Bücherschau.
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auf antisemitische, sondern nur auf pädagogische und sozial¬
politische Gründe zurückzuführen; wird ja auch vielfach von
jüdischer Seite die Frage der „Volksbibel für die Volks¬
schulen" von demselben Gesichtspunkt aus beurteilt.
*
Mcherschan.
David Kaufmann, GesammelLe Schriften, Band I,
herausgegeben von M. Brann, Frankfurt a. Main.
I. Kaussmann 1908. 80 VIII u. 393 S.
Der vorliegende erste Band der „Gesammelten Schriften
des berühmten jüdischen Theologen David Kaufmann
enthält nach einer Mitteilung des Herausgebers Brann die¬
jenigen Arbeiten Kaufmanns, die auch dem Laien vergönnen,
an seinem Teil die Leistungen jenes genialen Gelehrten zu
genießen. So wird diese Publikation außer den Kennern
der jüdischen Geschichte und Literatur, der die Mehrzahl der
Aufsätze gewidmet sind, auch anderen Lesern reiche Belehrung
in angenehmer Form bieten. Vieles kann auch zur Förderung
der Ziele unseres Vereins, Verteidigung gegen die nichts¬
würdigen Angriffe auf unsere Gemeinschaft sowie Stärkung
unseres Selbstbewußtseins, benutzt werden. Gibt es doch noch
in unseren eigenen Reihen, um von den Andersgläubigen zu
schweigen, viele, die nach heutiger Anschauung sehr gebildet
sind, „und sich gar nicht vorstellen können, daß die Juden
im Mittelalter etwas anderes getan haben als Psalmodieren
und Wuchertreiben". Mit Recht hebt Kaufmann solchen Jrr-
tümern gegenüber die Bedeutung der Wissenschaft des Juden¬
tums hervor. Vielen ihrer vorzüglichsten Vertreter, wie
Zacharias Frankel, Graetz, Rosin, Sachs und . Zunz, hat er
interessante Studien gewidmet, die in dem vorliegenden Bande
abgedruckt sind. Ein anderer Aussatz, der den Titel führt:
„Zur Geschichte der Kunst in den. Synagogen", ist geeignet,
die Ansicht, daß das Judentum sich im Mittelalter und bis
in die Neuzeit hinein der künstlerischen Ausschmückung der
Kultgegenstände gegenüber ablehnend verhalten habe, aus der
Literatur verschwinden zu lassen.
Den Ergebnissen der Wissenschaft des Judentums wünschte