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Im deutschen Reich.
s ch o n u n t e r Billi g ung d ur cf) b cit u (t lt s ntt n i st e-r
b c rt Juden jener P roviuz v o r wirft, sie l a s s e n
bas Heimatsgefühl vermissen, so bars man
wohl fragen, was b e n n diejenigen deutschen
G r u ndbesitze r s ii r ein H e i m a t s g e f Li h l haben,
die ihren eigenen Grund und Boden v e rkaufen,
unb sich von ihm trennen, wenn ihnen von der
A n s i e d 1 ungsko nt m issio n oder g a r s e 1 b st v o n
gegnerischer Seite h o h e Preise g e b o t e n w e r -
den? Wenn die Juden aus der Provinz Posen fortziehen,
■ sobald ihre wirtschaftliche Lage es nur irgend gestattet, so ist
die Ursache die Regierung und ihre ausübenden Organe! Es ist
für die Juden nicht nur keine Lust, dort zu leben, sondern eine
Oual, hervorgerufen durch das Gefühl, als Bürger zweiter
oder dritter Klasse zu gelten und von rechts und links, von
Deutschen und Polen, Schläge zu bekommen" — Im allgemeinen
sind in diesem Artikel die Verhältnisse in den Ostmarken
mit nicht zu bezweifelnder Sachkenntnis geschildert. Unzu¬
treffend ist aber, wie in dem Artikel von Polen, Deutschen
und Juden die Rede ist. Die Juden sind nicht nur „Auch-
deutsche", sie sind b e s o nders gute D e u i s ch e. Als
solche betätigen sie sich auch in der Provinz Posen und werden
gerade deshalb von den Polen gehaßt und geschädigt, von
ihrer eigenen Regierung aber und den von dieser nach den
Ostmarken gesandten antisemitischen Beamten im Stiche ge¬
lassen. Sie empfinden dies um so schmerzlicher, weil sie
keineswegs das ihnen „im allgemeinen" abgestrittene
„H e i m atsgefüh l" vermissen lassen, sondern, weil sie,
tiefgekränkt durch solche ungerechtfertigten Behauptungen, die
früher ihnen so teure Heimat nur mit schwerem Herzen ver¬
lassen.
Lsirschberg t. Schl., 3. August. Nachdem unser lang¬
jähriges Vereinsmitglied, der Stadtälteste Herr E m m o
Weißstein, der 15 Jahre als Stadtverordneter und ebenso
lange dann als Magistratsmitglied für unsere Stadt gewirkt,
insbesondere der Verwaltung der städtischen Sparkasse eine
erfolgreiche Tätigkeit gewidmet hat, aus seinem Amt geschieden,
hat die hiesige Stadtverordneten-Versammlung seinen Sohn,
Herrn Or. Ferdinand W e i ß st e i n , zu seinem Nachfolger
als Stadtrat gewählt. Bei der Amtseinführung dieses neuen