lieber hebräisch oder grie¬
chisch . Sota 49 , 2 . Ja schon R . Simon hatte gegen das
Targum geeifert . „ Ein Bauer , sagte er , hat ihnen das Ara¬
mäische aus dem Griechischen erlogen . Wie uns scheint , war
auch R . Jehuda dem Targum des O . nicht gewogen , indem
er Kiduschim 49 , 1 . sagt , „ Wer einen Vers wortgetreu pa -
raphrasirt , ist ein Lügner , wer seine Gedanken hinzufügt , ein
Lästerer . Raschi bemüht sich das . das Targum des Onkelos
damit zu rechtfertigen , daß es , vom Sinai gegeben , eine Aus¬
nahme bilde , was aber nirgends gesagt wird , wovon in
Meg . 3 , 1 . nichts erwähnt wird . ( S . S . Edels Nedarim
38 , 2 . Hag . Maim vom Geb . 13 ) . Um die Worte des R .
Jehuda durch ein Beispiel zu veranschaulichen führt R . Chananel ,
den Vers : ' ' Px . i nx um an , den man chaldäisch mit X “ ip ' mim
' nSxn geben müsse was eine Anklage auf Onkel , involvirt , der diese
Stelle soparaphrasirt : 1 * 7X2 xijn2 ' wpnxi pmmipa pn nrn
. ptm p2X Vgl . More 1 , 5 . wo ebenfalls das „ Essen und
Trinken " der * 7 X 22 " ' 32 ' S ' 3fX wörtlich genommen wird . Al¬
lein die Mühe ist vergeblich , denn auch R . Ich . war dem
Targum des O . nicht gewogen . — ( Fortsetzung folgt . )
Correspondenzen .
Prag ( Einst und Jetzt . )
* In Nro . 12 des viel gelesenen „ Abendland " ver¬
spricht der geistreiche Verfasser des Brieses eines „ Drin -
nigen " daß er öfters Streiflichter über „ Einst und Jetzt "
hiesiger Eultus - Gemeinde Zustände werfen wolle .
Wahrlich , da hat er sich eine im reichen Blüthen -
schmucke prangende Flur für seine Spaziergänge gewählt ,
und wenn er es erlaubt , werden wir ihm zuweilen dahin
folgen .
„ Einst und Jetzt " wie viel Stoff zum Nachdenken liegt
in diesen beiden kleinen einsilbigen Wörtern !
„ Einst " in der glaubensseeligen , glaubenstreuen Zeit ,
in der man Alles glaubte , was eben „ Glauben " hieß , sagte
man von einem Gerüchte , das sich eben verbreitete , ohne daß
man sicher wusste , woher es entstand , es sei ein Bathkol ,
also vom Himmel abstammend , und es hatte daher eine volle
Berechtigung , und man glaubte daran ; jetzt nennt man es
nicht mehr Bathkol , sondern man nennt es „ öffentliche Mei¬
nung " und diese hat auch ihre Berechtigung .
Wir , die wir im Zeitalter des Realismus stehen , sa¬
gen lieber „ die Vögel in der Luft schwatzen es aus " und
dieß sagt unserem Gedankenkreis besser zu , weil wir uns lie¬
ber an das Sichtbare halten .
^ Also die „ Vögel in der Luft " erzählen uns , daß sich
die Herren Vorstände der hiesigen 9 Hauptsynagogen zeit¬
weilig versammeln , um Berathungen zu pflegen ; jedoch wis¬
sen die Vögel nichts Näheres darüber anzugeben , weil diese
Berathnngen nicht öffentlich stattfinden . Nun ist es zwar
stets erfreulich , wenn sich ein Kreis achtbarer Männer —
und dieß sind sie ansnahmlos alle — zusammenfindet ; sie
mögen sich auch da in Eomites und Subcomites gruppiren ,
und sich nach ihren Sympathien gemüthlich über fromme
Wünsche für Gemeindewohl und Gemeindcintercssen aus -
sprcchen .
Wenn sie aber , gehüllt in die Toga , und angethan mit
der Amtsmiene , in diese Versammlung und zu besagtem
Zwecke eintreten , so möchten wir uns denn doch erlauben ,
bescheidentlich anzufragcn , ob das Mandat der H ^ ' ^ n Vor¬
stände , die doch zunächst nur als Verwalter der betreffenden
Synagogen gewählt sind , auf Einleitung von Transactionen
auszudehneu sei , die jedenfalls über den bezeichneten Wir¬
kungskreis hinausgehen . Wäre es da nicht angemessen , daß
sich die Herren Vorstände mit ihren betreffenden Gemeinden
zum Voraus darüber verständigten , was denn eigentlich an¬
gestrebt werden will und soll ?
Man sage uns nicht , daß diese berathenden Herren ,
wenn sie ihre Vereinbarungen spruchreif halten werden , selbe
zur Kenntnis ihrer Gemeinden bringen werden , denn darauf
müssten wir antworten , daß es dann „ zu spät " sei .
Bekanntlich hat sich nämlich nach parlamentarischem
Brauch die Minorität einfach zu fügen ; gesetzt nun , es
würde ein oder die andere Gemeinde manche der Beschlüsse ,
die in jener Berathung gefasst wurden , für ihre Zustände
und Verhältnisse nicht ersprießlich finden und würde ihren
Vorstand dahin instruiren , daß er in der Versammlung ab¬
lehnend votire , was würde cs nun nützen , da er majorisirt
ist , denn schon sein Eintritt allein in die Versammlung un¬
terordnet ihn der Majorität , und die Gemeinden sind da¬
durch in die Lage versetzt , Beschlüsse über sich fassen zu lassen ,
von denen sie entweder nichts wissen , oder die sie nicht für
heilsam halten .
Wir erwarten daher , daß die Gegenstände der Bcra -
thung in geeigneter Weise zur Kenntniß der Bctheiligten ge -
bracht werden mögen . — Y .
Prag . Wie man uns meldet , dürfte in nächster Zeit der
literarische Nachlaß des der Prager Israeliten Gemeinde als
Amtsvorsteher , dem Judenthume als Gelehrter unvergeßlichen
leider zu früh dahingeschiedenen M . I . Landau aus der
Officin der Buchdruckcrei von Senders und Brandeis
hervorgehen . Diese Herren haben weder Mühe noch Kosten
gescheut die nachgelassenen bis heute noch nicht veröffentlich¬
ten Schriften von den Erben des Dichters anzukaufen , um
sie der Oeffentlichkeit zu übergeben , wodurch nicht nur dem
vielgehegten Wunsche seiner Verehrer entsprochen , sondern
auch dem Judenthume und der Wissenschaft überhaupt genützt
wird . Von den gediegenen noch bei Lebzeiten des Dichters
vergriffenen Werken Landau ' s wie : sein „ Aruch " , „ Geist
und Sprache der Hebräer " etc . etc . läßt sich leicht auf den
geistigen Werth jener Produkte schließen , die nach seinem Tode
die Presse verlassen . So weit wir erfahren , soll das Werk ,
das einen Band umfassen wird , vermischte Schriften verschie¬
denen Genres enthalten ; unter Anderem sollen seine orienta¬
lischen Poesien , so wie seine Gedichte überhaupt , den hohen
Flug der Phantasie des Dichters , so wie die geistreichen Auf¬
sätze dessen gediegenen Charakter zeichnen , der wo es sich um
Judenthum handelte , stets in die Schranken trat . Seltenes
Interesse bieten ein Fragment aus seinem Tagebuche das er
in seinem 18 . Jahre begonnen , so wie die Aufsätze : „ Eine
gekrönte Preisschrift " und „ Plutarch und der Talmud " . Je¬
denfalls begrüßen wir mit Freude das literarische Unterneh¬
men vorgenannter Verleger .
Prag . Am 16 . d . M . fand eine Sitzung der Cultus -
gemeinderepräsentanz unter Vorsitz des Präses Herrn vr .
Tedesco statt , für welche 10 Prozrammspunkte auf die Ta -