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de n ist, sich zu fragen habew ob 'der Schaden-, der durch die kies¬
gehende Verseuchung weiter BevMerungskreise durch Haßgesühle ein¬
getreten ist, in absehbarer Zeit überhaupt noch wieder gut-
gemacht werden könne.
Dev Natihenau-Mord hat in der Stellungnahme der Deutsch natio¬
nalen VoWPartei in Ostpreußen keinen Wandel hervorgerufen. Wenn
in Nr. 12 dieser Zeitung daraus hingewiesen wurde, daß> die Deutsch-
nationale Votkspartei im gangen den Trennungsstrich nach rechts nicht
vollzogen hat, so illustriert die Haltung der Deutschnationalen Volks¬
partei in Ostpreußen und ihres führenden Blattes in diesen Tagen
diese Auffassung bestens. Der ostpreußische ParteivorsLand hat sich
nicht mit der Erklärung, der Gosamtpartei, daß alles beim alten.
Positiv - völkisch, bleibe, begnügt, sondern in einer Sonde rerklä-
r u n g diese Forderung übertrumpft. Unseres Wissens
sprach in einer deutschnationalen Mitgliederversammlung zum ersten¬
mal in diesen Tagen gerade hier in Königsberg ein Mann wie
G l o g e r , dessen Hetzversammlungen in Ostpreußen im Austrage des
deutschvölkischen Schutz- und Trutzbundes zu den widrigsten Exzessen
führten. Man identifizierte sich mit den Bestrebungen des deutsch¬
völkischen Trutz- und Schutzbundes, dessen Verbot ausgehoben werden
müßte, weil man nach den Worten Glogers stets die Gewalt verpönt
hätte. Als nach dem Ausschluß Hennings aus der Partei und den:
Austritt Mulles und Gräfes es so schien, als ob die Deütschnationalen
die Rechtsbölschcwisten von sich schütteln wollten, beeilte man sich bei
uns, laut und deutlich den Ortsgruppen der Provinz zuzurusen:
„W e i st k e i n e n D e u t s ch v ö l k i s ch e n v o n euch, nur nickt
d i e Partei zersplittern,!" Man fürchtete, die sicherlich nicht
ganz unbeträchtliche Zahl der zu Terrorakten geneigten judenfeindlichen
Anhängerschaft zu verlieren, und identifizierte sich, um diesen Verlust
zu vermeiden, mit Leuten, von, denen das deutschnationale Mitglied,
des Landtages Herr Walter Graes, betont, daß sie in ihrem nationalen
Gefühlsleben erschüttert seien!
Dieser nach wie vor positiv-völkisch eingestellten kompakten Poli-
schen Partei gegenüber versuchte und versucht noch immer unser Landes¬
verband des Central-Vereins alle deutschdenkendenJudem zu
s a m m ein, um sie von der Gefahr, die ihnen und dem Vaterlande
durch diese nationalistischen Kreise droht, Zu überzeugen und in ihnen
immer stärker die Gewißheit zu begründen, daß eine stete Erziehungs-
und Aufklärungsarbeit ihre Früchte in unserem Kampf um die Gleich¬
berechtigung zeitigen muß. Ein besonders starker Judenhaß, der durch
ieden erstbesten Demagogen geschürt werden kann, ist nach unserer
Auffassung ein Beweis dafür, daß die Ausgaben des Central-Vereins
noch nicht mit dem genügenden Nachdruck durchgeführt worden sind.
Wir konnten mit Befriedigung feststellen, daß in denjenigen
Ortsgruppen, die stete Aufklärungsarbeit geleistet haben und jedem
völkischen Uebergriff sofort die Stirn boten, ein wirklich tiefgehender
Judenhaß nicht Wurzeln geschlagen hat. Wenn noch vor gerade drei
Jahren bei der Gründung des Landesverbandes die etwa acht Herren
aus unserer Provinz, welche damals in Königsberg zusammenkamen,
zweifelten, ob man einen solchen Verband überhaupt gründen solle, so
hat dieser, der nun bereits 20 Ortsgruppen und etwa 7 0 Ver-
t r a u e n l e u t e umfaßt, allein seine Notwendigkeit und Nützlichkeit
dargetau.
Wir alle, Landesverband, Ortsgruppen und Vertrauensleute, haben
die Pflicht, immer wieder unseren Anhängern Rechnung zu legen
über das, was wir leisten. Die Mitglieder haben ein Recht, dieses zu
verlangen. Die Erziehung unserer Central-Veremler von Vereins-
-Mitglieder n zu Mitarbeite r n ist die schwierigste, aber die
notwendigste und schönste Aufgabe.
Aückzugskanonerröormer.
Theodor Fritsch und „Die Weisen von Zion".
Mit der Spitzmarke- „Sind d i e z i o n i st i s ch e n P r o t o k o l ke
echt?" versteht Herr Fritsch in der letzten „Hammers-Nummer
einen längeren Aussatz, der ihm und seinen Nachbetern einen guten
Abgang aus einer Blamage, die ihresgleichen sucht, sichern soll Er
kommt nach etwas rabulistischer Abwägung des Für und Wider zu
folgendem interessanten Schluß:
„Es darum viel wahrscheinlicher, daß dieses rnenschheits-
vernateruche Programm wirklich jüdischen Ursprungs ist. wie denn ja
auch echter Talmud- und Rabbineraeist aus dem Ganzen spricht Mög¬
lich ist allerdings, daß der U e b e r s e tze r etwas frei verfahr e'n
i st und manche Sätze -a u s a e s ch m ü ck t und übertrieben
h a t. Der Grundriß aber verleugnet seine jüdische Echtheit nicht.
Sollte dennoch der jüdische Ursprung der „Proto¬
kolle" nicht nachweisbar sein, so blieben sie immerhin das
literarische Meisterwerk eines genialen Kopses, der so tief wie kein
Zweiter in die jüdische Seele geschaut und deren tiefstes und geheimstes
Sinnen und Trachten enthüllt hat. denn daß die Juden so denken und
handeln, wie es hier vorgezeichnet ist. erweist sich täglich aufs neue;
und darum darf man sagen: Jeder, der das jüdische Wesen und Treiben
verstehen will, mutz diese „Protokolle" kennen."
Wir kennen die Weise, wir kennen den Text! Also redete sich die
„Deutsche Zeitung" heraus, als ihr deutschvölkischer Mitarbeiter
Schl rep mann als Verfasser seiner unter dem jüdischen Namen
Pentha-Tnll (Tulpenthal) verfaßten judenfeindlichen Schrift: „Die
jüdische Weltanschauung" entlarvt war. Vorher hatte sich aber die
deutschvölkische Presse wochenlang der Schliepmannschen Schrift als
„typisches Beispiel jüdischer Niedertracht" bedient. Eine „vornehme"
^ Kampsesweise! Nnd an diesem Wesen soll die Welt genestn! Arme
Welt!
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Vor dev Wintermbeit. Die politische Tätigkeit, die in allen
Parteien während des Sommers fast gänzlich zu ruhen pflegt, be¬
ginnt jetzt wieder. Die Winterarbeit muß vorbereitet werden, da¬
mit sie planmäßig vonstatten gehen kann. Die judenfeindlichen
Parteien insbesondere arbeiten schon jetzt mit Fiebereifer. Ihre
Taktik für den Winterfeldzug scheint zu sein, die Schuld an der
Teuerung aus die Juden abzuwälzen und die zu erwartenden Teue¬
rungsunruhen in ein P o g r o m f a h r w a s s e r zu Lenken. Der
Central-Verem sieht dieser Gefahr offenen Auges ins Gesicht und äst
schon seit langem in unermüdlicher Arbeit damit beschäftigt, .Ab¬
wehrmaßnahmen zu treffen, sich nicht überraschen z n
L a s s e n. Unsere Freunde werden verstehen, wenn wir nähere An¬
gaben gerade über diese Tätigkeit nicht veröffentlichen. Der C. V.
ist sich klar darüber, daß es eine falsche Sparsamkeit wäre, wenn
nicht nach allen Richtungen hin die Vorbereitungen getroffen wer¬
den, indem mit allen Möglichkeiten gerechnet wird. Sollte
sich der Pessimismus hier und da nicht bestätigen, um so bester.
Unsere Freunde im Lande können versichert sein, daß wir auf dem
Posten sein werden.
Irrderr und Teuerung. Wir Bitten unsere Mitglieder, uns
alle Zeitungen und Zeitschriften ihres Wohnungsbezirkes, in denen
offen oder versteckt Angriffe gegen die Juden enthalten sind, drese
seien schuld an der Teuerung unserer Tage usw., umgehend tu zwer
Exemplaren zuzusenden und uns sofort Mitteilung zu machen, falls
in ihrem Wohnort oder dessen Umgegend Teuerungsunrugen nnt
antisemitischen Hintergrund sich ereignen.
Nutze ist die erste Bürgerpflicht. Diese Antwort müssen wir
sehr oft unseren Mitgliedern geben, die auf allerlei unkontrollrerbare
Gerüchte hin sich ängstlich an uns wenden, wie man die vermepnLüche
Gefahr abwenden könne. Es handelt sich in den mersten Fällen um
Gerüchte, daß Geschäfte geplündert werden sollen. Ueberall da,
wo man schon tagelang vorher von beabsichtigten Plünderungen
hört, sind sie ausgeblieben. Wo der Mob gewütet hat, wurden dre
Raubzüge plötzlich und unerwartet vorgenommen. Wir
empfehlen das Beispiel vieler Städte, in denen sich die christliche
und Jüdische Kaufmannschaft zu einer Ab wehr-
Organisation gegen Plünderungen zusammen-
geschlossen bat, in der Erkenntnis, daß die judenfeindliche Pro¬
paganda der Kunze und Genossen eine Hetze gegen alle Ladenmhäber
heroeisührt. 'Diese interkonfessionelle Abwehrgemeinschaft muh. tn
Verbindung mit Magistrat und Polizeiverwaltung, vor allem
aber a u ch m i t den Vertretern der Gewerkschaften,
beraten, wie man Plünderungsversuche vereiteln kann. Die
Polizeiverwaltungen haben die Bildung von Arbeiterwehren, die. auf
einen Alarmrns hin bereit sind, nicht ungern gesehen, weil die
ruhigen und besonnenen Elemente der Arbeiterschaft Plünderungen,
an denen sich in der Hauptsache Frauen und halbwüchsige Burschen
beteiligen, aufs schärfste verurteilen, da sie nur geeignet sind, die
berechtigten Arbeiterinteressen zu schädigen.
Ein jrrdenfeinvlrcher Pestsekretär. Beim Postamt in Löwenberg
i. Schl, ist ein Sekretär Obst (Mitglied der Deutschsozialen Partei)
beschäftigt, der während des Dienstes das Hakenkreuz trägt und sich
in wüsten Beschimpfungen gegen die Juden ergeht, ^-chon in seinem
früheren Amtssitz, in Schreiberhau i. R., gab sich Obst einer zügel¬
losen antisemitischen Hetze hin und ist daraufhin auf Grund unserer
Beschwerde beim Reichspostminister nach Löwenberg versetzt worden.
Da er auch hier seine antisemitischen Hetzereien nicht unterlassen
kann, haben wir wieder eine Eingabe an den Reichspostminister ge¬
richtet, ans die uns folgende Antwort eingegangen ist:
„Die stattgehabte Untersuchung hat bestätigt, daß der Postsekretär
Obst in Löwenberg (Schlesien) wiederholt während seines Dienstes
am Annahmeschalter des Postamts judenseindliche und parteipolitische
Aeußerungen getan hat. Dieserhalb und wegen einer Verletzung
seiner Pflicht als Reichsbeamter durch eine Aeuhernng in» einer
öffentlichen Versammlung ist gegen ihn eingeschritten worden. Da
nach seinem gesamten Verhalten seine weitere Verwendung in Löwen¬
berg dem dienstlichen Interesse zuwider läuft, wird ferner seine Ver¬
setzung verfügt werden. In der Angelegenheit betreffend das Tragen
des Hakenkreuzes durch Beamte im Dienst wird demnächst Ent¬
scheidung getroffen werden."
Die Antwort ist nicht befriedigend. Seine nochmalige Ver¬
setzung wird, wenn nicht ernstlich gegen sein Verhalten ein-
geschritten wird, den gleichen Erfolg haben wie in .vorliegendem
Falle. Was den Erlaß einer Verfügung betreffend das Tragen von
Hakenkreuzen durch Beamte im Dienst anbelangt, sei daraus hin¬
gewiesen, daß uns schon Ende vorigen Jahves vom Re-ichspostnumster
eine Entscheidung dieser Angelegenheit durch den Reichsminister In
kürzester Zeit in Aussicht gestellt wurde. Ein Jahr ist vergangen,
und wieder erhalten wir den Bescheid, daß „demnächst Entscheidung
getroffen wird". Wann wird endlich der Herr Reichsminister diese
so dringend notwendige Verfügung erlassen?
Rednerkurse. In unserem Bericht über die in Würzburg
veranstalteten Rednerkurse wurde durch ein Versehen die dankens¬
werte Mitarbeit des Herrn Rabbiner Dr. Salomen (Bayreuth)
unerwähnt gelassen, dessen Vorträge über den Talmud, Schulchan
Aruch und Kolnidre tiefen Eindruck machten.