Umschau.
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Die Kosten der Landtage hatten die Juden selbst zu
tragen; sie stellten sich auf 5—600 Taler. Der Landtag 1736
zu Melsungen verursachte eine Ausgabe von 405 Taler 12 Alb.
4 Heller, lieber jeden Heller Ausgabe wurde genaue Rechnung
abgelegt; die Vorsteher liquidierten auch die kleinste Ausgabe;
es fehlt in den Angaben selbst nicht die Ausgabe für Brot,
Kaffee und Branntwein auf den Reisen.
Auch mit sozialen Einrichtungen hatte sich der Landtag
zu beschäftigen: über Mündelgelder (Landtag 5461 a. m.),
Rabbiner-Sporteln (5464), Anordnung gegen den Kleider-
-luxus und Verbot des Kartenspiels (5479); über die Talmuo-
Tora-Kasse, Freitische der „Studenten" (Bachurin), Abgaben;
bei Hochzeiten, Teffilin, Mesussoh, Paradiesäpfel u. a. (Land¬
tag 5498, 1738). Die vielen Anordnungen sind im Konstituteu-
buch ausgezeichnet?)
Die Umgestaltung der politischen Verhältnisse am Be¬
ginn des 19. Jahrhunderts machte die Landtage entbehrlich.
Im ehemaligen Kurhessen entfaltete das Königlich Westfälische
Konsistorium der Israeliten zuerst seine Tätigkeit. Nachdem
der Kurfürst wieder in sein Land zurückgekehrt war, erfreute
er auch die Israeliten durch ein freiheitliches Gesetz
(Mai 1816). Dieses wurde durch Gesetze von 1823 und 1833
erweitert, und die beiden letzteren wirken heute noch segens¬
reich und werden sicherlich bei der beabsichtigten Judengesetz¬
gebung in Preußen die weitgehendste Beachtung finden.
*
Umschau.
it den „Deutsch-Sozialen Blättern" hat vor wenigen Wochen
O Hennigsen dem Unmut seiner antisemitischen Ge¬
sinnungsgenossen über einen angeblich an die Armee¬
kommandos ergangenen, die
Wahlen zürn Offizien
betreffenden kaiserlichen Erlaß in einer Weise Aus¬
druck verliehen, die für den Wert der von den antise-
*) Dr. Munk, Provinzialrabbiner in Marburg, in der Festschrift
zuin 70. Geburtstag Dr. I. Hildesheimers.