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Viortcljahrcsaboiuicmcnl dutch die l’ost KM 0,80. Manuskripte an Inseiale an die Buclulruckcrei Albert l.oewenthal (Inh. Richard Ehrlich),
die Redaktion, Bcrlin-Wdm, Lmser Str. 42 IV , Berlin NW 40, Wilsnacker 5tiahe 1, Tel.: 35 dH 74
Nr. 5
Mai 1938
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12. Jahrgang
Für uns und unsere Kinder!
An Millionen von Sedertischen, in Tausenden von Synagogen wurde während der vergangenen Pessach- 1a ge das Wort gekündet: „Und Du sollst Deinen Kindern davon erzähle n." Dieser Satz müßte eigentlich am Kopf dieser „Blätter“ als Motto verzeichnet sein. Lesen wir all das, was so stark an Kindheit und Heimat erinnert, dann festigt sich immer mehr die Ueberzeugung in uns, daß dieser heimatliche Zusammenschluß nicht für uns, sondern auch für unsere Kinder jene Brücke schlägt, die aus aller Welt in die Heimat einmündet. Für uns!
In der letzten Nummer der „Blätter“ gewahrten wir Namen, die stärker denn je geeignet waren, Krümelungen an sorglose Kindheit wachzurufen. Ja, für uns ist dieses Dämmern der Frinnerung der Ruhepunkt in all der Unrast unserer Tage. Namen leuchten auf, und mit den Namen stehen greifbar vor uns Menschen, deren Programm Wirken im jüdischen Leben war. Jacob Freimann, Fduard Baneth, Fduard Levy und wie sie alle hießen, derer in diesen „BlätKrn“ so pietätvoll gedacht wird.
Da schreibt Georg Wunderlich über die einst so blühende Krotoschiner Gemeinde. Fr gibt ein historisches Bild. Frinnerung — laßt mich weiter ergänzenderzählen. Ostrowo und Krotoschin, zwei nahe beieinander liegende Städte mit Gemeinden, in denen Frömmigkeit, nein, noch viel mehr: tiefste Religiosität herrschte, mit Gemeinden, deren Führer Gelehrte von bedeutendem Ausmaß gewesen sind. In dieser Atmosphäre wächst der liebenswerte, unvergeßliche Freund J a c ob Frei tu a n n auf. Bei seinem Onkel, dem großen Rabbi Freimann, wird er zu dem erzogen, was er später war, der würdige Nachfolger von Michael Sachs. Wann aber wurde er es? Jahrzehnte mußten vergehen, ehe er aus dem kleinen Städtchen Holleschau nach Posen als Nachfolger Feile he nfelds berufen wurde. Wahrlich, es verlohnte sich, beinahe 60 Jahre alt zu werden, um eine solche Nachfolgeschaft anzutreten. Bittere Tragik dieses Lebens: kaum seßhaft geworden, kamen jene schweren Wirren* in denen Freimann der ruhende Pol war. Er ging nicht eher aus Posen heraus, bis er sein Feld bestellt hatte. Dann nach Berlin. Wie liebten wir diesen gütigen edlen Menschen. Sie nannten ihn in der alten Synagoge den „seidenen Raw“. Weiß Gott, es war die charakteristischste Bezeichnung für ihn. In uns lebt sein Andenken fort.
Fduard Baneth. Wir fühlen uns nicht berufen, über das gewaltige Ausmaß seines Wissens zu schreiben, die wir ihn oft genug auf dem Katheder erlebten, als er in der Lehranstalt in einer fast untragbaren Stoffanhäufung den staunenden Hörern sein
I Sinngebung der jüdischen Heimatvereine / Von Oberkantor Magnus Davidsohn
Wissen vermittelte. Er war kein Rhetor im früher üblichen Sinne. Ihm war die Gabe, vieler seiner Landsleute, die Theologen wurden und sich zu blendenden Kanzelrednern entwickelten, nicht eigen. Seine Welt waren Schule und Vortragssaal. Wo er zum Mitträger jüdischer Wissenschaft wurde, hat man ihn wahrhaft erkannt.
Krotoschin-Ostrowo, Baneth-Elias Plessuer, zwei Talmudisten von überragender Größe. Wenn Elias Plessner auf der Kanzel oder in der Schule seinen Vater Salomon Plessner, den Posener Dichter, so oft zitierte, wirkte das manchmal auf uns junge Menschen etwas grotesk. Es schien uns zuviel des Ruhmes, den der Sohn über den Vater ausschüttete. Viel später haben mir die Schriften Salomon Plessners erst richtig gezeigt, eine wie gottbegnadete Poetennatur dieser große Gelehrte war. Weltliche Führer in diesen beiden Ge mciudeu, altehrwürdige Gestalten. Menschen, deren Alter von wahrhaft jüdischer Religiosität durchleuchtet war. Und welch begnadete Vorbeter wirkten in diesen beiden Synagogen! Einer noch lebt heute zu unserer aller Freude in Dresden; Raphael Hofs tein, rüstig wie ehedem, trotzdem er die 80 überschritten. Er brachte der Krotoschiner Synagoge musikalische Kultur int Sinne der gesetzestreuen Gemeinde. Daß man später von dieser Form abwich, war nicht heilsam.
Baneth ging und mit ihm ein nicht geringer Stamm der Alten. Ein blühendes jüdisches Leben aber blieb es. Berger und Sacher kamen, schufen und bauten, bis die Gemeinde allmählich schwand.
Eduard Levy. Eine ganze Beut h e n e r Generation ersieht vor unserem geistigen Auge, gedenken wir dieses kleinen großen Mannes. Theologe sollte er werden, Jurist ist er geworden und war doch beides mit heißem Herzen. Im Gericht seiner Heimatstadt hat er sein ganzes Leben verbracht und ist dort erst hinausgegangen, als die Angst eines schwer auftretenden Herzleidens ihn in das Heilbad trieb, in dem ihn der erlösende Tod hinwegraffte. Dieser Jurist wurde der Führer der Beutheuer jüdischen Gemeinde zu einer Zeit ungeahnter Ausdehnung. In der heimatlichen Gemeindestube berichtete er mir voller Befriedigung von den jüdischen Institutionen, die während meiner langen Abwesenheit entstanden waren. Wer
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Direktor Heinrich Stahl, der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Berlin, konnte in geistiger und körperlicher Frische seinen 70. Geburtstag feiern. Der Verband Jüdischer Heimatvereine hat in Heinrich Stahl einen guten Freund und interessierten Förderer seiner Bestrebungen und spricht ihm an dieser Stelle nachträglich die aufrichtigsten Glückwünsche aus.
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