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Nr. 2 /14. Januar 1932
was warne im lewen Mr alles ansgegraben ?
Natürlich interessieren uns von den Ausgrabungen auch
des letzten Jahres besonders die des Vorderen Orients.
Sie allein und ihre Ergebnisse können ja die ungeheure
So wird begonnen ...
(Iraq - Wüste)
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Bedeutung, die die Ausgrabungen überhaupt für uns
haben, auch dem Laien ohne Schwierigkeiten deutlich
machen. Denn hier ist ja das direkte, unmittelbare Ergeb¬
nis jedes Fundes eine Belichtung der Verhältnisse, unter
denen biblisches Geschehen sich abgespielt hat und eine
Ergänzung der Berichte vor- und nachbiblischer Perioden,
die uns nur mit den Varianten, die die Geschlechter ihnen
zugefügt haben, erhalten sind.
Mit dieser Feststellung allein sind auch die Grenzen
unseres Ausgrabungsfeldes — im weiteren Sinn —
gezogen. In Syrien und vor allem in der alten babyloni¬
schen Siedlung werden Dinge aufgedeckt, die für die Kultur¬
geschichte der ersten von der Bibel ,,jüdisch" genannten
Generationen von- Bedeutung sind, in Palästina selbst
beleuchten die Ausgrabungsfunde die Geschichte Israels
Man stößt auf Münzen
(Schekel aus fudäa)
auf seinem Boden, die Historie feiner Städte, seiner
Kämpfe und seiner Könige.
So entdeckt man und entdeckte insbesondere tm letzten
Jahr in judüischer Landschaft, im unteren Galiläa und in
der Nähe von Jerusalem — Heeresstationen des König
Salomo, Wasserleitungen, die Bergstädte sich dort angelegt
hatten und Ueberreste von Herbergen an Karawanen¬
straßen, die das alte jüdische mit dem Ptolemäerreich ver¬
banden. In der Jerichoebene dagegen zeigten die Funde
Siedlungsreste der kanaanitischen Periode, derjenigen
also, die vor Josuas Besitznahme des Landes liegt. Und
dem gegenüber entdeckte man sowohl bei Jerusalem, in
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Ein Schacht wird ausgehoben
(Jericho)
den an dieser Stelle schon besprochenen Felsengräbern als
auch im oberen Galiläa, der ja am stärksten romanisierten
Provinz, Rudimente typiscki römischer Judensiedlungen.
Man ist also, ganz allgemein gesprochen, - im letzten
Jahr, durch Woolley in bezug auf die abramitische Periode,
durch die Amerikaner in bezug auf die ägyptische und
mosaidische, durch die hebräische Universität auf dem Ge¬
biet der makkabäischen und der römisch-jüdischen Geschichte,
dem Sorttgrn Lunde.
Eine Abordnung der Agudas Jisroel in Palästina be¬
suchte den Oberkommissar und unterbreitete ihm das Er¬
suchen, eine von der allgemein-jüdischen getrennte Ge¬
meinde bilden zu dürfen.
*
Der Nationalrat teilt mit, es sei den illegal einge¬
wanderten jüdischen Familien aus Kurdistan gestattet
worden, sich für die Dauer in Palästina niederzulassen.
Das Testament des 1927 verstorbenen jüdisch-amerika¬
nischen Philanthropen Salomon Shapiro spricht 10 000
Dollar der Hebräischen Universität zu und bestimmt, daß
die Zinsen aus einein Fonds von 25 000 Dollar regelmäßig
an die Hebräische Universität abgeführt werden.. Shapiro
hat 32 000 Dollar für 10 weitere jüdische Institutionen
hinterlassen.
*
Der frühere Khedive von Aegypten und Prätendent
auf den syrischen Königsthron Hilmi Pascha stattete dem
Büro der Jewish Agency in Jerusalem einen Besuch ab.
Er besuchte auch mehrere jüdische Kolonien und die Hebrä¬
ische Universität.
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Im Verlauf des Dezember 1931 kamen 199 Juden,
139 Christen und 15 Moslems nach Palästina. In dem
gleichen Monat verließen 30 Personen das Land.
*
In der Haifa-Bucht ist ein jüdisches Arbeiterviertel im
Entstehen. 130 Arbeiterhäuser, hauptsächlich für jüdische
Eisenbahnnrbeiter, sind im Bau. Klimatisch und hygienisch
sind die Verhältnisse ausgezeichnet.
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Im Hauptbüro des Jüdischen Nationalfonds zu Jeru¬
salem fand ein Empfang für Lord Reading statt, auf dem
er u. a. ausführte: Ich kenne genau die Schwierigkeiten,
unter denen Sie zu arbeiten haben, ich will diese Schwie¬
rigkeiten nicht verkleinern, wenn sie auch in einem ge¬
wissen Maße überbetont werden. Was heute in Palästina
erreicht ist, ist das Ergebnis großgedachter Aktionen, un¬
geheurer Energie und vielfacher Anstrengungen. Ent¬
wicklung und Fortschritt Palästinas sind in einem hohen
Maße das Ergebnis jüdischer Arbeit. Der zukiinftige Fort¬
schritt wird vielleicht nicht so rapide vor sich gehen, wie
der in den ersten Jahren erzielte, aber das eine ist sicher:
das Werk wird weiter fortschreiten.
*
: Wie die ITA. erfährt, gedenkt die Palästina-Regierung
an die Leitung des Jüdischen Nationalfonds in Jerusalem
mit dem Ersuchen heranzutreten, ihr eine Fläche von
5000 Dunam des Wadi Havarith-Bodens in Pacht zu
geben. Es handelt sich um jenen Teil des Wadi Havarith-
Bodens, den arabische Beduinen vor einigen Tagen wider¬
rechtlich besetzt haben, nachdein sie die jüdischen Kolonisten,
die mit dem Pflügen des Bodens beschäftigt waren, von
demselben vertrieben hatten.
*
Dr. Chaim Arlosoroff, Mitglied der Exekutive der
Jewish Agency, besuchte den Ex-Khediven von Aegypten,
Abbas Hilini Pasha, der für einige Tage nach Palästina
gckomnien ist. Es heißt, daß des Ex-Khediven Besuch in
Palästina in Zusammenhang steht mit seinem Anspruch auf
'n Thron Syriens.
Siidlftt,» *0 ttmitonvn-Otiftuno fii«
»as Metvopotttaa-Mufvum
Das Metropolitan-Museum in New Pork teilt mit, daß
Colonel Michael Friedsam, Leiter des berühmten
Altman-Warenhauses in New Aork, denr Museum eine Kunst-
sammlung im Werte von rund zehn Millionen Dollar
testamentarisch vermacht hat und daß das Museum diese wert¬
volle Sammlung seinen Beständen einverleibt. Die Sammlung
besteht aus 135 Gemälden und Skulp uren rneist Alter Meister
und 200 anderen wertvollen Kunstgegenständen. DieFriedsam-
Sammlung wird dem Wunsche des Verblichenen gemäß als eine
Sondersammlung bestehen und im November 1932 zur öffent¬
lichen Besichtigung freigegeben werden.
Colonel Michael Fnedsam führte ein zurückgezogenes
Leben und widmete sich fast ausschließlich der Leitung des
von seinem Onkel B. Altman begründeten großen Waren¬
hauses. Daneben hatte er ein starkes Interesse für das Kunst¬
leben und war Direktor einer Anzahl Kunstmuseeir und
Akademien. Er betätigte sich auch im jüdischen sozialen Leben,
war Vorsitzender des Komitees der „Million Dollar Days"
des Verbandes zur Unterstützung der jüdischen Wohlfahrts¬
gesellschaften in New Aork und förderte finanziell das Werk
der Jüdischen Erziehungsgesellschaften.
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I Wotyenavsüfnttt
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Ein großer Teil der Gotteslehre hat bekanntlich zu
seinem Inhalte Vorschriften und Satzungen, deren Befol¬
gung und Ausübung als religiöse Pflicht uns eingeschärft
wird. Wie sie uns allgemeine, religiöse Wahrheiten mit¬
teilt, die die Läuterung und Erhebung unserer sittlichen
Kraft, die Veredelung unseres Sinnes, die Erleuchtung
unseres Geistes bewirken sollen, so zeichnet sie auch be¬
stimmte Hebungen vor, die uns als Bekennern und Jün¬
gern des göttlichen Wortes zur unverbrüchlichen Beob¬
achtung obliegen. Es sind das die Vorschriften, die ein
Tun, eine Verrichtung aus Gehorsam für das Geheiß
Gottes fordern, im Gegensatz zu den Geboten, die aus dem
religiösen Gedanken von selbst sich ergeben und die wir
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ein großes Stück weiter in bisher unbekannte Bezirke vor¬
gedrungen. Fast alle jene Geschichtsepochen, die sich über¬
haupt mit Hilfe von Ausgrabungen erfassen lassen, sind
im letzten Jahre eines Teiles ihrer Rätselhaftigkeit be¬
raubt worden.
Ganz anders aber als mit den vorderasiatischen verhält
es sich mit den Zufallsentdeckungen, die in diesem Jahre
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Der Mosaikboden ist bloßgelegt
(Synagogenfund bei Belgrad)
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in Jugoslawien gemacht wurden. Naturgemäß sind
Ausgrabungen in europäischen Ländern im vorhinein
weniger systematisch angelegt als die in den alten Ländern
am Mittelmeer, weil ja hier nur in ganz seltenen Fällen
die Vermutung berechtigt ist, man könne überhaupt etwas
von Belang für uns finden. Die Entdeckung der jugo¬
slawischen Synagoge die wohl als die älteste freigelegte
der Welt überhaupt vetrachtet werden darf, ist deshalb ein
besonderes Glücks¬
geschenk des ver¬
flossenen Jahres
gewesen. Sie be¬
richtet von jüdischen
Siedlungen, die
bisher nicht einmal
in der vagen Vor¬
stellung bekannt
waren.
Beide aber, die
asiatischen wie die
europäischen Aus¬
grabungen haben
eindeutige, uns
selbst überraschende
Bestätigung bibli¬
scher Berichte und
der kulturellen Höhe
unserer alten Sied¬
lungen geliefert.
Wir haben so allen
Grund, mit den
Ergebnissen des
verflossenen Jahres „Zur Besichtigung freigegeben“
zufrieden zu fein. (Nordsyrischer Tempelbau)
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als freie, sittliche Menschen uns selber vorschreiben und
vorzeichnen müßten, weil die Gottesstimme in uns, das
Gewissen, weil ein klarer, offner Blick in unser Wesen
uns solches schon lehrt. Wiewohl es nun der unbefangenen
Betrachtung unzweifelhaft zu sein scheint, daß diese Ver¬
nunftgebote dem Werte und Range nach höher und be¬
deutender sind als die anderen, welche nur aus williger
Unterordnung geübt werden, so finden wir doch in der
heiligen Schrift selbst, unserer Richtschnur und unserer
Führerin, durchaus keine Unterscheidung dieser Art. Sie
stellt beide Arten von Geboten auf gleiche Linie und ge¬
bietet ebenso bestimmt und nachdrücklich diejenigen, welche
uns als Jisraeliten allein eigentümlich sind, wie die all¬
gemein anerkannten und gültigen Vernunftgebote. So
folgt auf die Erzählung von dem wunderbaren Walten
Gottes an Mizrajim, auf den Bericht, wie Pharao endlich
den aufeinanderfolgenden Schlägen und Offenbarungen
einer von ihm nicht anerkannten Gotteskraft sich beugte,
eine Reihe von Geboten und Satzungen. Denn das große
Gottesurteil, das über den verstockten Tyrannen ergangen
war, sollte im Gedächtnis der Nachkommen durch religiöse
Zeichen und Verrichtungen aufbewahrt bleiben. „Es soll
das Gedächtnis an jene wunderbare Befreiung von der
Knechtschaft Aegyptens dir ein Zeichen sein auf deiner
Hand und eine Erinnerung zwischen deinen Augen, auf
daß die Lehre des Ewigen sei in deinem Munde." Ein
Zeichen soll sie uns sein, daß wir als Jünger und Bekenner
Gottes, des Ewigen und Einen, uns erkennen, ein Zeichen,
das uns hinweist auf ihn und uns mahnt an unsere
Pflichten gegen ihn. Ein Gedächtnis soll sie uns sein, „ein
Gedächtnis an die Wundertaten, daß Gott in seiner Gnade
uns eingesetzt", ein Mittel, die Vergangenheit in ihrer
reichen Fülle von Erhebung und Mahnung uns zur Er¬
hellung und Erleuchtung der Gegenwart nahe zu bringen,
ein Gedächtnis, uns alle zu mahnen an den Bund des
Herrn, den zu bewahren wir berufen sind.
^ staffele**
aiciMtima
(a — a) + (b — nt) = X
a: König von Juda, b: religionsphilosophische Schrift,
X: Name der jüdischen Atifklärungsbewegung. St.
* ' .
Auflösung aus voriger Nummer: ~
1. Saadja. 2. Chamun. 3. Haran. 1. Arba. 5. Babel.
6. Berurja. 7. Obadja. 8. Samuel. 9. Secharja. 10. Cho-
mez. 11. Hanna. 12. Jsak. 13. Rama. 14. Omen. 15. Hinei.
' Schabbbos Schiroh:
(„Sabbath des Liedes." Seider Beschallach.)
1932 womentalendev w«*
Jan.
Sch'
wat
Sabbath-Ausgang
Hamburg . . .
. 17.25
Berlin . . .
. 17.11
Sonnabend
16.
8.
Köniasberg/Pr.
Leipzig ....
Breslau....
. 16.37
. 17.19
. 1701
K3
München . . .
. 17.30
Frankl urt/M. .
. 17.45
Köln.
. 17.41
5
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