Bücherschau.
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der Juden in Sachsen," sagt der Verfasser, „kann auf die jetzigen
israelitischen Bürger dieses Landes keine andere Wirkung haben, als
sie dankbar die Segnungen der lichtvolleren Neuzeit anerkennen zu
lassen und sie in den Gefühlen echter Königstreue und inniger Liebe
zu dem Lande zu bestärken, welches ihnen in Wahrheit zur Heimaths-
stätte geworden ist." Die Kenntniß der Geschichte ihrer Vorfahren
wird die Jugend aber auch für den Kampf stählen, den sie vielleicht
in Zukunft für ihre Rechte und ihre Gewisiensfrecheit zu führen
haben wird. 21. T.
L. K. Amitai: Assimilation, Bruxelles. Imprimerie Vve. Michel
Van Dantzig, me du Midi 29. 1900.
Der Verfasser dieser Schrift, der lange Jahre hindurch
als Mitglied bezw. Vorsitzender des „Conseil des hospices civila“ in
Brüssel ein bürgerliches Ehrenamt bekleidete, erweist sich
als ein entschiedener Gegner der Assimilation. Er erstrebt
zwar die politische und soziale Gleichberechtigung der Juden mit
den Andersgläubigen, legt aber besonderen Werth auf die Erhaltung
des jüdischen Geistes. Insofern steht er irN Gegensätze zu unfern
nur der Wahrung der bürgerlichen Rechte der Juden gewidmeten
Bestrebungen, als er das nationale Gefühl einem „idealen jüdischen
Volksgesühl" unterstellt. Sein Streben, Judesein undbleiben
zu wollen, ist uns aber in hohem Grade sympathisch; hier treffen
sich unsere Wege, denn auch wir wollen dies und meinen nur, daß
wir sehr gut glaubenstreue Juden sein können, ohne hinter Anders¬
gläubigen irgendwie zurückzustehen in der opferfreudigen Begeisterung
für unser deutsches Vaterland. A. L.
Robert Fasse. Ahasver. Ein Zeitroman in vier Büchern. Verlag
von Siegfried Cronbach. Preis broschiert 5 Mark,
lieber dieses intereffante Buch schreibt der Verfaffer der „Welt-
und Lebensanschauungen im 19. Jahrhundert", Dr. Rudolf Steinen
„Ein Roman aus dem sozialen Leben der Gegenwart ist „Ahasver.
Gesellschaftliche Strömungen, die tief eingreifen in das Leben des
Einzelnen, werden in satten Farben geschildert. Das Schicksal
intereffanter Individuen erscheint in charakteristischer Weise auf dem
Hintergründe der Zeitkultur. In dieser Zeichnung des Einzellebens,
das seine Lust und seinen Schmerz von den großen Menschheitsgegen¬
sätzen empfängt, liegt die Kunst Robert Jaffe's. In diesem Sinne
ist er Psychologe. Er ist eS in dem guten Sinne, daß er Voll¬
menschen der Gegenwart schildert, die aber zugleich etwa- Typisches in
ihrem Dasein entfalten."
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