9i»mni«r
, • ■ I _> A
‘ i' t f i ,
Hamburg, S. Januar 1927 ^
. 4-
29, ZahrgaKM r
iv
d
' t g wwn**
;XX-1
M
MK -
B e z u g s p/r e ise:
^ -- monütiicft' erH. Besseygeid.«„s1ayds«n-onvezi ..
a.llsgqhe/ Mk. Ä.7Y inur für BelgNn.Dännemarr, Estland, Fiunlarkd, I-rcknl»
reich, Danzig, Italien, Lettland, t:itanen,Lnxenr8nrg,.Nr«metgebiet, Nied«r.
lande,Ror-weAen,Oesterreich,Schweden,Schweiz,Lschecho-Sloipakeiu.Ungary);
btt Ausgabe für <8ryL-BeE - Mk> N.X-. ÄlretkVänd'BeruttM Deutsch- .
la/rv, Oesterreich, Saaraebtel'.Lureuünr^L, Danzig^u.Memelgebiet: der Reichs^'
ausgabe: Arkt 1 ,<(0; bet Ausg. Wr Groß-Berlin-? Mk. i,8t» PN Nil. ;färdas
übrjgeAusl,-^eichsausg>iÄ«k. U fti AüEg,fi8rotz'.BerlinrMkL.lyps.Mt.
M^HkWirVkU:
Hambur» 3«, A H «.-TNatz» 8r ,
Fernspf.^ «Ibe 79j0/ 7911. Vulkan «SVi. Postscheckkonto ^
Hamburg Vr. 8294-unter rsitlschrj. lfTniiiITIjiiTif 11 1J“
YeetWer »Uw r W 1p;. 'WHMmitMd
' - • Ä,!
H nD r^e n p ^ei7ei 'M -
•fw4*i M bLw4rv,ch«eill«LetlL in vrr^etchsEsq^»
■‘ä>ztf&t£ 'ettt PfgX tu derWWrierte«
Drskqge: 75% - Bsi _@t«H'ertg<fit*<;n üntj' Famiu enayzeigen «HM««
^.•hwoli l a ,5 2«*klameanrekaeq.'in %« ReichsrmSgalK; Mkr-rt^r *
iS ®rtf6-»eriiR; Mk. 2.^ für di« «.qespatt.,.«S mch.brelte >
AnAeigengebühren -werden auf -st- st s.ch s ckk s « t s
^ägen gl^ di« -E.?dA.^^/»A»r«sitischleK Familienblatt- erbeten. — Bet
Anzeig'enschlutz
- . vor Erscheinen.
i> ::; j
^ 4 «gjpint h>0d»entti<& nm Dy»«erstatt»^ :
Die, vöriiegsnör^ 4 in Dtenstäg» den,.*.. Lsanuak;; abgeschloflenr
^ AUmnier - enthSit 19 Hetzern und Di« achtsLMge DsUage -.
«jüdische Bibliothek, der Anterhaktung'und^ des Wissens'/
Sinzrlnuinmev dieser Zeitung kosten.LA Pfg., bei freier Zusendung
irn.L'Uand M Pfg^ irn Ausland 4S Mg. X ~ . ~
v. .* ^ • .-• - 4..J»- 1 • » ... . - '
Anwärter für, jüdische Schulen, ist.' nicht größer geworden.
der Wdaxf xrhght sich, iedoch -tz^. IllfeMe
IüdischeBeamtennok.
Uch von 7. vornherein einem Mißverständnis, vorzu¬
beugen, sei bemerkt, .daß dieses Mal nicht von der Not
der Beamten im -allgemeinen und der jüdischen im beson¬
deren gesprochen werden soll, obwohl dieses Thema an
Aktualität Noch nichts eingebüßt hat, sondern es handelt
sich um hie Not an jüdischen. Beamten; die. keine Augc.l-
blickserscheiunng durstellt, auch' nicht einen bestimmten
Kreis ängeht. Die Zukunft der deutschen Judenheit hängt
in h^xysrragendem Matze vom VorhandeWirr eines
leistungsfähigen und auskönnnlich besoldeten Beamten-
standes ab. -
Schächter, Lehrer und Rabbiner stellen das Hauptkon-
tingent an Beamten dar. Außerdem treten bei dem in
unseren Reihen seit, einigen Jahren immer mehr an Um¬
fang zunehmenden Aufgabenkreis sozialer Älrt airch jüdi¬
sche Sozialb.eamten in die Erscheinung. Ob ein Mangel
an Schochtim vorhanden ist, entzieht sich meiner Kenntnis.
Doch es läßt, sich mit Sicherheit Voraussagen, daß in nicht
allznferner Zeit Angebot und Rachfrage einander nicht
mehr die Wagschale halten werden. Bi'sper versah in den
meisten Gemeinden ein Angehöriger des Lehrerberufes
diesen ehrwürdigen Dienst zusammen mit seinen sonstigen
Obliegenheiten. Aber die Neuregelung der Lehrerbildung
wird hierin eine Aenderuntz herbeiführeu. Denn die Aus¬
bildung der Lehrer erfolgt nicht mehr auf den jüdischen
Lehrerseminaren, wo sowohl, das profane als auch das
jüdische Wissen und die praktische Ausbildung vermittelt
wurden, sondern auf Lehrerakademien und in manchen
deutschen Ländern auf der Universität. Voraussetzung ist
der Erwerb des Reifezeugnisses, Bedingung :tjähriges
Studium. Wie nun einmal die Dinge bei uns liegen,
wii'd die Mebrzaßl der dem Lehrerberuf zuneigenden
jungen Leute es vorziehen, sich ein abschließende akade¬
mische Bildung zu erwerben, um sich einen umfassenden
Wirkungskreis und ein besseres Fortkommen zu ermög¬
lichen. Daß dabei der Wunsch zutage tritt, auch dke Funk¬
tionen eines Schauchet zu erfüllen, ist kaum anzunehmen.
Und die. Folge davon wird ein fühlbarer Mangel an ge¬
eigneten Schochtim sein.
Was nun den Lehrerftand angeht, so ist gerade im
Anschluß an das eben gesagte heute noch zwischen der
Volksschüllehrerfchaft und den für das höhere Lehramt
geprüften Lehrern zu scheiden. Vor einigen Wochen such¬
ten fünf höhere jüdische Schulen Oberlehrer. An einer
haben sich drei (!) Kandidaten beworben. Diese Tatsache
genügt. In fast allen Großstädten —- glücklicherweise äuch
in Breslau gibt es blühende jüdische Schulen. Ohne
zum Problem der jüdischen Schule in diesem Zusammen¬
hang Stellung zu nehnien, darf doch soviel gesagt wer¬
den, daß aus äußeren und inneren Gründen mit einer Zu-,
nähme jüdischer Schulen auf das bestimmteste zu rechnen
ist. Aber wo sind die hietfür geeigneten Lehrkräfte?
In vergangenen Zeiten warnke man Juden vor dem
höheren Lehrberuf, die Aussichten beim Staat und l>ei
den Kommunen waren gleich Rull. Seit Jahren nun be¬
sieht in Deutschland eine größere Anzahl höherer jüdischer
Schulen' aber während bei der nichtjüdischen Lehrerschaft
das Angebot die. Nachfrage um ein Beträchtliches über¬
steigt, .Mt ^ es für.die jill^sche.n Schnleu.^ast keine Kan¬
didaten. Muß doch z. B. die Schule in X. Zweidriitel des
Lehrkörpers mit christlichen Lehrern besetzen! Dieser Zu¬
stand besteht nun schon seit Jahren, aber die Zahl jüdijcher
Führern'auf die Belange chrr.veutschen-Jüdenheit, mag es i
*• «Tgi* , ay rf-* r . , , .< -... .f«.w : - - J-v
für LehrberüfIhchrft gyrtng .EtwasJandMV gebührLtW/ Rucksich^zü neMen^U''*^
norfinH o» firf» mi* .ko‘w loniinhtviffifA X.
verhaft es sich mit -den ZetNinarist'isch vorgebftdeten Leh-..
rern... Die Auflösung sv mancher Schule aus dem Lande, -'
die eigenarttgo-Stellung des/ Lehrers in vielen Klein--
gemeinden habött es zu' Wege gebracht, daß sich auch', die .
Lehrer an.der Ländflucht beteiligen.. Sie-/wsllen ich dte
Großstadt, wo sie unabhängiger zu sein glauben - und mehr
Äusdehnüngsmöglrchkeit vorfinden. Ddch - dieser. Wunsch
wird nur wenigen erfüllt.. Mit banger Sorge aber sieht
man der Zukunft entgegen; wo Autzbrldung und Neigung
den Lehrer mehr, auf die Großgemeind.e Hinweisen, werden
und die Kleingemeindeft, ' bei.- größeren An-
sttthnsungen als'bisher, führerlos^ bkeiben;xnüsien.
Und nun zu -unseren geistlichen'Führern. In einer
jüdischen Zeitung wären jüngst die augenblicklich vakanten
Rabbmate ^n?Dev't-sch(tzO»^.ich glaube; ihre Zahl.belief
sich auf sieben, aufgezählt und daran die Fr.äge geknüpft,
woher man denn die RaWner nehmen wolle..Zwar sinh
unsere Rabbinerseminäre ich allgemeinen gut besucht, aber
es werden Noch Aahre ins Land ziehen, bis die'noch zu
Führenden zu Führern geworden sind. Dazu kommt, daß
die Großgemeinden Rabbiner ersten Formates verlangen,
wodurch die Zahl der AnMiter noch mehr eingeengt wird.
Dieser Mangel an geistlichen Führern trifft sowohl die
orthodoxen als auch die liberalen Gemeinden. In der
oben erwähnten Zeitung wurde darauf hingewiesen, daß
in Zukunft auch die libewlen Kreise gezwungen würden,
ihre Rabbiner atls dem Auslände, und zwar von der aus¬
ländischen Orthodoxie zu beziehen. Wenn orthodoxe Ge¬
meinden ihre Führer jenseits der Grenzpfähle suchten, so
entsprang dies dem Verlangen nach talmudischer Gelehr¬
samkeit und nicht so sehr dem Mangel an inländischen
Kandidaten. Doch die tülmudische Gelehrsamkeit allein
genügt noch nicht für die' Bekleidung des rabbinifchen
Amtes bei uns zu Lande. Auch von dem orthodoxen
Rabbiner wird Verständnis für die Strömungen der Zeit
verlangt, wird die Fähigkeit vorausgesetzt,, über den
Rahmen der religiösen Lehrtätigkeit hinaus Führet und
Helfer zu fein... Es ist eine unbestrittene Tatsache, daß
außerhalb Deutschlands das Studium der religiösen Ur¬
kunden in hoher Blüte steht und hervorragende Männer
für die Ideale des überlieferten Judentums wirken. Aber
man hat auch Beweise dafür, daß dieselben Persönlichkeiten
in einem anderen Milieu versagen. Gerade weil im
Augenblick die Zahl der Führerpersönllchkeiten eine ge¬
ringe ist und die Blicke nach dem Auslände schweifen, darf
auf diese Dinge in diesem Zusammenhang eingegangen
werden. Sowohl die Berliner Grchgemelnde als auch die
Frankfurter Religionsgesellschaft haben sich in letzter Zeit
im Auslande nach geeigneten Führern umgesehen, und es
ist nun mal so. daß Berlin und Frankfurt die führenden
Grotzgemeinden sind, auf die Deutschlands Judenheit hin¬
blickt. Den Doktortitel an der Universität erlangt M
haben, ist noch kein Ausweis für allgemeine Bildung. Auch
der orthodoxe Rabbiner muß mit europäischer Problematik
vertraut sein. Dazu kommt, daß die rein juristisiche Hand¬
habung in der-religionsgesetzlichen Entscheidung, ohne die
Fähigkeit. Gefühlsmomente betonen zu können, hierzulande
aMoßend wirft. Es ist eben nicht gleichgültig, unter
welchen Anschauungen von Land und Leuten man groß
gewordenZst. Letzten Endes ist jeder Mensch das Produkt
seiner Umgebung, und wir müssen von einuxn deutschen
Rabbiner verlangen,, daß er sich einfühlen kann in unsere
Psyche, daß er mitlebt mit uns und der historischen Ent¬
wicklung dabei Rechnung trägt. Obwohl Ms Religions¬
gesetz keinen Unterschied zwischen deutschen und ausländi¬
schen Jiiden kennt. Muß im Interesse der Gei«nlheit-doch
heroorgehoben werden-, dag bei der Besetzung von Rabbi-
uaten trotz des unverkennbaren Mangels an geistlichen
Znfammenfassenv ist zv/ faWrr - tz^Wfteht in Deutsch-^ M
land eine Not an lub.ischLN?Btzymtem .Da^ ist zur Genüge ' -
dargelegt.Es bleibe hahlngestettt> ob sie die Wirkung.der-
Beamtemrot ist oder änderen Beweggründen" entspringt/'- -
Sicher ist, daß dieser Maugel^in einigen .Berufen-bereits
fühlbar ist, wenn ; nicht, ^aber bald 'in die - Erscheinung. - -
treten mutz, weil das .sich steigernde Jntereffe an jüdlschen -
. Dingen nach ausführenden/Organ^n verlangt: Bon einem/
-Mangel an Sozialbeamten Tonnte in- diesem. Zusammen- ^ .'
Hange deshalb nicht gesprochen werden, weil dieser Zweig ;
jüdischer Betätigung- noch z«' jung N- und -bisher keine
Organisation der Beamten in größerem Umfange besteht. /
Es kommt hinzu, /daß Hier-Zchon-ein 'größerer Kxers vop
Interessenten vorhanden ist und ganz andere' Boraus- '
setzungen als bei den behandelten Berufen/ gemacht /
werden. Preugen wurde durch 'femc Vean.Lciifchäft zu. %4-
einem fest gefügten Organismus. Was für den Staat gilt; '.
hak auch für die Gemeinde Bedeutung. Ausgabe und
Pflicht unserer großen Verbände wird' es fesch vorbeugend
daraufhin zu arbeiten, daß weite Kreise ku'r Judenheit
sich in den Dienst eines zielbewußten jüdischen Beamten-
tüknes stellen. ' \N. "ft. *' ' .
Ausländer als Rabbiner und Synagogenbeamte. -. ^
Im Ministerialblatt für bie Preußische innere
Verwaltung Nr. 5b vom 15. Dezember 1936 ist zu lesen:
„Annahme a ü s l 8 n d i s ch e r I u d e n ä l s R a b -
b i n e r oder S y n a g o g e n be a m 1 e. In dem
Runderlaß vom :10. 9, 1884 war vor Erteilung her
Genehmigung zur Annahme ausländischer Juden als Rab¬
biner oder Syn-agoaenbeamte Einholung d e r Zu¬
stimmung des Ministeriums des Innern erforderlich.
Dieser Zustimmung bedarf es künftighin nicht
mehr. Die Regierungspräsidenten und den Polizei¬
präsidenten in Berlin ersuchen wir, fortan auf die Lei
ihnen eingehenden Genehmigungsanträge namens des
Ministeriums für Wifsenfchaft, Kunst und Volksbildung
und des Ministeriums des Innern in der Form Bescheid
zu erteilen, daß Einwendungen gegen die Anstellung
nicht erhoben werdem *
Sollten im Einzelfa l l Bedenken bnler
fremdenpolizeilichen Gesichtspunkten bestehen, so ist f>-
des Ministeriums des Innern unter Beifügung einer Ab¬
schrift zu berichten." "
Die jüdischen Kreditgenossenschaften
i» Pole«.
Die Leitung der. Jewisli Calonization Assoziation
(Jca) teilt uns mit: Gegenwärtig existieren in Polen
273 Darlehnskaffen mit rund 68 066 M i t g l i e d e r n.
Jeder zweiunddreißigste Jude in Polen ist Mitglied einer
Kreditgenossenschaft.
Die Entwicklung des jüdischen Kreditwesens in Polen
wird durch die folgende Statistik illustriert: Am 31. März
1924 zählte man 144 Darlehnskaffen mit 67 125 Mitglie¬
dern; am 1. Juli 1926 zählte man schon 273 Kaffen mit
88168 Mitgliedern. In zwei Jahren und drei Monaten
hat sich demnach die Zahl der Kreditgenoffenschaften ver¬
doppelt und die Zahl der Mitglieder um 21 643 vermehrt.
Seit dem 1. September 1926 wurden 76 neue Kaffen
mit‘14 524 Mitgliedern gegründet. . Da jedes Mitglied
halb Millionen Seelen.^ Das bedeutet, daß der
vierte oder mindestens der fünfte Teil der jüdischen Be¬
völkerung in Polen durch Unterstützung der Darlehns¬
kaffen die M ö g l i ch k e i t erhält, den Lebensunter¬
halt zu verdienen. Die Entwicklung dieser Kaffen
war durch die Kredite der von der,^>ca" und der ameri¬
kanischen-Gesellschaft „Joint" begründeten „Foundation“
ermöglicht worden. Diese" Kredits erlnögftchen eine Ver¬
größerung der Zahl der Darlehnskaffen int. Verlaufs des
Monats September um 36 Prozent