1. August 1918. _
der Delegation vorgetragenen Beschwerde über die Grausam¬
keiten gegen einzelne türkische Juden und jüdische Gemeinden
versprach der Großwesir sogleich tatkräftig Folge
zu geben. Im übrigen wurden die Delegierten als Gäste
der Regierur^ soivohl von dieser, als auch seitens der Juden-
heit der türkischen Hauptstadt durch besondere Aufmerksam¬
keiten geehrt. _
Eiserne Rreuze.
Nach Mitteilungen, die uns in der letzten Woche a u S
unserem Leserkreise zugingen, sind folgende Aus¬
zeichnungen und Beförderungen jüdischen Kriegern zutekl
geworden. Unsere Meldungen in dieser Rubrik können
natürlich der Anforderung nicht entsprechen, alle
bereits erfolgten Auszeichnungen jüdischer
Krieger vollständig zu enthalten.
Das Eiserne Kreuz erster Klasse.
Bayreuth. Leutnant der Reserve imb Kompagniesührer
Max 28 einberger. — Groß-Berlin. Leutnant der
Reserve Paul Chapp, Sohn des verstorbenen Herrn I.
Chapp. — Frankfurt a. M. Stabsarzt Dr. Bischofs¬
werder. — Hoh nsalza. Unteroffizier M a rtiu Wie¬
ner, Sohn des Herrn Baruch Wiener. — Jtllingen. Leut¬
nant Oskar Herz, Inhaber des Eisernen Kreuzes zweiter
Klasse und des bayerischen Berdienstkreuzes mit Schwertern
(inzwischen gefalle»), Sohn des Lehrers Herrn Joseph Herz.
— Nonnenweker. Vizefeldwebel M a r k u s M o ch , In¬
haber des Eisernen Kreuzes zweiter Klasse und der Badischen
Verdienstmedaille, Sohn der Witwe Frau Baruch Mach I. —
Pleschen (Posen). Leutnant der Landwehr Ludwig K n a tz,
Sohn des verstorbenen Herrn Sießkind Kaatz in Schmer serrz.
Das Eiserne Kreuz zweiter Klasse.
Altdorf (Pfalz). Infanterist 2N a x N a t h n n. — Grotz-
Rerlin. Leo R o s e n t h a l. — Dölzig (Posen). G e o r g
L e w i n , Sohn des Herrn Wilhelni Lewin. — Dornum.
Kanonier Her m aun W o l f f s, Sohn des Herrn Aron
Wolffs. — Elmshorn. Unteroffizier Richard Hasen-
b er g, Sohn des Herrn Julius Hasenberg. — Erbendorf.
Leo Koppe, Sohn des Herrn Adolf köppe. — Eschroege.
Vizefcldroebel I. Steinhardt, Mitinhaber der Firma
Gissenheimer & Co., außerdem das L ü becksche H a n -
seaten kreuz. — Frankfurt a. M. Sanitütsgefreiter
Max Simon, Sohn des Herrn Otto Simon, Landsturm-
mann Rudolf Schiff, Sohn des Herrn Maier Schiff. —
Gelnhausen, bei Hanau. Gefreiter E d >v a r d G o t t h i l f.
— Gelsdors (Bezirk Cobleuz). Telephonist Friedlich
C r e m e r , Sohn des Herrn Hermann Cremer. — Gtogau.
Dr. med. Arthur Lohn, Sohn der Frau Therese Cohn
in Stendal. — Grätz. Musketier Alfred B e r n st e i n ,
Sohn des Herrn Abrahnni Bernstein. — Grombach in Baden.
Grenadiersergeant E in i l Straus, außerdem die badische
silberne Verdienstmedaille. — Guttstadt, Ostpr. Einjähriger
Grenadier Gerhard Saß, Sohn des Herrn Moses Saß.
— Hadrrmar. Gefreiter Gevichtsreferendar Arthur A r o n,
unter Beförderung zum Unteroffizier, Sohn der Witwe Frau
Aron. — Hagenau i. Elf. Armand Levy, Dentist Karl
Levy, Söhne der Witwe Frau Math. Levy. —• Halle a. S.
Schütze K u r t N e u m a n n , Sohn des Kantors und Lehrers
Herrn Isidor Neumann. — Habelschn»crdt. Ludwig
Schwenk, Sochn des Herrn Friedrich Schtoenk. — Ham¬
burg. Kanonier Leopold Salomon, außerdem das
Hainburgische Hanseatenkreuz, Sohn des Herrn Adolph Salo-
mon; Gefreiter Alfred Lewald, Sohn des Larrdsturm-
manns Ferd. Lewald; Alfred Landau, Sohn des ver¬
storbenen Herrn Leopold Landau; Sanitütsuuterosfizier
Heinr. Necheles, Sohn der Frau Rosa Necheles; Ge¬
freiter Martin M. Gold m a n n , Sohn des Herrn Otto
Pk ldmnnn. — Herfm^d. Gefreiter Will y Spanier, Sohn
des Herrn Jul. Will). Spanier. — Iserlohn. Mo r i tz M o s-
bach, Sohn des Herrn Hch. Mosbach. — Karlsruhe. Unter¬
offizier Notar Dr. Julius Appel. — Kruslsshns, Kreis
Wetzlar. Musketier Hugo Meier, Sohn des Herrn Siegm.
Meter. — Lengerich i. W. Telephonist Max A b r a h a m -
so n, Sohn des Herrn A. Abrahamson. — Lünen. Unterarzt
Julius Grüneberg, Sohn des Herrn Max Grüneberg.
Marisseld i. Thür. Musketier Bern h. K ahn, Sohn des
Herrn Jakob Kahn. — Minden i. SB. Berthold Rose n-
f old, Sohn der Witwe Frau Fanny Rosensel-d. — > Mysl»°
witz. Unterzahlmeister Georg Nothmann, Sohn des
Herrn Siegmund Nothmann. — Rakel. Der in
_ Israelitisches Famklienblatt. _
Nummer 29 aufgesührte Unteroffizier Bruno
Gabriel i ft z u streichen. — Nlederyochstabt (Pfalz).
Gefreiter Edgar Joseph, Sohn des Herrn Jacob Joseph.
— Norden, O. Fr. Unteroffizier Adolf Weinberg. —
Nordhaufen. Ersatzrefervist Max Krause, Sohn des Herrn
Eduard Klause. — Posen. Vizefeldwebel und Offizrersaspi-
rnnt Georg Cohn, Sohn des Herrn Ignatz Cohn; Kultus-
benmter Kantor Paul Hecht, Sohn des Herrn Wilhelm
Hc t; Unteroffizier Ernst Blei stein, Sohn des verstor¬
benen Herrn Ludwig Bleistein; Wehrmarin L o h m a n n. —
Scharmdeck (bei Bremen). Lehrer Leopold Löwen¬
stein, Sohn des Herrn N. Löwenstein, Gudensberg. —
Schlochau. Erdfunker Adolf Kirsch, Sohn des Herrn
Zander Kirsch. — Schlüchtern (Bezirk Cassel). Kraftfahrer
Jakob Nußbau m, Sohn des Herrn Hermann I. Nu߬
baum. — Stiers, Westpr. Gefreiter Artur Baum,
Sohn der Witwe Frau Lina Baum. — Tilsit. Kriegsfrei¬
williger Oskar S t r u n i n, Sohn des Kultnsbearnten
Holrii Leo Strunin. — Thorn. Unteroffizier Martin
Wiener, Sohn des Herrn Surron Wiener. — Wiesloch, bei
Heidelberg. Sigmund Boden heim er, Inhaber der
Badischen Verdienstmedaille, Sohn des verstorbenen Herrn
Abraham Bodenheimer. — Wöllstein (Hessen). Wehrmann
Hugo Kaufniaun, Inhaber der Hessischen Tapserkeits-
mednille.
*
Zum preutzrschen Offizier befördert.
Bojanmvo. Vizeseldwobel Dr. Phil. Hugo Theodor,
Sohn des Rabbiners Herrn Dr. Theodor.
* * *
Sonstige Auszeichnungen.
Es erhielten: Bamberg. Armierungssoldat Benno
K o h n das 2yn yerische Militärverdien st kreuz
dritter Klasse mit Schwertern. — Mannheim.
Gefreiter Isidor Karlsruher aus Jttlingen die
Badische V e r d i e n st m e d a i l l e. — PÄnnborn. Feld-
magazininspektvrstellvertreter Emil Weiler, Inhaber des
Eisernen Kreuzes, Sohn des Predigers Herrn Weiler, die
Hessische K r ie g s v e r d i e n st m e d a i l l e. — Geilen¬
kirchen. Sergeant Paul Gottschalk, Inhaber des Eiser¬
nen Kreuzes zweiter Klasse, Sohn des Herrn Robert Gott¬
schalk, das Hessische M i l i t ä r s a n i t tä t s k r e u z. —
Potsdam. Gefreiter Sally Philippsborn, Inhaber
des Eisernen Käeuzes zweiter Klasse (inzwischen gefallen),
S^- be3 Herrn Leopold Philippsborn, das Braun-
sa ^ eigische Verdien st kreuz. — Haspe Landsturrrr-
muftn Julius Levi, Sohn des Lehrers Herrn D. Levy
in Rheda. — Aachen. Gefreiter Sigmund Schmitz,
Schn des Herrn Daniel Schnnitz, das V e r d i e n st k r e u z
für K r i e g s h i l f e. — H*üdclb«rg. Vizefeldwebel W e In¬
der g , das Preußische Kr i e g s v e r d i e n ft k r e u z.
— Hamburg. Musketier Louis Vogel, Inhaber des
Eisernen Kreuzes zweiter Klasse, Sohn des Herrn Jsaac
Vogel, das H a m b u r g i s ch e H a n s e a t e n k r e u z. —
Posen. Stabsarzt Dr. Harry Gans, Inhaber des Eiser¬
nen Kreuzes erster Klasse, Sohn des Herrn Albert Gans,
die Türkische Silberne L i a k a t - M e d a i l l e mit
Schwertern.
-X- *
*
Das Verdienstkr e rr z für Kriegs Hilfe empfin¬
gen: Brestau. Berthold Glaser. Crone a. Br. Spedi¬
teur Joseph Josephsohn. — Duisburg-Ruhrart. Frau
Adolf Benjamin, Frau Philipp Vasen. — Duis¬
burg. Frau Lilienfeld, Fabrikant K o l s k i, Kaufmann
Hermann Strauß. — Essen a. Ruhr. Postdirektor
Philippsohn. — Frankenstein i. Schics. Lehrer und
Prediger Alexander, von Sr. Königlichen Hoheit dem
Prinzen Friedrich Wilhelm von Preußen persönlich über¬
reicht. — Hamburg. Willy Iaeobso n. — Karlsruhe
i. B. E r i ka mtb Hella Daniel, Töchter des Herrn
Max Daniel. — Köln. a. Nh. Gemeinderabbiner Dr. Lud¬
wig N o s e n t h a l. — Licgmß. Fabrikbesitzer Alfred
Seidenberg, Inhaber der Firma Kaliski & Seidenberg.
— Münster i. W. Seminardireltor Dr. Katz. — Posen.
Kcursmarrn Abraha m Fischer. — Posen. Großkauf-
mann S y l v e st e r D a v i d s o h n. — Zempclburg. Kauf-
mann and Stadtverordneter Adolf Kroner. — Ferner:
Bergzabern. Emil Mannheimer das bayerische
König L n d w i g - K r e u z. — Munster i. SB. Prediger
Keßler, die Rote Kreuz-Medaille dritter
Klasse. — Minden i. W. Hilfsschwester Grete S t c a u s;
und K ä t e S t ei n f e l d , die Rote Kreuz-Medaille
_ Seite 3. Nr. 31.
dritter Klasse. — Graubenz. Frau Kommerzienrat
Belgard die Rote Kreuz-Medaille dritter
Klasse.
Rundschau
Aus der Reichshauptstadt.
Beileidstelegramm aus Petersburg. Anläßlich des Heim¬
gangs von Professor Hermann Cohen ist bei dem Vor-
stand der hiesigen Jüdischen Gemeinde das folgende Tele¬
gramm des Präsidiums der Jüdischer! Ge¬
meinde in Petrograd eingegangen: „Das Präsidium
der Jüdischen Gemeinde in Petrograd ist tief erschüttert durch
die Nachricht vom Tode des Professors Hermann Cohen.
Der Rat der Petrograder Gemeinde übermittelt Ihnen den
Ausdruck der allgemeinen Trauer der Judenheit anläßlich des
Todes dieses Großen in Israel, des unernrüdlichen Verkün¬
ders des jüdischen Geistes. Das Präsidium: Tr. Sa l k i n d."
Jüdische Grotzstadtkinder in der Schweiz. Ten Bemü¬
hungen des hiesigen Rabbiners Dr. Al e i e r Hildes¬
heimer ist es gelungen, 120 Kindern aus verschiedenen deut¬
schen Großstädten einen Sommeraufenthalt in der Schweiz
zu ermöglichen. Von den Kindern sind etwa 90 aus Berlin.
Die Mittel zur Unterbringung der Kinder sind ztnn größten
Teil von einer bekannten Persönlichkeit der Ädaß Jssroel-
Gemeinde zur Verfügung gestellt tvorden. Vor einigen
Tagen ist die jugendliche Gesellschaft unter Obhut von fünf
Lehrerinnen nach der Schweiz abgereist, wo die Kinder in
zwei getrennten Kolonien, in 28 engen und Pfannen-
stiel, untergebracht worden sind.
Ueber versäumte Tage des Lehrlings und L e h r d a u e r hat
das hiesige Geroerbegericht folgendermaßen entschieden: Tie
Vereinbarung, daß die Lehrzeit sich um versäumte Tage ver¬
längert, ist rechtsgültig. Nur dürfen als versäumte Tage nicht
etwaige Feiertage, die dem Lehrling durch seine
Religion v o r g e s ch r i e b e n sind, angerechnct werben,
da der Lehrherr auf die religiösen Verpflichtungen des Lehr¬
lings^ Rücksicht nehmen und ihm also für die durch seine
Religion gebotenen Feiertage Urlaub geben muß."
Aus dem Reiche.
Dienstbesreiung und Urlaub an den Herbstfeiertagen.
Das Kriegsministerium hat durch Verfügung vonr 20. Juli
Nr. 2094. 6. 18. C 1 a den in Betracht kommenden Stellen
folgende Wünsche betreffend die jüdischen Herbst-
f e i e r t a g e mit dem Anheimstellen mitgeteilt ihnen zu ent¬
sprechen, soweit es angängig ist und sich mit den diensUichen
Interessen vereinbaren läßt. Für die an der Front
befindlichen Mannschaften: a) Dienstbefreiung am Versöh-
nnngstage, beginnend eine Stunde vor Sonnenuntergang des
Vorabends und schließend mit Eintritt der Nacht; soweit
möglich und mit der Kriegslage vereinbar, D i e n st -
befreiung an den übrigen Feiertagen. b) Gelegenheit
zur Begehung des N e u ) a h r s e st e s und Versah-
rr u n g s f e st e s , solveit möglich auch der anderen Feiertage
durch g e nr e i n s a m e rr G o t t e s d i e n st. Soweit Zen-
tral-Gottesdieiiste größerer Verbünde veranstaltet werben,
B e r ü ck s i ch t i g rr n g des religiösen R e i s e v er¬
bot e s , derart, daß die Marrnschaften vor Beginn des
Feiertages am Orte des Gottesdienstes eintrefsen und ihn
nach Schluß desselben zu verlassen brauchen. Wegen Rege¬
lung der Einzelheiten werden sich die F e l d r a b b i n n c r
an die Armee-Oberkommandos, denen sie zugeteilt sind, wen¬
den. Bei der Erteilung von H e i rn a t n r l a u b an die im
Felde befindlichen jüdischen Mannschaften irr ö g l i ch st e
Berücksichtigung der F e i e r t a g s z e i t. — Für die
in den heimatliche rr G a r rr i s o n e rr und an f e st e rr
Standorten in der Etappe beiindlicherr indischen
Mannschaften: a) soweit mit den dienstlichen Interessen ver¬
einbar H e i m n t u r.l a u b oder Urlaub zu r n ä ch st -
gelegenen jüdischen Gemeinde; b) soweit sich
der Urlaub nicht ermöglichen läßt, T i e n st -
befreiung mr den Festtagen. Von einenr mit Reisen
verbundenen' Urlaub können strenggläubige jüdische Mann¬
schaften rrnr dann Gebrauch machen, wemr ihnen die Mög¬
lichkeit gewährt ivird, die Reise selbst vor Beginn und rrach
Ende des Feiertages ^urückznlegerr. — Vonr Ctaats-
sekret ä r des R e i cn s ni a r i rr e a nr t s ist eine enrspre-
ehende LKrsiigüng an die irr Betracht kommenden Diensi-
stellen iinterrn 27. Juni A. I b 7883 ergangen.
Jugendstil sorg: geset;. Irr dem dem preußischen 2lbgeord-
rrcteirharise ziigegangeiren Entwurf eines Jugendfürsorge-
Ruth erwachte, das TrarrriMwrrr verwehte, aber ihre
erregten Sinne ließen vor ihrer» halbgeöffrreten Slugerr irn
irächUichen Raum derr vielarmigeir Chanilkkahleuchter gelblich
brennen — die hoher,, starken Kerzen rnrd oben das einsame,
arme Lichtlcirr. Das hob sich jetzt ab vom Leuchter, es legte
ich an ihren Mund, sie fühlte das Flämmlein des Dochtes
anft an ihren Lippen spielen. Sodann >var nur noch die
Schwärze der Nacht mrd eines traurnlosen Schlafes da, und
dan wieder, nach einer Weile, die .Helle der Sonne nrrd des
Morgens, der wohl noch ein Erinnern air die Frerndheiten der
Tranmnacht hatte, aber an das Ferrster eine ganze blühende',
vertrante Svrnmerrvett preßte, die helfend und erhellend allen
Wtrrringeir nachging.
Kleines Feuilleton
Aus Trotzkis Emigrantcnleben.
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BBDB
Mil der Vorstellung der Vovbereitungsarbeilen zu revo¬
lutionären Staalsnnnvülznngeir pslect gervöhnlich das Vor¬
handensein ungehelllcr, aus dnnklerr Qn'elleri fließender (8eld-
surrrrrren verbunden zrr sein. 28enn man Fama Glauben
schenken wollte, schrvämmen solche Revolutionäre nur so im
Gelde. Daß das nicht notgodrrrrigeri der Fall zu sein braucht,
beweist das Emigranteuleberi Tro tz kis, jenes russisch-jüdi¬
schen Revolutionsiiraniws, über desseir Haupt jetzt alle 28elt
oen-Stab bricht, und von dem doch zum wiudesteir das 2Gr-
dienst unsterblich bleibt, derrr Frieden in Europa eine (siasie
aebahnt zu haben. Irr der dänischen Zeitung ,Lterlinske
Tidende" erzählt der amerikanische Korrespondent des Blattes
vorr der Zeit, in der Trotzki in New 2)ork lebte. Das war
E rsangs 1917. Er belvohnte rnit feiner Familie zwei Zirnmer
; einer Vorstadt und hatte seine Haupttätigkeit initteii im
hetto Netv Morks, in der Redaktion des russisckien Svzialisterr-
blattes „Nowo Mir". Er war Mitarbeiter dieses Blattes, der
oeduldete Abitnrbeiter eines armseligen Silättckzens, i m nr e r
rn Geldnot, imrner mit Arbeit überhäuft, aber immer
gleich sprühend vor, Revolution, Weltfriaden und Kommu¬
nismus, wobei er gleichzeitig, um ein paar Dollar extra zu
verdienen, auch für die „Volkszeitung", eine kleine deutsche
Zekkung, schwieb, deren Redakteur Ludwig Lore war, seirr be¬
sonderer Freurrd. Die Geschäftsbückrer des „Nowo Mir"
tzeigerr, daß Trotzki oder Braunstein, wie er damals noch hieß,
in den drei Monaten seiner Mitarbeit im dem Blatte einen
festen Gehalt von 20 Dollar pro Woche bekam. Nich^ sehr
viel, mein, man für eine Frau und zwei hochgeschossene Söhne
sorgen soll. Da hieß es, alle 2lnssichterr für Nebenverdienste
ansnutzen und das war: Ost-Neiv ?)orks jüdische Blätter mit
Artikeln bombardieren, in 2K'rsammlungerr austretei' urrd
2lufruhr gegen das Kapital wedigen, wofür die sozialdeuw-
kratischerr Kreise roührend eines kommunalen 2öahlkampses
280 Dollar, eine schrrmndelerregende Summe, bezahlten, oder
im Diealle des Films in irgend eiirer der vieleri Fabriteir in
der Peripherie der Millionenstadt als Schauspieler. Trotzkis
dlnfeirthalt in Netv 9)0rf rvar nur kurz. 21 m 14. Januar 1917
rvar er mit einem spanischen Dampfer angekommer, und vom
SErstande des jüdischen Cinigrantenbnreans empfarrgerr
worden. Drei Morrate später kam die Revolrition. Schon am
27. ll.tkärz kehrte er mit seiner Famitie nird einer Anzahl
russischer ÄKkairnter- an 2wrd eines norwegischen Dampfers
rrach Europa zurück. 21 r m , >v i e er g e k o in m e rr. f n h r
er wieder nach Hanse. Eine 2lrt Ssiohltätigkeitsvor-
stettni'g, die mit küristlerisclwu Kräften aus der» sicew 2)oNer
Ghetto veranstaltet wurde, brachte ihm am letzter, 2lbend
noch ein pcnrr Dollar ein. Als er am folgenden Tage ans
das Schiss ging, ahnte niemand, daß durch diesen Mamr das
Scl)icksal Rußlands entschieden werden sollte.
6am su letauwo.
Auch mit dem Geiz kann man sich vcrsöhiren, wenn er
letzten Endes eirre 28ohltat zeitigt, wie im Falle des kürzlich
in einem 28 i e rr e r nrankenhause verstorbenen Joseph
S p i tz e n b c r g e r, der der K'ultnsgemcinde daselbst zrvei
Millionen Krorren als Grundstock für ein jüdisches kinder-
hospitak hinterließ. Der Erblasser hat sein 2K'rriiögen ans
kleinsten 2lnfänaen durch eine ganz nngeiuöhnliche Sparsam¬
keit und Enthaltsamkeit erworben. Er begann als Kassierer in
einer Fcrl'rik und wohnte in einer kleirren sirisieren Dach¬
kammer, in die auch abends niemals Licht oder 28ärme kam,
da er es sich zur Gewohnheit gemacht hatte, bei 2lubruch der
Dämmerung zu Bett zu gehen. Seine Mahlzeiten, bestanden
in trockenem 2irot und ungesüßterrr Tee. Eier und Obst
waren ein Lnrus, den er sich selten erlaubte. Er ranchte nie¬
mals und trank weder 28ein noch Bier, er fuhr nie mit der
Straßenbahn, machte niemals Reisen und besuchte nie das
Theater. Seine Sparsamkeit ging so weit, daß er rriemals
eine Zeitung kaufte, sondern sich darauf beschränkte, die in den
Schausenstern ausgehäugten Depeschen zu lesen. Er erstand
niemals neue Kleider, kaufte alte, die er sich selbst ausbesierte.
2Incl> tvusch er sich alle seine Sachen selber. 2lus diese Weise
brachte er es fertig, jeden Monat den größten Teil seines
Gehalles zurückzulegen, irnd dieses Kapital vergrößerte er
durch glückliche ^pcfulntiouen. Auch als er bereits ein wohl¬
habender Mann rvar, setzte er dieses entbehrungsreiche Leben,
dc'sien Früchte nun kranke jüdische Kinder genießen rverden,
restlos fort.
Das Judentum im Lichte objektiver christlicl-er
Geschichtsforschung.
In einem 2lritsatz des berühmten Rechtslehrers Josef
Köhler über das arrtike 2^öllerrecht sinder, rvir eine 28 ü r -
digung des Judentums, die uns wert scheint, der
breitererr südisctierr Oefferrtlichkeit überrniltelt zu rverden.
Professor Köhler nirtersncht das Kriegsrecht der einzetnen vor¬
christlichen ^Völker, NMneiitlich der 2rabylorrier und 2lssyrer,
nennt es grausam und ans die 2'ernictrtung nicht nur des
feindlichen'Staates, sondern auch seiner gesamten 2ü'vö!ke-
rring gerichtet und führt dann ans: „Irr jenen Zeitery lebte
ein 2iolk, das im Staatenbetrieb eine bescheidene Rolle spielte
und rrnr zeilrveise unter Salorrio in einen ansgedehnten
völkerrechtlicher! Verkehr eintrat, ein 2ückk, das die nrächligen
Eroberer, die es umgaben, selbst sehr zu fühlen hatte und die
Stätte seiner 2nrter verlassen mußte, um in der assyrischen
und babylonischen Gefangenschaft ein fremdes Heim zrr sinder,.
Niemand hätte ahnen tonnen, daß, rvührend alle jene gewnl-
tiaen Reiche der» Untergang verfielen, dieses 2Elk in uner¬
hörter Zähigkeit fortleb'en 'und eine 28ettstellung erringen
sollte. 2tber'es war die große Idee, die V er e h r u n g des
einen Gottes, welche dieses 2Zük auch irr der Ferne zu-
sammeuhielt, und in der Verbannung gelang es ihm, eine
Menge Kulturelemente der fremden 2'ölker sich zu erwerben,
ohne' die großen Gedanken der eigenen Yieligion zu verlassen.
.... Ein deutliches Zeichen, daß die Kraft
der Idee die Jahrhunderte überdauert, und
daß der G e i st de r K' u l t u r unwandelbar in der
22k e n s ch h e r t obsieg t."
Jüdische Szenen auf der Bühne.
Gegen die Mißbräuckre in der Darstellung jüdisclwr Typen
mrd Sperren auf der Bühne hat einst Mar Nord au eine
geharnischte Philippika gehalten. Es war anläßlich eurer
Äufsührung der Wilde—Straußschen „Salome". Er beq