145
Nekrologe. ?.fm 5. Juni 1.838 starb zu Wien der be-
kannte Orientalist, Herr Juda Jeitteles, geboren 1773 zu
Prag, der Sohn des Prager berühmten Arztes gleiches Namens:
(Jenaische Literaturzeit.)
Die Biographie dieses Arztes, verfaßt von seinem Enkel, Herrn
Ignaz Jeitteles, ist im 2. Jahrg., im 3. Hefte enthalten.
Auch war Hr. Zu da Jeitteles der Bruder des am 13.
Dec. 1813 verstorbenen, gelehrten und hochgeschätzten Herrn Ba-
ruch Jeitteles, Rabbinats-Mitgliedes zu Prag, dessen von
ihm selbst verfertigte merkwürdige Grabschrift: יפה
אישן ראי־^רץ ריר , wir bereits im 4. Hefte des 4. Jahrg. Seite
287 der Sulamith mittheilten.
In der Nacht vom 9. zum 10. November 1838 starb zu
Prag Peter Beer, seit 1811 Lehrer der Moral, Geschichte und
Geographie an der dasi'gen Israelitischen Hauptschule, früher 1784
Lehrer zu Mattersdorf in Ungarn, 1785 zu Neubitschow, als
Schriftsteller durch mehrere historische, dogmatische und ascetische
Werke (״Geschichte der Juden", 1808, ״Geschichte, Lehren und
Meinungen aller religiösen Sekten der Juden," 2 Bde. 1822 f.
״Handbuch der mosaischen Religion," 2 Thle. 1821. ״Toldoth
JiSrael," Gebetbuch ״für gebildete Frauenzimmer mosaischer Re-
ligion", ״Kelch des Heils״ u. m. a.) bekannt, geboren zu Neu-
bitschow, am 19. December 1763.
(Diese Angabe des Geburtsjahres ist unrichtig, auch, die in
der kurzen Lebensbeschreibung Beer's im 3. Jahrgange der Su-
lamitb, 4. Heft, Seite 249, wo 1764 (also wahrscheinlich ein
Druckfehler) als sein Geburtsjahr angegeben wird, denn P. Beer
sagt selbst in einem an uns gerichteten Briefe vom 15. Juni
1838, also wenige Monate vor seinem Hinlcheiden, daß er ein
Alter von 81 Jahren habe. Seine Worte lauten: ״Sie wollen
wissen, lieber Freund, wie ich mich befinde. Mein Befinden ist
so, wie ein Alter von 81 Jahren in der Regel darbietet, das
heißt: 8en6etu8 ipse est morbus; und man muß täglich
das consilium abeundi gewärtigen u. s. w."*)
*} So sehr man auch in neuerer Zeit manche Schrift Beer's ge-
tadelt baden mag, so hat dieser gelehrte Mann gleichwohl sehr viel für
seine Glaubensgenossen zu leisten gesucht, besonders ist dabei das Ver-
dienstliche zu berücksichtigen, daß er zu einer Zeit, und zwar mit Kühn-
heit, austrat, wo noch wenig oder fast gar nichts, am wenigsten für
den Unterricht der Juden geschah und geleistet-wurde und er vorzüglich
VUJ. Jahrg. 2, Land. 10