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erzwungene mazedonische Reformwerk (welchen Wert es immer haben mag) auf
das ernstete gefährden muss ? Auf der anderen Seite - ist es nicht minder auffällig,
dass die türkische Regierung sich nicht schon früher mit der Dette publique über
diesen Punkt auseinandergesetzt hat, um nach der Verwirklichung ihres Wunsches
glatte Bahn zu haben.
Wie die „Hamburger Nachrichten" schon (in Nr. 157) mitgeteilt haben,
gebühren der Pforte auf Grund des Ergänzungsdekrets vum 15. September 1903
75% sämtlicher überschüssigen Reineinkünfte der Dette publique. Da nun die
für die Tilgungszwecke der Dette publique nötige Jahressumme von 2 157 375 Pfund
zurzeit vorhanden ist, hat die Dette publique nichts dagegen, dass von den
künftigen Zolleinnahmen, sofern der Dette publique davon die Hälfte zugeführt
wird, dann 75% für die mazedonischen Finanzen verwandt werden. Das ist von
der Dette publique sehr nett, kann aber der Türkei nichts helfen. Man schätzt
den Betrag der türkischen Einfuhr auf jährlich 20 Millionen türk. Pfund. Eine
Zollerhöhung um 3% würde also 600 000 türk. Pfund ausmachen. Von diesem
Betrage die Hälfte der Dette publique zugeführt, und von dem Rest 75% für
die mazedonischen Finanzen verwandt, verbleiben für den letztgedachten Zweck
225 000 türk. Pfund, was um ungefähr 50% zu wenig ist. Man kann sich da
auf recht interessante Erörterungen zwischen der türkischen Regierung und den
Vertretern der Staatsgläubiger gefasst machen.
Auswärtige Aktiengesellschaften in der Türkei.
Die „Vossische Ztg." vom 24. Mai schreibt: Zu dem Protest, der von den
Botschaftern bei der Pforte gegen das neue Gesetz betreffend die auswärtigen
Aktiengesellschaften und Versicherungs-Gesellschaften in der Türkei erhoben
wurde, wird der „Pol. Korr." aus Konstantinopel geschrieben: Die neuen Vor¬
schriften enthalten wohl manche Vorteile für die Sicherheit des Publikums,
schaffen jedoch im übrigen eine Reihe von Schwierigkeiten, welche die Operationen
der auswärtigen Gesellschaften in der Türkei ernstlich behindern werden, ins¬
besondere die der Filialen der auswärtigen Banken, deren jetzt eine grosse Zahl
in Konstantinopel und in der Provinz vorhanden sind und die dem Handel
grosse Erleichterungen verschaffen. Art. I dieses Gesetzes legt jeder auswärtigen
Gesellschaft, welche eine Filiale oder eine Agentur in der Türkei errichten will,
die Verpflichtung auf, an das Handelsministerium ein Gesuch zu richten, in
welchem sie ihren Gründungsort, ihre Nationalität sowie die Ziffer ihres Kapitals
angibt und die Verpflichtung eingeht, sich den türkischen Gesetzen anzupassen.
Art. II legt die Erfüllung aller dieser Verpflichtungen innerhalb dreier Monate
auf, auch jenen auswärtigen Aktiengesellschaften, die bereits Filialen oder Agenturen
in der Türkei besitzen. Art. III setzt eine Gebühr von 15 türkischen £ für die
Erteilung der Erlaubnis fest, die vom Handelsministerium ausgefolgt werden wird.
Art. IV setzt eine Reihe von Formalitäten fest für jede Abänderung der Gesell¬
schaftsstatuten und für jede Aenderung der Vertretung der Gesellschaft in der
Türkei. Art. IX bestimmt, dass die auswärtigen Gesellschaften alle Streitfalle
mit türkischen Untertanen vor türkischen Gerichten zu führen haben, und
Art. XIV gibt diesen Bestimmungen einen allgemeinen Charakter, indem er fest¬
setzt, dass die auswärtigen Aktiengesellschaften den Gesetzen und Verordnungen
des türkischen Reiches unterworfen werden. Noch grosser sind die Schwierig¬
keiten, die von dem neuen Gesetz den Versicherungs-Gesellschaften bereitet
werden, von denen einige allerdings ihre volle Aktionsfreiheit und den Mangel