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Zm deutschen Reich -
Presse zu bringen , werden heute gleichwohl von einem Blatte an die
Oeffcntlichkeit gebracht , das über die Doppelbestrafung des Studenten
Woth vor Freude ganz aus dem Häuschen ist . Wird nun etwa auch
in diesem Falle ein Strafverfahren wegen Verletzung des Urheberrechts
zu erwarten sein ? Denn da Treitschke erst im Jahre 1896 gestorben
ist , so haben seine Erben und Rechtsnachfolger noch bis zum Jahre
1926 Anspruch auf den Schutz des „ geistigen Eigenthums " ihres
Erblassers . So führen sich die Vorkämpfer der akademischen Frei¬
heit unter hermetischem Verschluß von selbst ad absurdum !
Das ist das Belustigende an der Sache ! "
Nach dem von Pastor Bieliug erstatteten Jahresbericht der
„ Gesellschaft zur Beförderung des Christenthums unter den
Juden " meldeten sich im vergangenen Jahre 44 Personen zur Theil -
nahme au dem Taufunterricht , 9 wurden aus dem Unterricht fort¬
geschickt , weil es ihnen nicht Ernst war mit dem Christwerden ,
und 13 schieden aus , weil sie die „ Schwierigkeit des Uebertritts
unterschätzt hatten " . Von den Verbleibenden wurden 10 Frauen
und 15 Männer getauft . Unter der Ueberschrift „ Der Werth der
Judentaufen " bespricht das Hamburger antisemitische „ Deutsche Blatt "
einen Artikel der „ Frankfurter Ztg . " über den traurigen Mädchen¬
handel , dem auch weibliche Auswanderer jüdischen Glaubens vielfach
zum Opfer fallen . Die „ Frankfurter Ztg . " harte dazu bemerkt : „ Diese
Tharsache veranlagte die Rabbiner von Berlin , Rom , Frankfurt a . M . ,
Hamburg und Wien seit dem Jahre 1898 periodisch Warnungsschreiben
an ihre Gemeinden zu erlassen , worin auf diesen Uebeistand auf¬
merksam gemacht und gebeten wird , alle des schmachvollen Handels
verdächtige Personen zu boykottiren . Selbst nach Rußland , wo doch
jüdischen Frauen der Zutritt verboten ist , ist der Import von Juden¬
mädchen ungeheuer stark , da die Agenten einen Pastor in Hamburg
gefunden haben , der ihre Opfer tauft . " — Daran knüpft das
Hamburger Antisemitenorgan die sehr berechtigte Frage : „ Wer mag
wohl dieser Pastor sein ? " Es wäre recht daukenswerth , wenn die
antis . Abgg . Schack und Raab sich bemühen würden , diesen Menschen¬
freund ausfindig zu machen !
Die vom Deutsch . Israelitischen Gemeindebunde auf
Kosten der hiesigen jüdischen Gemeinde errichtete provisorische Für¬
sorge - Erziehungsanstalt für jüdische Mädchen in Plötzensee bei
Berlin ist am 2 . Juni d . Js . eröffnet worden . Sie ist zunächst nur
für Zöglinge aus der Berliner Gemeinde bestimmt . Jndeß erklärt
sich der Gemeindebund bereit , auch Zöglinge aus solchen jüdischen
Gemeinden Deutschlands anfznnehmen , die entweder in Ueberein -