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Im deutschen Reich.
Jahr ailshängen. Was bei den Katholiken ein Brauch ist,
kann bei den Juden nicht zum Unfug oder zu einer Ungesetz¬
lichkeit umgestempelt werden. Das Staatsgesetz kennt hier
keine Zwangsmittel, die dies verhindern; auch wäre es un-
moralisch, in Handlungen einer religiösen Genossenschaft ein¬
zugreisen, die doch nur einen sittlichen Zweck verfolgen nsw."
2 (Erfurt, 4. Februar. Der Wahlausschuß der vereinigten
rechtsstehenden Parteien im Reichstagswahlkreise Erfurt-
S ch l e u s i n g e n - Z i e g e n r ü ck hat beschlossen, den Rechts¬
anwalt Ulrich-Berlin als gemeinsamen Kandidaten auf¬
zustellen. Rechtsanwalt Ulrich hat bekanntlich neben dem
Antisemiten Dr. Henrici-Leipzig in einer tumultuösen Ber¬
liner StudentenversannnOing eine bemerkenswerte Rolle
gezielt.
A Breslau, 10. Februar. In dem „Ostdeutschen Land¬
wirt", einer Wochenschrift, die u. a. dem „Neu salz er
Tageblat t" beigelegt wird, findet sich (in Nr. 5 vom
4. Februar 1911) folgendes Inserat: „Ritte r g uts-
b e s i tz e r s - S o h n , Oberleutnant d. R., wird dem¬
nächst Rittmeister, bekannt mit 'den ersten Familien Pommerns,
sucht sich mit reicher Dame, nicht unter 1 Mill. M. Bermögen
zu v erheiraten. Dame k a n n auch j ii bischer K o u -
fession und alt sein. Mit körperlichem Fehler
behaftet, ist kein Hindernis. Eingebrachtes Vermögen,
wenn groß genug, soll zur Gründung eines Majorats
Verwendung finden. Strengste Diskretion wird zugesichert
und verlangt. Offerten sind unter „Reell" usw. an die Erp.
d. Bl. zu richten." Dazu bemerkt die „Breslauer Zeitung":
„Wir glauben, daß dieser „reelle" Herr Oberleutnant der
Reserve, der sich selbst durch das Inserat so trefflich kenn¬
zeichnet, bei seiner Anspruchslosigkeit in bezug auf die Person
der künftigen Gattin zum Ziel gelangen wird, und wir
gratulieren dem preußischen Staate schon jetzt zu diesem
neuesten Fideikommißbesitzer."
JP Bremen, 3. Februar. Wie die „Weser-Zeitung" be¬
richtet, haben die Vertrauensmänner des Bundes der Land¬
wirte im Wahlkreise Stade-Bremervörde den P a st o r
V o ß ans Büttel bei Dedesdorf als Kandidaten für die bevor-