Nr. 44
flUBMtl, )l. Oklotet 1907.
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Einsender per Adresse» keinerlei weitere Unkosten.
velevung der Mischen
iiteraturueretne.
Bon Syndikus Dr. Wittenberg-Hamburg.
Als vor fünfzehn bis zwanzig Jahren in einer
jüdischen Gemeinde nach der andern Vereine für
jüdische Geschichte und Literatur begründet wurden,
kennzeichnete diese heilsame Bewegung zugleich eine
Aera der Neubelebung jüdischen Geistes und jüdischer
Erziehung in der Großstadt, wo das am notwen¬
digsten erscheinen mußte, ebenso wie an kleinen
Plätzen. Ueberaus segensreich haben diese Körper¬
schaften gewirkt; ein reicher Quell der Belehrung
floß aus ihren Veranstaltungen, und das jüdische
Wissen, für das ohnehin das Interesse seit jener
Zeit reger geworden ist, fand durch einen Kanal,
der zü jederman drang, den Weg zu den Herzen
und Köpfen unserer Glaubensgenossen. Die Ver¬
eine begnügten sich nicht damit, gleich mancher
anderen jüdischen Vereinigung, Jahresversammlungen
abzuhalten, um die Mitglieder einander zu nähern
und in Verbindung mit dem Vorstand zu bringen,
sondern veranstalteten regelmäßige Vorträge, an
die sich oft noch eine Aussprache knüpfte, richteten
vielfach Lesezimmer, in denen jüdische Buch- und
Zeitschrift-Literatur gesammelt war, ein und be¬
gründeten vor allem Leihbibliotheken, die jedem
Mitglied leicht zugänglich find. Die große Mit¬
gliederzahl, die diese Vereine gefunden haben, mehr
aber noch der fast durchwegs außerordentlich leb¬
hafte Zuspruch, den ihre Veranstaltungen wohl
überall erfahren haben, liefern den fichersten Beweis
für die hervorragende Nützlichkeit der Vereine.
Wohl sind unsere Glaubensgenossen daran gewöhnt,
sich nicht der Pflicht zu entziehen, allgemeine jüdische
Zwecke durch Mitgliedschaft bei den verschiedensten
lokalen und interlokalen, gemeinnützigen Vereinen,
auch wenn deren Zahl Legion wird, zu fördern.
Außer der nicht hoch genug zu veranschlagenden Be¬
friedigung, Gutes und oft Großes gewirkt zu haben,
wird aber selten den Mitgliedern selbst derart un¬
mittelbar und vollkommen, wie bei den Vereinen
für jüdische Geschichte und Literatur, ein Aequivalent
für ihren Mitgliedsbeitrag gewährt.
Das ist eine nicht nur zutreffende, sondern auch
sehr erfreuliche Erklärung für die schon rein äußer¬
lich erkennbaren Erfolge dieser Vereine. Männer
und Frauen strömen in die Vorträge, wenn auch
die Lesezimmer und Bibliotheken noch nicht des
wünschenswerten Zuspruchs fich rühmen dürfen.
Immerhin macht fich — was der aufmerksame
Beobachter, der sich viel unterwegs befindet und
dem daher viel zu sehen, Gelegenheit gegeben ist,
fich nicht verhehlen darf — doch schon in vielen
Vereinen eine gewisse Ermüdung bemerkbar, die
aber nicht einem Abflauen des Interesses an
jüdischen Angelegenheiten zuzuschretben ist, sondern
fich daher schreibt, daß die Behandlung der näm¬
lichen Gegenstände in den Vorträgen fich wiederholt;
und in Einklang hiermit wird es den Vorständen
immer schwerer, ein Thema ausfindig zu machen,
das alle Mann wieder zusammenruft und das
lebhafte Interesse möglichst sämtlicher Mitglieder
zu vertiefen geeignet wäre. Diese Sorge scheint,
obenhin betrachtet, nicht gar zu schwer zu sein,
denn in einem äußerst umfangreichen, von dem
Verbände der jüdischen Literaturvereine in jedem
Jahre neu zusammengestellten Verzeichnis von
Persönlichkeiten, die fich zur Uebernahme von Vor¬
trägen in diesen Vereinen bereit erklärt haben,
finden fich nicht nur solche Namen in großer Anzahl,
sondern in reicher Auswahl auch Themata, die
den verschieden Gebieten des jüdischen Lebens ent¬
nommen find und den Begriff „jüdische Geschichte
und Literatur" in äußerst liberaler Weise illustrieren.
Nichtsdestoweniger haben wir schon manchen Vereins¬
vorstand, t« vielen Sitzungen das Verzeichnis seuf¬
zend durchblättern sehen, ohne daß er ein geeig¬
netes Thema, das gerade den jeweiligen Mitgliedern
Neues und Interessantes zu sagen verheißen hätte,,
ausfindig machen konnte. Wenn nach langer
Prüfung doch endlich ein hübscher Gegenstand auf
der Bildfläche erschien, stellte es sich oft heraus,
daß gerade diese Angelegenheit schon früher einmal
in dem Verein zur Darstellung gebracht worden
sei. So ist denn schon vielfach die Zahl der Vor¬
träge eines Winters beschränkt worden, weil unge¬
achtet der reichen Auswahl doch die passenden The¬
mata nicht ermittelt werden konnten.
Sicherlich würde in dieser Hinsicht eine im
Interesse der Sache und der Vereine warm zu be¬
grüßende Besserung eintreten, wenn in der Redner¬
liste des Verbandes außer der schlichten Angabe des
Vortragthemas auch jedesmal, soweit es her
Redner selbst für angemessen hält, eine kurze, viel¬
leicht nur wenige Zeilen Raum beanspruchende
Skizzierung des Inhalts angeführt würde. Ein
sehr erhebliches Bedenken scheint gegen die Ver¬
wirklichung des Vorschlages zu sprechen, daß dann
nämlich die Ueberfichtlichkeit der Liste leiden könnte.
Auch ihr Umfang würde so kräftig anschwellen, daß
nicht nur die Kosten der Herstellung fich erhöhen,
sondern auch die Handlichkeit Einbuße erfahren müßte.
Diese Einwände sind gewiß zutreffend. Es fragt sich
aber, ob diese Nachteile nicht leichter wiegen als
die Gefahr, daß den Literaturvereinen der volle
Erfolg, den sie erzielen könnten, durch mangelhafte
Kenntnis der Bedeutung und des Inhalts des ein¬
zelnen Vortrages beeinträchtigt wird, und es muß
dem Verbandsvorstand überlassen bleiben, zu er¬
wägen, ob die erwähnten Unannehmlichkeiten in
den Kauf genommen werden dürften oder nicht.
Daß die Verlegenheit vieler Vereine, geeignete
Vorträge zu erhalten, wesentlich dadurch gemindert ^
werden würde, daß sie nicht darauf angewiesen
bleiben, das Wesen eines Vortrages aufgrund einer
kahlen Anzeige zu erraten, sondern daß sie im
Poraus erfahren, was sie zu erwarten haben, ^
unterliegt keinem Zweifel.
Aber auch hinsichtlich des Genres der Vorträge,
die in der Rednerliste angekündigt werden, ließe fich