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sind . Es gelang den Forschern , auf ihrer viermonatigen Reise die Ruinen von
elf Synagogen genau zu untersuchen , ihre Grundrisse aufzunehmen und eine -
grosse Zahl von hochinteressanten Resten der diesen Monumenten eigentümlichen
Ornamentik im Bilde festzuhalten , von der mehrere den Berichten beigefügte Ab¬
bildungen Proben geben . Eines der wichtigsten Ergebnisse der Forschungsreise
war die Feststellung der typischen Giundrissform dieser unter römischer Herr¬
schaft und römischem Einfluss entstandenen jüdischen Bauwerke ; entgegen den
früheren englischen Forschungen , die bei einigen Ruinen drei bis vier Säulen¬
reihen im Innern feststellen zu können meinten , ist bei sämtlichen untersuchten
Synagogen ein breites Mittelschiff mit einem Säulenumgang auf drei Seiten , der
eine Empore trug , jetzt mit Sicherheit nachgewiesen worden . — In den Berichten
über die Grabungen in Babylon meldet Dr . Koldewey einen neuen für die
Topographie der Stadt und Burg Nebukadnezars überaus wichtigen Fund , nämlich
die Auffindung des öfter in Inschriften genannten Kanals Arachtu . — Auch von
den Grabungen in Assur wissen die Briefe des Expeditionsleiters Andrae wieder
erfreuliche Fortschritte zu melden . Die Arbeit konzentrierte sich auf die völlige
Freilegung des Anu - und Adad - Tempels , die nun zu Ende geführt ist und reiche
Ergebnisse an in schriftlichen und archäologischen Funden gebracht hat . So wurde
u . a . der Kopf eines jener überlebensgrossen Stiere mit Menschenhaupt gefunden ,
wie sie an den Eingängen assyrischer Paläste zu stehen pflegen , ferner eine
archaische lebensgrosse Statue aus basaltartigem Stein , leider ohne Kopf , die
vielleicht aus der Zeit um 2000 v . Chr . stammt .
Ein jüdisches Grab aus der Zeit Christi .
Auf dem Gebiet des syrischen Waisenhauses in Jerusalem wurde im März ,
dieses Jahres eine mit einem grossen Stein verschlossene Grabhöhle gefunden, ,
deren genaue ausführliche Beschreibung wir in der von dem syrischen Waisen¬
hause herausgegebenen evangel . Quartalschrift vom Mai 1905 „ Der Bote aus
Zion u lesen . Die Grabhöhle enthält eine durch einen Stein verschlossene Kammer
mit Steinbänken und fünf Schiebgräbern , die ebenfalls durch Steinplatten ver¬
schlossen waren . Drei der Schiebgräber waren leer , zwei enthielten drei mit
Steindeckeln versehene Steinsärge , während zwei weitere Steinsärge in der Kammer
selbst standen . Die hübsch verzierten Särge enthielten menschliche Gebeine und
auf dreien fanden sich griechische und hebräische Schriften : Papias kai Salome
Skythopoleitai , Ammia Skythopoleitissa , Anin Skythopoleites , dann Padias
habbesani , Ammia habbesani , Charin habbesani , Joseph bar ( Sohn ) Charin . Es
handelt sich also um Sachen aus Besani ( Bethsean ) , aus Sauls Geschichte bekannt ,
das in der Makkabäerzeit bereits griechisch Skythopolis hiess . Man muss nach
den Namen und den aramäischen Schriftzeichen jedenfalls auf ein jüdisches Grab
schliessen ; das Grab scheint vor dem Jahre 70 n . Chr . absichtlich verdeckt
worden zu sein , um es vor Entweihung durch die heranziehenden römischen
Heere zu schützen . Doch ist für das Grab der wohl aus Besan nach Jerusalem
übergesiedelten Familie ein Spielraum von 150 - 200 Jahren rückwärts von 70 n .
Chr . zu rechnen . — Der Prozess der Beisetzung ist so zu denken , dass die Leiche
in Tücher gewickelt , in ein zu vermauerndes Schiebgrab gelegt und bis zur voll¬
ständigen Verwesung gelassen wurde . Nach ungelähr zwei Jahren wurden dann
die Gebeine gesammelt und in Steinsärge gelegt , die oft die Gebeine mehrerei -
Verstorbenen enthielten .
Verantwortlich für den redaktionellen Teil von » Altneuland " Dr . S . Soskin , Berlin .
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